Destiny 2: Liefert Bungie endlich den versprochenen Multiplayer-Blockbuster ab?

Destiny war alles andere als ein Flop für Publisher Activision und Entwickler Bungie. Die Verkäufe waren sehr gut, die Kritiken größtenteils auch – und dennoch wurde relativ viel auf dem MMO-Shooter rumgehackt. Aber eben nicht, weil Destiny ein schlechtes Spiel war, sondern vielmehr deshalb, dass der Titel nicht sein volles Potential ausreizte. Das soll Destiny 2 nun besser machen. Wir haben uns unzählige Stunden für euch als neuer Hüter verdingt und verraten euch, was sich alles getan hat.

Einer der Hauptkritikpunkte an Destiny war seine lahme Story. Das neu-geschaffene Universum rund um die Hüter, den Reisenden, Kabale und Co. bot durchaus Raum für epische Handlungen – doch die blieben leider aus. Zeit für einen Neustart also, den Bungie mit Destiny 2 durchführt. Die Ereignisse des Vorgängers werden zwar nicht ignoriert, dennoch dürften auch Neueinsteiger absolut keine Probleme haben, auch wenn ihnen Begriffe wie „Der Turm“ oder „Der Sprecher“ erst einmal nicht so geläufig sein dürften. Doch um was geht es nun genau? Die rote Legion der Kabale, angeführt von dem finsteren Dominus Ghaul will sich das Licht des Reisenden aneignen. Ein Hüter nach dem anderen, quasi die Leibgarde der Riesenkugel, wird dabei aus dem Weg geräumt. Auch euer virtuelles Alter Ego fällt dem Kabalen zum Opfer, landet unsanft auf der Erde, aber immerhin am Leben. Noch besser: Auf der Erde hat sich mittlerweile ein Widerstand auf einer schicken Farm versammelt, um neue Kräfte zu bündeln. Dafür braucht ihr natürlich weitere Hüter – was ein Glück, dass auch Clayde-6, Zavala und Ikora Rey noch am Leben sind. Weniger gut: Ihr müsst sie erst ausfindig machen.

Dazu bereist ihr die vier Planeten Erde, Io, Titan und Nessus. Keine Bange: Auch wenn die Erde als Schauplatz schon aus dem Vorgänger bekannt ist, so steht euch in Destiny 2 eine komplett neue Region zum Erkunden bereit. Zugegeben, auch die Handlung von Destiny 2 ist nicht besonders originell, kaum spannend und im Grunde vollkommen austauschbar. Was Bungie aber deutlich besser macht, ist die Inszenierung. Aufwendige Zwischensequenzen bringen euch Charaktere näher und bieten reichlich Action. Auch innerhalb der Missionen gibt es nun mehr Skript-Events und vor allem beeindruckende Kulissen, wodurch sich die Story wertiger anfühlt. Dennoch: Wegen der Handlung wird Destiny 2 niemand spielen.

Dafür ist ja in erster Linie der Mehrspieler-Modus dar, wobei man Destiny 2 auch solo abseits der Kampagne sehr gut spielen kann. Gegenüber dem Erstling hat Bungie einige Dinge anders gemacht. Konntet ihr früher schon nahezu von Beginn an euch in Strikes stürzen oder auf Patrouillen-Missionen gehen, so müsst ihr in Destiny 2 erst einmal die Kampagne abschließen bzw. ein gutes Stück vorantreiben. Das mag auf den ersten Blick nach Einschränkung klingen, wir halten das jedoch für eine gute Idee. So wird man nicht gleich zu Beginn von den ganzen Aktivitäten abgelenkt und kann sich mehr auf die Kampagne konzentrieren und sich so die Grundlagen aneignen.

Wobei man zugeben muss. Sooooo viel Ablenkung gab es in Destiny nun ja auch wieder nicht. Ja, die Strikes waren eine tolle Sache, die Raids sowieso, aber was taugten schon die Erkundungsmissionen? Und das ständige mühsame Aussuchen der Mini-Herausforderungen, für die man stets erst den Zwischenstop im Orbit einlegen musste – lange Ladezeiten inklusive. Hier hat Bungie nun an den richtigen Stellschrauben gedreht. So könnt ihr nun direkt von einem Planeten zu eurem Unterschlupf reisen beispielsweise. Aber vor allem das stark verbesserte Endgame ist die größte Stärke von Destiny 2 gegenüber seinem Vorgänger. Ist die Kampagne erst einmal rum (was im Schnitt auch nur sechs, sieben Stunden dauert) dann warten neben den wie gewohnt abwechslungsreichen und spannenden Strikes und den obligatorischen Patrouillen-Missionen (immerhin etwas abwechslungsreicher als früher) noch weitere Abenteuer-Quests oder spezielle NPC-Quests auf euch. Die sind zum Teil richtig gut designt und herausfordernd und machen richtig Bock. Daneben könnt ihr euch natürlich auch in den Schmelztiegel begeben, in dem wie gewohnt PvP-Modi auf euch warten. Auch hier gibt es mit Countdown einen neuen Spielmodus, der frappierend an Counterstrike erinnert. Ein Team soll eine Bombe platzieren, das andere muss das verhindern. Wer stirbt, ist bis zur nächsten Runde raus.

Des Weiteren warten tägliche und wöchentliche Herausforderungen von Ikora Rey auf euch, die ihr nun nicht mehr einzeln rauspicken müsst, sondern automatisch je Spielmodus (Strike, Quest, Schmelztiegel etc.) angezeigt bekommt – viel komfortabler als früher. Ebenfalls motivierend und der dem Spaß an der Erkundung zuträglich sind die Lost Sectors. Von diesen versteckten Gebieten gibt es auf jedem Planet einige. Findet ihr diese auf der Karte, was teilweise gar nicht so einfach ist, bekommt ihr es meist mit besonders schweren Gegnern zu tun. Am Ende winkt aber stets eine reichlich gefüllte Beutekiste. Auch die öffentlichen Events feiern eine Rückkehr. Diese finden nun nicht mehr wahllos statt, sondern ein Countdown zeigt euch stets an, wann und wo ein solches Event startet. Sehr schön: Die öffentlichen Events sind nicht nur abwechslungsreicher als früher, sondern können auch in eine „heroische Phase“ gebracht werden, in denen sie besonders herausfordernd und lohnenswert sind.

Überhaupt, die Sache mit der Belohnung. Natürlich gibt es in Destiny 2 wieder enorm viel Loot zu erbeuten, das macht immerhin den Reiz des Titels aus. Aber auch das Erkunden der Spielwelt ist für sich genommen schon eine Belohnung, hat Bungie doch (bislang) vier herausragend designte Planeten erschaffen. Die Charakter-Entwicklung ist im Große und Ganzen gleich geblieben, bietet hier und da aber ein paar Neuerungen. Zur Auswahl stehen wieder Jäger, Titanen und Warlock. Jede Klasse bietet neben einem dritten Talentbaum nun auch Klassenfertigkeiten. Der Jäger kann sich mit einer schnellen Ausweichrolle aus einer gefährlichen Situation befreien, der Titan platziert ein kugelsicheres Schild vor sich und der Warlock erschafft eine Heilkugel. Das klingt erst einmal nach nicht viel, doch durch neue Perks können die speziellen Fähigkeiten verbessert werden, wodurch sich die drei Helden-Klassen am Ende unterschiedlicher anfühlen, als früher. Ebenfalls gelungen ist das überarbeitete Waffensystem. Scharfschützengewehre und Schrotflinten beispielsweise zählen nun zu den schweren Waffen, für die es standesmäßig eher wenig Munition gibt  – eine gute Entscheidung, steigert das doch den Wert dieser Waffenarten, die im Vorgänger zu mächtig waren. In Destiny 2 dürft ihr zudem mit einzelnen Mods eure Ausrüstung anpassen. Das erfordert zwar zum Teil ein gewisses Maß an Mikromanagement, lässt euch in Destiny 2 dafür eurer Charakter aber viel individueller ausstatten, als noch im ersten Teil.

Lob verdient auch der erste Raid „Leviathan“. Ohne zu viel vorweg nehmen zu wollen: Hier zeigt Bungie, dass Destiny 2 nicht nur als Shooter besteht, sondern dass man auch Geschick und ein wenig seinen Kopf auf die Probe stellen muss. Zwar gibt es leider immer noch kein Machmaking, um Spieler für Strikes und Raid zu finden, doch immerhin könnt ihr euch nun über eine Ingame-Anfrage an Clans wenden und euch temporär in deren Dienste stellen. Über das Shooter-Gameplay muss man vermutlich nichts sagen: Kaum ein Entwickler versteht es so gut, ein so befriedigendes Gunplay hinzubekommen, wie Bungie. Jeder Treffer ist eine Wucht, die allgemeine Spielbarkeit ist wieder einmal enorm.

Auch technisch macht Destiny 2 einen Sprung nach vorne. Zwar könnten gerade die Texturen schärfer und die Kantenglättung effektiver sein, doch die wundervollen Effekte und die toll designten Umgebungen hinterlassen dennoch einen sehr gelungenen Eindruck. Beim Sound gibt es ohnehin nichts zu meckern, sowohl der epische Soundtrack als auch die Effekte sowie die deutschen Sprecher sind erstklassig. Nur die Ladezeiten, die könnten immer noch etwas kürzer ausfallen.

Wer das alles jetzt von vorne bis hinten gelesen hat, der wird merken: Wir sind sehr angetan von Destiny 2. Bungie hat vieles verbessert: Die Charakter-Entwicklung inklusive Lootverteilung, die Abwechslung im Endgame und neue Komfortfunktionen. Es ist aber noch nicht alles Gold, was glänzt. Gerade die Handlung hat immer noch Luft nach oben und natürlich hat man irgendwann auch in Destiny 2 alles gesehen – dann muss Bungie nachliefern, und das im besten Falle nicht nur durch kostenpflichtige DLCs. In Sachen Gameplay gibt es wie erwähnt überhaupt keinen Raum für Kritik, das Gunplay ist einfach eine Wucht und macht richtig süchtig. Natürlich: Wer mit dem Erstling rein gar nichts anfangen konnte, der wird vermutlich auch Destiny 2 nicht lieben. Doch wer nur ansatzweise gute Shooter mag, sollte unbedingt einen Blick riskieren.

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