Zurück auf das virtuelle Spielfeld in Madden NFL 18

Wenn es eine zuverlässige Konstante auf dem Videospielmarkt gibt, dann ist das EA Sports. Jahr für Jahr werden die wirtschaftlich wichtigsten Sportarten mit neuen digitalen Gegenstücken versehen. Eine der Kernserien im Programm ist sicherlich Madden NFL, das Jahr für Jahr zu den erfolgreichsten Spielen in den USA zählt. In Deutschland fristet die Reihe mangels entsprechender Popularität des Sports und ohne jede regionale Anpassung ein Nischendasein. Wir haben uns den diesjährigen Ableger Madden NFL 18 einmal genauer angeschaut und verraten euch, ob das Footballspiel sich mit einer neuen Engine gebührend weiterentwickelt hat.

In den vergangenen Jahren ist die Madden NFL-Serie mehr und mehr stagniert, die letzten Ableger haben trotz Jubiläen und Generationenwechsel nicht eben mit frischem Wind glänzen können. Entsprechend gering waren meine Erwartungen, in Madden NFL 18, gerade in einem Jahr, in dem erstmals die neue Engine Frostbite zum Einsatz kommt, mit spielerisch signifkanten Neuerungen rechnen zu können. Doch weit gefehlt, Madden NFL 18 differenziert sich so deutlich von seinem Vorgänger, wie wohl seit mindestens fünf Jahren kein Madden-Titel.

Der Umstieg auf die neue Engine, der kurioserweise sogar im Introvideo angekündigt wird, obgleich für die wenigsten Spieler bedeutesam, hat zur Folge, dass die optische Darstellung der Spielermodelle und der Stadien bedeutend realitätsnäher ausgefallen sind. Allerdings muss man das gleich relativieren, wenn es um die Animationen geht, denn diese sind, besonders außerhalb der eigentlichen Spielsituationen bisweilen erschreckend hölzern und ungelenk. Hier sind eine ganze Menge Entwicklerstudios den EA-Teams derweil signifikant voraus. Nichtsdestotrotz verwirklicht Madden NFL in seiner 2018er Saison endlich den vollen Wechsel in die aktuelle Konsolengeneration.

Doch viel entscheidender ist natürlich die spielerische Seite und hier hat sich einiges getan. Der wohl bedeutendste Unterschied zu den Vorjahresversionen ist der Umstand, dass Madden NFL 18 sich nicht mehr ausschließlich an Freunde realistischer Simulationen richtet, sondern dem Spieler gleich zu Beginn die Wahl lässt, ob er Madden NFL 18 lieber als Simulationsspiel oder als Arcadespiel spielen möchte. Das Simulationssetting folgt unmittelbar in die Fußstapfen der Vorjahrestitel und verlangt methodisches Vorgehen vom Spieler – wie gewohnt auf einem Level, der in den höheren Schwierigkeitsgraden ohne viel Einarbeitung wohl nur beinharten Fans des Sports zugänglich sein dürfte. Im Gegenzug verspricht der Arcade-Modus eine höhere Spielgeschwindigkeit, weniger Komplexität und einen sanfteren Spieleinstieg. Tatsächlich ist Madden NFL 18 im Arcade-Modus wesentlich fixer und erlaubt schon früh wesentlich spektakulärere Aktionen. Der Arcade-Modus ist eine sehr willkommene Ergänzung, zumal Madden mittlerweile die einzige Football-Spiel-Reihe ist und durch diese Option beiden typischen Sportspiel-Ausrichtungen Rechnung trägt.

Ebenfalls neu mit dabei ist der Story-Modus in dem man einen jungen Spieler dabei begleitet, wie er den Aufstieg von einem Außenseiter zu einem Profi beschreitet. Die Geschichte wird in ausführlichen Zwischensequenzen mit voller englischer Sprachausgabe erzählt und nimmt einen ziemlich großen Raum im Spiel ein. Gelegentliche schnelle Dialogoptionen, nicht unähnlich der Telltale-Spiele ermöglicht es, in die Konversationen einzuwirken, allerdings war dem Augenschein nach der Einfluss auf den Geschichtsverlauf eher gering. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe von Quick Time Events, in denen der Spieler schnell die angezeigten Knöpfe drücken muss, um zumeist mit dynamischer Kamera inszenierte besondere Football-Aktionen durchführen muss. Schließlich spielt man natürlich auch wie gehabt einfach Football, wobei der Geschichtenverlauf einen positiven Ausgang der Spiele voraussetzt und im Fall des Misserfolges nicht etwa eine andere Geschichte weitererzählt, sondern den Spieler die Situation wiederholen lässt. Der Anteil der eigentlichen Geschichterzählung steht leider in keinem Verhältnis zum Gehalt der Geschichte, die insgesamt ziemlich uninteressant ist, den Spieler aber mehrere Stunden lang an nicht bis mäßig interaktive Szenen bindet. Nichtsdestotrotz ist dieser Modus eine willkommene Ergänzung des Einzelspielermodus.

Neben den Neuerungen bietet Madden NFL 18 natürlich eine Menge gewohnter Kost, mit dem klassischen direkten Spielmodus, Online-Mehrspieler-Modus und Karrieremodus, sowie dem vollen Line-Up offiziell lizenzierter Teams und Spieler aus der amerikanischen Football Liga. In Sachen Authentizität und Atmosphäre hat das Team sich wie gewohnt nicht lumpen lassen und bringt die Erfahrung einer Football-Übertragung auf die Spielkonsolen.

Madden NFL 18 ist gleichermaßen ein gelungener Nachfolger des Vorjahrestitels ohne allzu drastische Änderungen auf Seiten des reinen Simulations-Gameplays, wie auch ein Titel mit einer gewissen Eigenständigkeit. Arcade-Spielstil und Storymodus bringen frischen Wind in die Reihe und die neue Engine sorgt für eine stimmigere Präsentation. Insgesamt ist Madden NFL 18 der vollständigste Nachfolgetitel der Reihe seit einigen Jahren und rechtfertigt auch wenn man die Vorgänger kennt als Football-Fan den Kauf. Spieler, die Football als TV-Spektakel wenig abgewinnen können, werden allerdings auch in der neuen Madden-Version sicher nicht zum Fan.

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