Elliot Quest wandelt in den Spuren von Zelda II

Zelda ist für eine ganze Reihe von Indie-Entwicklern eine entscheidende Inspirationsquelle. Allerdings ist hierbei in aller Regel klar das Spieldesign ab dem dritten Teil das leuchtende Vorbild. Im Falle von Elliot Quest haben die Entwickler sich hingegen des vielseits als schwarzes Schaf verschrienen zweiten Teils von NES angenommen und das Konzept von Zelda II: Adventure of Link weitergedacht.

In Elliot Quest schlüpft man in die Rolle des jungen Mannes Elliot, der von dem bösen Satar als künftiger Körper seines dunklen Geistes auserwählt wurde. Der Spieler muss die Kraft von vier Elementargeistern sammeln, um sich schließlich der größten Gefahr seiner Welt stellen zu können. Spielerisch ist Elliot Quest ein Action-Adventure mit Rollenspielanleihen in genau der gleichen Form, wie man es von Links zweitem Videospielabenteuer kennt. In der Vogelperspektive erkundet man eine Oberweltenkarte, die ihrerseits verschiedene Schauplätze, wie Höhlen, Städte und insbesondere die großen Dungeons beherbergt. Betritt man einen dieser Schauplätze, wechselt die Perspektive in eine Seitenansicht und man bewegt Elliot nach links und rechts, springt und kann Pfeile schießen, Elliots bevorzugte Angriffsmethode.

Neben den Pfeilen kann Elliot zudem mit einer im Laufe des Spiels stets wachsenden Zahl an Zaubersprüchen aufwarten, die wahlweise über ein Menü ausgewählt, oder per Druck auf die Trigger durchgewechselt werden können. Diese magischen Fähigkeiten dienen allerdings nicht nur der Offensive, sondern zudem als Schlüssel zu neuen Gebieten, Geheimnissen und Rätseln. Die Rätsel sind in Elliot Quest sogar ein gutes Stück trickreicher als in Zelda II, nehmen aber im Vergleich zur Erkundung und dem Kampf eine eher untergeordnete Rolle ein. Rollenspieler freuen sich über ein Level-Up-System, das dem Spieler insgesamt 20 Mal erlaubt, eines von fünf Attributen aufzuwerten, wenn er genügend Erfahrungspunkte sammelt. Aber Achtung: Im Fall eines vorzeitigen Ablebens verliert man eine ordentliche Zahl an Erfahrungspunkten und es ist nicht möglich, alle Attribute bis zum Maximum aufzuleveln, man sollte also weise wählen. Zusätzliche Attributverbesserungen können findige Spieler mit sammelbaren Herzteilen für Lebensenergie und Magieflaschen für magische Energie erzielen.

Ein wenig unglücklich ist, dass Elliot Quest bisweilen wirkt, als hätten die Entwickler ein NES-Spiel auf die Xbox One portiert. Damit ist nicht etwa die simple 2D Optik oder das klassische Gameplay kritisiert, sondern der Umstand, dass die Steuerung so wirkt, als sei sie auf eine geringere Zahl an Knöpfen ausgelegt. Zumindest zwei Knöpfe, B und Y, hätte man für magische Aktionen zur Verfügung stellen sollen, denn später im Spiel ist der regelmäßige Wechsel zwischen den Fähigkeiten ziemlich nervig, besonders, wenn die Fähigkeiten im Kampf benötigt werden.

Das Spieldesign selbst ist sehr gelungen, gerade die Dungeons – derer es übrigens bedeutend mehr als vier gibt – sind sehr durchdacht und bieten eine Reihe guter Ideen. Allerdings ist es oft nicht ganz klar, wo man als nächstes hingehen muss und die Suche nach dem nächsten Zielort kann trotz einiger Abkürzungen sehr ermüdend sein, da man immer wieder bereits bekannte seitlich scrollende Gebiete durchlaufen muss, während man seinen nächsten Zielort sucht. Hier hätte man entweder etwas mehr Hilfe beim Finden des rechten Weges bieten, oder aber die Suche etwas komfortabler gestalten sollen. Immerhin wird man so dazu angehalten, bekannte Gebiete immer mal wieder zu durchqueren und auf diese Weise immer weitere wertvolle Sammelgegenstände aufzulesen.

Technisch ist Elliot Quest kein sonderlich aufregendes Spiel, es sieht auf den ersten Blick wie ein NES-Spiel aus, selbst die Farbpalette wirkt oft recht eingeschränkt. Auch die Musik erinnert an NES-Zeiten. Allerdings muss man hier sagen, dass die Entwickler teilweise schon frech nah an einem Plagiat wandeln. Besonders eine der Tempelmusiken ist unverkennbar an ihr Äquivalent in Zelda II angelehnt. Auch optische Elemente erinnern so stark an den Nintendo-Titel, dass hier klar mehr als eine bloße Inspiration vorliegt. Leider ist das Spiel übrigens im Test auch zwei Mal abgestürzt, was allerdings in Anbetracht der großzügigen Speicherpunkte kein Problem dargestellt hat.

Elliot Quest ist eine gelungene inoffizielle Fortsetzung von Zelda II und macht einiges sogar besser als das Original. Wer Zelda II zu schätzen weiß, der wird auch mit Elliot Quest eine Menge Spaß haben. Allerdings wäre bei allem Verständnis zur Nähe zum großen Vorbild ein wenig mehr Eigenständigkeit auf jeden Fall wünschenswert gewesen.

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