Film trifft auf Visual Novel in Late Shift auf der Xbox One

Als die CD gestützten Konsole Mitte der Neunziger Jahre aufkamen, war das für viele Entwickler Anlass, den großen Zugewinn an Speicherplatz zu nutzen, um ihn mit – meist äußerst schwach gespielten – Videoaufnahmen zu füllen. Von diesem Trend ist heutzutage nur der eine oder andere Lacher übrig, doch Late Shift versucht nun, die ersten Gehversuche im interaktiven Videospielfilm auf neue Höhen zu hieven.

Late Shift ist im Wesentlichen ein Film, der mit den Wahlelementen einer Visual Novel angereichert ist. Das bedeutet, dass man an mehreren Stellen im Spiel die Auswahl aus verschiedenen Reaktionen seitens des Hauptcharakters hat und in der Konsequent leicht veränderte Dialoge, oder aber auch vollständig andere Abläufe zu sehen bekommt. Teilweise konvergieren zwei verschiedene Abläuft zu einem späteren Zeitpunkt – je nach getroffener Wahl – wieder, in anderen Fällen laufen die beiden Wahlen zu vollständig anderen Enden des Films hin.

Interessant ist dabei, dass die Entwickler durchaus sehr verschiedene Enden vorgesehen haben, mit unterschiedlich erfreulichem Ende für den Hauptcharakter. Hat man das Spiel abgeschlossen, wird außerdem angezeigt, wie viele mögliche Entscheidungen man bereits getroffen hat, so dass man bei mehreren Durchläufen durch den Film überblicken kann, ob man bereits alles gesehen hat, oder ob sich ein weiterer Durchlauf lohnt.

Leider haben die Entwickler aber ein signifikantes Feature moderner Visual Novels wie Virtue’s Last Reward nicht abgeschaut: einen Entscheidungsbaum. Wenn man also eine einzelne Entscheidung anders treffen möchte als bislang, die erst nach dreißig Minuten des Films ansteht, bedeutet das, dass man bis zu dieser Stelle seinen Entscheidungen nachfolgen muss und erst dann die neue Entscheidung treffen kann. Außerdem wird es schnell sehr unübersichtlich, welche Entscheidungen man bereits vollständig exploriert hat und an welcher Stelle man noch einmal eine andere Entscheidung treffen muss. In der Konsequenz ist eine vollständige Exploration der Möglichkeiten des Spiels unnötig nervig.

Der Film selbst ist erstaunlich gut gespielt und inszeniert und ist tatsächlich ungefähr auf dem Niveau eines TV-Films. In Anbetracht der sehr verschiedenen Abläufe ist es teilweise sicherlich schwierig, die verschiedenen Entscheidungen glaubhaft im filmischen Gesehen unterzubringen, insgesamt ist das jedoch ziemlich gut gelungen. Der Plot selbst ist hingegen nicht sonderlich originell: Ein junger Student gerät durch eine unglückliche Verkettung von Umständen in einen Raub und muss sich anschließend gegen Verbrecher und Polizei gleichermaßen zur Wehr setzen, während er eine im Hintergrund stehende Verschwörung aufklärt. Das ist durchaus unterhaltsam, aber gleichzeitig nicht besonders originell.

Late Shift belebt das von den frühen CD-Spielen popularisierte Genre gekonnt neu und vermeidet viele Fehler der damaligen ersten Gehversuche. Mit einem etwas kreativeren Plot und einigen Verbesserungen in Hinblick auf die Vervollständigung des Entscheidungsbaums könnte sogar eine richtig empfehlenswerte Spielerfahrung herausspringen. Nichtsdestotrotz, auch in seiner jetzigen Form ist Late Shift ein ungewöhnliches und unterhaltsames Filmspiel.

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