The Evil Within 2 ist ein handzahmes Horrorspiel

Mit The Evil Within hat Shinji Mikami nach seinem Abgang bei Capcom die in Resident Evil 4 popularisierte Formel für Horrorspiele weiterentwickelt und ein etwas verwirrendes, aber spannendes Horrorspiel geschaffen. Leider war dem Spiel der große Erfolg verwährt, doch immerhin hat es für einen Nachfolger gereicht, der dieser Tage für Xbox One und PlayStation 4 den Weg in die Ladenregale findet. Wir haben uns The Evil Within 2 zu Gemüte geführt und verraten euch, ob das Spiel euch das Fürchten lehren wird.

In The Evil Within 2 schlüpft man wieder in die Rolle von Sebastian Castellanos, dem Protagonisten des ersten Teils. Motiviert durch die Suche nach seiner entführten Tochter begibt er sich auf eine weitere Reise in eine gefährliche virtuelle Realität. Dieses Mal erkundet Sebastian die amerikanische Kleinstadt Union. Während der erste Teil von The Evil Within einen Großteil seiner Faszination aus der Frage bezog, was hinter dem wilden Trip steht, den Sebastian bestreiten muss, legt das Studio bei The Evil Within 2 gleich zu Beginn alle Karten auf den Tisch. Da man sich im Wesentlichen für das gleiche Szenario wie im Erstling entschieden hat, würde ein weiteres Versteckspiel bei Kennern des Vorgängers auch nicht funktionieren. Auf der anderen Seite nimmt das dem Spiel natürlich ein Stück weit die Spannung.

Nun möchte The Evil Within 2 aber als Horrorspiel brillieren und als Ausgleich für die erzählerische Harmlosigkeit sollte man eine inszenatorische Zuspitzung erwarten, die das Spiel gruseliger macht. Leider ist The Evil Within 2 wohl eines der am wenigsten gruseligen Horrorspiele überhaupt. Die Gegnertypen sind recht unkreativ und in Hinblick auf Schockmomente haben die Entwickler ganz tief in die Mottenkiste des Genres gegriffen. Wenn man ein prominent platziertes Tor durchschreitet, steht in aller Regel ein Kampf in eine eng begrenzten Areal bevor, wenn man Leichen auf dem Boden sieht, werden diese erwartungsgemäß erwachen und dem Spieler ans Leder wollen, wer andere Genrevertreter gespielt hat, der wird in The Evil Within 2 eine Sammlung der ausgetretensten Pfade wiederfinden.

Doch auch ein wenig gruseliges Horrorspiel kann immer noch eine lohnende Erfahrung sein, wenn das Gameplay überzeugt. Der eigenartige extrabreite Bildschirmausschnitt des Vorgängers gehört dieses Mal zum Glück der Vergangenheit an, allerdings kann man immer noch ganz und gar nicht davon sprechen, dass die Entwickler ein glückliches Händchen für die Kameraführung bewiesen hätten. Die Kamera steht viel zu nah am Hauptcharakter und so verdeckt der breite Rücken von Sebastian den Großteil des Geschehens. Selbst wenn man sich nicht im Nahkampf mit allerlei Monster befindet, stört die eingeschränkte Perspektive den Spielfluss ungemein. Ein gewichtiger Fokus im Spiel ist das Schleichen und das Deckung nehmen, was dem Spieler erlaubt wertvolle Munition zu sparen. Allerdings sieht man gerade in Gebüschen und hohem Gras, wenn die Kamera mit Sebastian in die Hocke geht, schlicht gar nichts mehr.

Das eigentliche Third Person Shooter-Gameplay nach dem Vorbild von Resident Evil 4 wird in diesem Spiel durch eine enorme Munitionsknappheit und Unmengen an Sammelgegenständen aufgebrochen. Zwar ist die Schussmechanik ordentlich umgesetzt, allerdings hat man nur ein sehr beschränktes Inventar für Munition und auch in der Umgebung befindet sich in der Regel nur wenig Munition. Dafür findet man Unmengen an Waffenteilen, Schießpulver und weiteren Ressourcen, die man an eine Werkbank zu neuen Waffen, Munition und Heilgegenständen zusammenwerkeln kann. Diese Sammelei und Bastelei ist spielerisch aber recht substanzlos und verbessert die Spielerfahrung nicht.

Neben den linearen Kapiteln des Spiels, die sich im Wesentlichen wie der Erstling spielen, gibt es auch einige offene Gebiete zu erkunden, in denen man abseits der Hauptmission auch eine Hand voll von Nebenmissionen findet. Diese offeneren Gebiete spielen sich ein wenig wie ein Open World-Spiel auf kleinerem Spielfeld, das heißt, dass das gewohnte Verfolgen von Questmarkern durch spielerisch wenig bedeutsame Kulissen in diesen Abschnitten der Normalfall ist. Schade ist, dass die kleineren offenen Gebiete nicht dazu genutzt wurden, die Welt dichter und interessanter zu gestalten als in riesigen Open World-Spielen. In jedem Fall sind die offenen Gebiete keine gelungene Neuerung.

The Evil Within 2 ist ein insgesamt durchwachsener Nachfolger. Zwar wurden Kritikpunkte wie der hohe Schwierigkeitsgrad und die für viele verwirrende Geschichte aufgegriffen, dennoch kann The Evil Within 2 spielerisch nicht überzeugen. Die Neuerungen sind im Wesentlichen misslungen und die Atmosphäre des Spiels ist nicht annähernd beklemmend genug. Dass Sebastian ohne Unterlass „Was zur (Hölle)“ sagt, hat immerhin einen gewissen Unterhaltungseffekt. Große Fans des ersten Teils werden sicher auch mit The Evil Within 2 ordentlich unterhalten, aber abseits dessen ist der Titel sicherlich keine Empfehlung wert.

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