Assassin’s Creed: Origins – Gelungener Neustart im alten Ägypten auf Xbox One und PS4

Mit Assassin’s Creed hat Ubisoft eine der wohl bekanntesten Videospiel-Marken der letzten zehn Jahre erschaffen. Im Jahres-Rhythmus brachten die Franzosen einen Ableger nach dem anderen heraus – wenn man die zahlreichen Spin-Offs noch mit dazu zählt, war die Wartezeit sogar noch kürzer. Doch die Kritik nahm mit jedem Serienableger zu: Zu redundant sei der Spielablauf, zu formelhaft, zu wenige Neuerungen bzw. Entwicklungen. Für Assassin’s Creed: Origins nahm sich Ubisoft also wieder etwas mehr Zeit. Ob der Neustart gelungen ist, erfahrt ihr bei uns.

Der Name ist Programm: Assassin’s Creed: Origins will uns nicht nur die Anfänge des Assassinen-Orden näher bringen, sondern versetzt uns von allen Ablegern in die mit Abstand weitesten zurückliegenden Vergangenheit – ins Ägypten 42 vor Christus. Dabei schlüpfen wir in die Haut von Bayek, einen ehemaligen Wächter seiner Heimatstadt Siwa. Wieso ehemalig? Nun, weil der gute Mann vom Orden der Ältesten eingekerkert wurde. Wieso, weshalb, warum? Das ist die Frage! Wir wollen hier nicht zu sehr ins Detail gehen, da Assassin’s Creed: Origins im Gegensatz zu den Vorgängern endlich wieder eine spannende Hauptstory bietet. Und wer sind wir, das wir euch diese spoilern?

Dass die Handlung so gut gelungen ist, hat vor allem ein Grund: Es sind nicht die Charaktere, die zwar interessanter sind als in den letzten beiden Episoden, aber immer noch nicht vor Profil glänzen, vielmehr ist es die sagenhafte Spielwelt. Ägypten ist ein Traum. Das Virtuelle. Das Reale vielleicht auch, das kann ich mangels Vergleich nun nicht bezeugen. Aber was Ubisoft hier für eine Spielwelt erschaffen hat, verdient größten Respekt. Ägypten ist nicht nur extrem abwechslungsreich und mit unheimlich viel Liebe geschaffen, viele bekannte historische Figuren wie Kleopatra sorgen zudem für Atmosphäre. Natürlich bietet auch Assassin’s Creed: Origins eine Gegenwarts-Story, auf die wir jedoch auch nicht näher eingehen wollen, wenngleich diese bei weitem nicht so spannend ist.

Die große Frage ist natürlich, inwiefern sich Assassin’s Creed: Origins spielerisch weiterentwickelt hat. Die Antwort ist: Ein gutes Stück – aber ein wenig Strecke liegt noch vor uns. Die legendäre Ubisoft-Formel wurde zwar etwas angepasst, ist aber nach wie vor vorhanden.  Angefangen bei den Türmen. Die gibt es in Ägypten immer noch, dienen aber nicht mehr dazu, die Karte aufzudecken. Als Schnellreisepunkte und zur Überblicks-Gewinnung sind die hoch gelegenen Positionen aber immer noch dienlich. Weitere Neuerung: Es gibt nun keine Minimap mehr. Dafür hat Ubisoft ein Kompass-System, ähnlich wie dem von Fallout 4 oder Skyrim, implementiert. Fragezeichen und weitere Symbole zeigen uns an, was es in welcher Richtung zu entdecken gibt. Prinzipiell ja keine schlechte Idee, sagt Ubisoft ja selbst, dass sie damit den Erkundungsdrang wieder stärken wollen. Tatsächlich erwischt man sich dabei, nicht ständig auf die Minimap zu achten (geht ja auch gar nicht), trotzdem ist das Ganze nur halb durchdacht. Denn: Auf der großen Karte sehen wir pro Gebiet immer noch, wo genau was ist. In Gebieten, wo kein Fragezeichen zum Beispiel ist, findet sich auch nichts Interessantes. Sprich: Wirkliches Erkunden lohnt sich also immer noch nicht, es bleibt beim zum Teil monotonen Abklappern von Aufgabenlisten. Die leider oftmals ziemlich langweilig sind, mit Ausnahme von ein paar ganz coolen Gräbern.

Immerhin: Früher war es schlichtweg für den spielerischen Aspekt vollkommen egal, ob ihr nun alle Federn etc. eingesammelt habt. In Assassin’s Creed: Origins profitiert ihr Dank dem neuen Charaktersystem deutlich mehr von Belohnungen. Das neueste Assassinen-Abenteuer entpuppt sich nämlich fast schon als ausgewachsenes Rollenspiel. Level-Ups gab es auch früher schon, doch dieses Mal erhalten wir nicht nur Fähigkeiten-Punkte, die wir in einem von drei Skilltrees verpulvern, sondern verbessern auch unsere allgemeinen Attribute rund um Stärke und Gesundheit. Entdeckungen wirken sich somit vielmehr auf die Entwicklung des Charakters aus, was natürlich der Motivation ungemein förderlich ist.

Darauf fußt auch die nächste grundlegende Neuerung: Das überarbeitete Kampfsystem. Vorbei sind die Zeiten, in denen ihr mit nur einer (Konter-)Taste 20 Feinde ohne Probleme besiegen konntet. Assassin’s Creed: Origins hat sich bei den Kämpfen ordentlich bei Dark Souls bedient. Mit der linker Schultertaste bedient ihr euer Schild, die rechte führt einen schnellen Angriff, der rechte Bumper einen schweren aus. Ausweichen darf und muss man freilich auch, denn die Gegner haben nun deutlich mehr auf dem Kasten als früher. Wie in Dark Souls geht es nun darum, Stärken und Schwächen der Feinde kennenzulernen und auszunutzen. Das macht nicht nur viel mehr Spaß, ist gleichfalls auch deutlich anspruchsvoller, zumal es etliche Gegner gibt, die im Level über euch liegen und für die ihr erst später wiederkommen müsst.

Unterfeuert wird das Ganze noch von den zig Ausrüstungsgegenständen. Wie bei Mittelerde: Schatten des Krieges oder The Witcher 3: Wild Hunt erbeutet ihr immer wieder Loot, von einfachen über seltene bis legendäre Gegenstände. Gepaart mit den diversen Crafting-Möglichkeiten (die typische Ubisoft-Jagd auf Wildtiere darf nicht fehlen) bietet das Kampfsystem somit erstaunlich viel Tiefe, ohne die ganz große Brillanz eines Dark Souls zu erreichen – was man bei Ubisoft ja aber auch gar nicht will.

Nimmt man nun doch die tolle Technik hinzu, ist Assassin’s Creed: Origins in jedem Falle der beste Serien-Ableger der letzten Jahre – vielleicht sogar der Beste. Es gibt immer noch Luft nach oben: Die Erkundungs-Mechanik ist nicht so durchdacht wie versprochen, gerade die Nebenmissionen sind oftmals ziemlich lahm und der Sammelwahn somit immer noch hoch. Dank dem neuen Charakter- und damit verbunden Kampfsystem ist das Alles dennoch viel motivierender, als früher. An dem grandiosen Ägyptensetting kann man sich darüber hinaus ohnehin nicht sattsehen.

Das könnte Dich auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar