Prey: Weltraum-Action mit Bedacht und Vorsicht für eine neue Generation

Vor gut zehn Jahren gab es schon einmal ein Spiel mit dem Namen Prey. Erinnert sich noch jemand daran? Damals schlüpfen die Spieler in die Rolle des Cherokee-Indianers Tommy, der auf ein Alienraumschiff entführt wurde und neben seiner eigenen Freiheit gleich noch die Welt retten musste. Obwohl das Spiel ein kommerzieller Erfolg wurde, dauerte es mehr als zehn Jahre bis nun endlich der Nachfolger erschienen ist. Zunächst hatte sich Bethesda Softworks die Rechte des ursprünglichen Teams gesichert, doch es folgten Querelen über die Ausrichtung des Projekts und so wurde der angekündigte Nachfolger im Oktober 2014 offiziell eingestellt. Im letzten Jahr auf der E3 hat Bethesda dann einen Neustart der Reihe angekündigt und das fertige Produkt halten wir nun in den Händen.

Prey hat nichts mehr mit dem gleichnamigen Vorgänger gemeinsam. Statt die Geschichte mit Tommy weiterzuführen, haben sich die Entwickler auf eine komplett neue Ausrichtung konzentriert. Dieses Mal schlüpft ihr wahlweise in die männliche oder weibliche Variante des Charakters Morgan Yu. Ihr befindet euch auf der Raumstation Talos 1, die von der Organisation TranStar geleitet wird. Unter anderem finden dort Versuche an der außerirdischen Spezies Typhon statt. Dabei seid ihr selbst Teil eines Experiments, bei dem Wissenschaftler versucht haben, mittels Neuromods die menschlichen Fähigkeiten zu verbessern. Doch irgendetwas ist furchtbar schief gelaufen, denn eigentlich, so gaukelt es euch zumindest euer Verstand vor, seid ihr auf der Erde und solltet erst in ein paar Tagen zur Raumstation reisen. In Wirklichkeit jedoch befindet ihr euch seit mehr als drei Jahren auf besagter Station. Doch was ist schon Traum und was Wirklichkeit? Ab hier beginnt das Abenteuer Prey so richtig.

Zu Beginn des Spiels seid ihr noch vollkommen auf euch allein gestellt. Lediglich eine Computerstimme namens January dirigiert euch die Apartments, Labore und endlose verwinkelte Gänge. Und ihr stellt euch Fragen über Fragen. Was ist eigentlich passiert? Warum sind kaum Wissenschaftler zu sehen und was für Experimente werden hier eigentlich durchgeführt? Wer die Antworten erfahren will, darf sich dann nicht nur auf die Gespräche mit der Computerstimme konzentrieren, sondern sollte auch die zahlreichen Dokumente, Infoschnipsel und Videos genauer unter die Lupe nehmen. Nur so erfahrt ihr wirklich alle Details der Geschichte und des ganzen Drumherums. Dabei solltet ihr eines dabei nicht vergessen. Die Typhon sind eine hinterlistige Rasse und können sich als alle möglichen Gegenstände tarnen. Da liegt ein Medipack in der Ecke? Vorsicht, möglicherweise ist das auch ein Gegner. Außerdem beeinflussen einige eurer Entscheidungen den Spielverlauf und folglich das Ende.

Vorsicht ist zu 90 Prozent das probate Mittel zum Erfolg in diesem Spiel. Prey ist nämlich kein Shooter, durch den ihr einfach durchrennt. Behutsames Vorgehen erweist sich auch auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad als bessere Variante. Munition für die diversen Waffen gibt es nämlich nicht im Überfluss. Zumal man eh meist auf der Suche nach verschiedenen Gegenständen ist, die einem das Vorankommen ermöglichen. Dementsprechend ist auch das Leveldesign ausgefallen. Meist gibt es mehrere Wege, die zum Ziel führen, je nachdem wie man als Spieler vorgeht und welche Items sich im Besitz befinden. Richtig Fahrt nimmt das Spiel allerdings erst auf, sobald die ersten Neuromods eingepflanzt, Verbesserungen für den Raumanzug angebracht und die Gloo-Kanone gefunden wurden. Dann entfaltet sich zum üblichen Shooter-Gameplay noch eine Rollenspielkomponente, die eine Charakterentwicklung gemäß des eigenen Spielstils zulässt. Ihr mögt es lieber actionreich, dann levelt den entsprechenden Skilltree auf. Besonders interessant an dieser Stelle ist die Möglichkeit, die eigene Spielfigur selbst zu einem Alien werden zu lassen und so deren Fähigkeiten gegen sie einzusetzen.

Optisch kann der Titel dank der CryEngine mühelos überzeugen. Die Inneneinrichtung von Talos 1 besticht durch verschiedene Stile und erinnert entfernt etwas an BioShock. Überall werdet ihr viele kleine Details entdecken, die alle zusammen genommen eine sehr dichte Atmosphäre erzeugen. Lediglich die Gegner hätten etwas mehr Abwechslung vertragen können, denn zumeist laufen euch nur die Standardtypen der Typhon über den Weg, was leider dem ganzen Erlebnis etwas die Spannung raubt. Da bringen dann auch ab einem gewissen Punkt die Mimikry-Fähigkeiten der Gegner nichts mehr. Die Synchronisation hingegen ist durchaus gelungen, ebenso wie die restliche akustische Untermalung. Die Musik und die Soundeffekte erzeugen ein sehr reales Bild der Raumstation. Leider können nicht alle Dialoge mit viel Tiefgang überzeugen, aber das ist nicht die Schuld der Sprecher.

Auch wenn Prey einige kleinere Macken aufzuweisen hat, bleibt unterm Strich dennoch ein sehr gutes Spiel mit einer motivierenden Einzelspielerkampagne und gelungenen Rollenspielelementen. Lediglich der sehr gemächliche Beginn, ein paar Frustmomente und belanglose Diskussionen mit den verbliebenen Menschen trüben das Gesamtergebnis. Wer nach Doom wieder auf der Suche nach einem Shooter mit Sci-Fi-Hintergrund ist, kann bei Prey kaum etwas falsch machen. Wer darüber hinaus alle Enden sehen will, sollte den Titel mehr als einmal durchzocken und muss streckenweise andere Entscheidungen treffen.

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