Auf der dunklen Seite der Macht: Star Wars Battlefront 2 im Test

Es sollte besser werden als Battlefront. Die Entwickler versprachen, dass man auf das Feedback der Spieler gehört habe und dementsprechend im Nachfolger umgesetzt hätte. Die Präsentation auf EA und gamescom sahen durchaus vielversprechend aus. Und trotzdem hagelte bereits vor der Veröffentlichung von Battlefront 2 massive Kritik von allen Seiten auf EA ein. Der Hauptgrund war das Lootbox-System, mit dem das Spiel zum Release an den Start gehen sollte. Die Reaktion der Gaming Community fiel eindeutig aus, Vorbestellungen wurden storniert, Bewertungen fielen negativ aus. Letztendlich haben die Spieler EA damit zum Zurückrudern gezwungen. Das umstrittene System, welches vor allen Dingen vom Glück und der eigenen Geldbörse abhängig war anstatt vom Fortschritt und Können der Gamer, ist vorerst deaktiviert worden. Die Betonung liegt auf vorerst. EA behält sich vor Verbesserungen vorzunehmen und dieses Feature zu einem späteren Zeitpunkt per Update wieder in das Spiel zu integrieren.

Aber nicht nur der Multiplayer sollte eine Aufhübschung bekommen. Nachdem der Storymodus im Vorgänger nicht wirklich existent gewesen ist, ist bei Battlefront 2 auch mehr für die Singleplayer Kampagne geworben worden. Leider kann auch diese nicht überzeugen. Die Battlefront 2 Kampagne wirft eine neue Heldin, Iden Versio, in das Star Wars Universum. Sie ist Commander des sogenannten Inferno Squads des Imperiums. Aus ihrem Blickwinkel erlebt der Spieler, wie der Todesstern und mit ihm Großteile des Imperiums, allen voran dem Imperator und Darth Vader, in die Luft gejagt werden. Doch der Imperator wäre nicht der Herrscher der Galaxie gewesen, hätte er nicht auch für diesen Fall einen Plan vorgesehen gehabt. So wird Iden Versio mitsamt ihren Kollegen mit einem Auftrag betraut, nachdem sie sich von Endor retten konnten. Operation Cinder ist gestartet und soll dafür sorgen, dass die Welten der Galaxie wieder in Kontrolle des Imperiums gelangen. Das Spiel setzt also unmittelbar mit dem Ende von Star Wars – Episode 6 ein.

Im Verlauf der 13 Missionen inklusive Prolog erlebt der Spieler die Geschichte nicht nur aus Iden’s Blickwinkel, sondern bekommt auch die Möglichkeit in die Rollen von Luke, Han oder Leia zu schlüpfen. Genau hier liegt eine der Schwächen der Kampagne. Die Story schreit an mehreren Stellen lauthals „Plot Device“ (um Spoiler zu vermeiden, wird nicht näher auf den weiteren Verlauf der Handlung eingegangen). Das bedeutet, dass es einige Wendungen gibt, die nur dazu da sind, um die Geschichte in eine bestimmte Richtung zu lenlen. Sie wirken teilweise zu konstruiert, als dass sie wirklich überzeugen. Zum Teil liegt es auch daran, dass Battlefront 2 durch die Handlung rast, als wäre man auf der Flucht. Damit kommt man direkt zur nächsten Schwäche der Kampagne. Sie ist nur rund 4,5 Stunden lang. Dies gilt gewiss auch für andere Shooter, die sich auf den Multiplayer konzentrieren. Battlefront 2 versucht aber schlicht zu viel Handlung in zu kurze Zeit zu packen. Es kommt keine wirkliche Bindung zu den Figuren auf, so richtig genießen kann man die Story nicht. Selbst wenn der Spieler gerade in eine Mission eingetaucht ist, ist sie zumeist auch schon wieder vorbei. Zu Gute halte kann man Battlefront 2 jedoch, dass es die erzählerische Lücke zwischen den Episoden 6 und 7 ein wenig schließen kann. Mit Blick auf den bevorstehenden nächsten Teil der Saga lässt Battlefront 2 sogar Raum für Spekulationen.

So viel zur Kampagne, zurück zum Multiplayer. Bereits die anspielbare Version auf der gamescom ließ vermuten, dass Spieler durchaus einiges an Zeit würden investieren müssen, um hochwertige Sternenkarten zu erhalten, mit denen die Soldaten im Kampf ausgestattet werden können. Ähnliches galt für den Erwerb der Helden wie beispielsweise Darth Vader. Die Spieler müssen auch nach Release und der Umstellung durch EA einige Runden absolvieren, ehe sie in den Genuss der wertvolleren Ausrüstungsgegenstände kommen. Für den Moment ist der Erfolg und der Fortschritt allein von den persönlichen Fähigkeiten des Spielers abhängig. Vor Release sah es noch sehr danach aus, dass aus dem Multiplayer ein Pay-to-Win Game geworden wäre. Der Alptraum von vierstelligen Geldbeträgen, die in Lootboxen investiert werden müssten, um alle Gegenstände zu erhalten, oder duzenden Spielstunden, die Spieler in Battlefront 2 stecken müssen, um auch nur einen Helden dauerhaft freizuschalten, scheint vorerst der Vergangenheit anzugehören.

Das optisch ansprechende Game bietet eine Vielzahl an Karten und Maps, auf denen sich die Spieler beliebig austoben können. Dabei können sie zwischen der First- und Third-Person-Ansicht wechseln. Allerdings bietet letztere Variante den Vorteil, ein größeres Sichtfeld zu haben. Galactic Assault bietet einzelne Szenen aus den bekannten Star Wars Filmen, in denen es gilt, bestimmte vorgegebne Ziele zu erfüllen bzw. den Gegner davon abzuhalten. Insgesamt bis zu 40 Spieler stürzen sich hier ins Gefecht. Starfighter Assault wirft die Spieler in Raumschlachten von bis zu 24 Spielern, die zusätzlich von KI-Fightern unterstützt werden. Für Gamer, die es lieber mit weniger Mitspielern zu tun haben, ist der Modus Strike besser geeignet. Ein Team muss hier ein Objekt beim Gegner entwenden. Dieser Modus kommt etwa Capture-The-Flag oder Rush entgegen. Blast ist dagegen mit dem klassischen Team Deathmatch gleichzusetzen. Zu guter Letzt gibt es auch wieder die Möglichkeit, nur mit den Helden gegeneinander zu kämpfen. Die Anzahl der vorhandenen Maps ist deutlich gestiegen und bedient sich dabei an Orten aller Star Wars Epochen.

Wie bereits im Vorfeld bekannt gewesen gibt es vier Klassen, aus denen der Spieler wählen kann. Diese können mit Fortschritt weiter aufgewertet werden. Ebenso werden bessere Waffen freigeschaltet. Es gibt weiterhin Loot-Boxen. Allerdings werden diese aktuell nur noch gegen Ingame Credits gekauft. Wer mit den Boxen kein Glück hat, kann die Sternenkarten auch selbst craften. Im Vergleich zu Battlefront kann der Spieler den Soldaten den eigenen Vorlieben und Spielstilen angepasst werden. Für einen Multiplayer nicht ungewöhnlich ist es, dass man ihn gemeinsam mit seinen Freunden bestreiten möchte. Leider bietet Battlefront 2 nicht die Möglichkeit gemeinsam mit den Mitspielern einer Party in das Erlebnis einzutauchen. Ob man nun zusammen mit den anderen auf der Map spawnt oder nicht, ist rein zufällig. Es hilft wohl, wenn die Spieler zuvor gemeinsam den Löffel abgegeben haben. Ansonsten gibt es keinerlei Möglichkeit den Einstiegspunkt zu wählen. Gerade auf großen Karten ist dies ärgerlich, da kein gemeinsames Spielgefühl aufkommt. Warum man sich hier nicht intern am Battlefield System orientiert hat, ist nicht verständlich.

Was bleibt also nach der großen Aufregung, die Battlefront 2 bereits vor Release ausgelöst hat? Graphisch sieht der Shooter fantastisch aus. Der Spieler fühlt sich direkt in die Welt von Star Wars hineinversetzt. Das alleine reicht leider nicht, um eine eindeutige Kaufempfehlung auszusprechen. Singleplayer Kampagne und der eher zu vernachlässigende Arcade Mode können leider den Vertrauensverlust, den EA sich mit seiner ursprünglich geplanten Vorgehensweise eingehandelt hat, nicht ausgleichen. EA hat erklärt, dass man weiter am Multiplayer arbeite und das Spiel weiter verbessern wolle. Trotzdem kann man es wohl niemandem übel nehmen, eine Anschaffung weiterhin sorgfältig abzuwägen. Künftige DLCs sollen kostenlos sein. Auch hier bleibt abzuwarten, ob EA nicht doch einmal zurückrudert. Dieser Tage wäre es nicht überraschend, sollte Electronic Arts nach dem Kinostart von The Last Jedi sowie dem Weihnachtsgeschäft per Update das Game wieder zu Ungunsten der Spieler verändern. Letztendlich werden auch die Gamer entscheiden, ob die Macht mit EA sein wird.

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