Injustice 2: Kann es sowohl Anhänger von Beat’em Ups als auch Comic-Fans überzeugen?

Im Kino will der Funken bislang noch nicht so richtig überspringen. Die letzten DC-Verfilmungen waren eher, nun ja, maximal „ok“. Vielleicht sollte Warner Bros. einfach mal die Jungs und Mädels von NetherRealm die Story schreiben lassen? Bereits bei Injustice: Gods Among Us leisteten die Entwickler hervorragende Arbeiten – und das bei einem Beat’em Up! Das es sogar noch besser geht, beweisen die Chicagoer nun mit dem Nachfolger Injustice 2.

Knappe acht bis neun Stunden unterhält die Story-Kampagne von Injustice 2. Und bietet dabei nicht nur über 70 spannende Kämpfe, die fließend von einer Zwischensequenz in die andere übergehen, sondern auch gut zwei Stunden von diesen Ingame-Cut-Scenes. Und was wird da für ein Feuerwerk abgefackelt! Es rummst, es kracht, es menschelt aber auch. Klar, die Handlung von Injustice 2 gewinnt grundsätzlich keine Blumentöpfe (da hätte Poison Ivy vermutlich eh was dagegen), ist aber zum einen richtig gut inszeniert und überrascht dennoch mit einigen interessanten Charakter-Einblicken und Wendungen. Sogar diverse Entscheidungen stehen auf dem Programm, ein gewisser Wiederspielwert ist also gegeben. Dabei muss man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass Injustice 2 „nur“ ein Prügelspiel ist. Aber eines, das derzeit mit Street Fighter und Co. so richtig den Boden aufwischt.

Natürlich besitzt Injustice 2 einige Stärken im Mehrspieler-Modus – bei einem Beat’em Up wäre alles andere aber auch fahrlässig. Und dennoch ist für uns der neue DC-Klopper das derzeit beste Prügelspiel für Solisten und kann Spielern, die lieber nur gegen die KI antreten, nur wärmstens ans Herz gelegt werden. Neben der umfangreichen Kampagne steht nämlich noch der Multiverse-Modus zur Auswahl. Wer Mortal Kombat X gespielt hat, kennt das Prinzip bereits aus den Living Towers: Im Mulitverse-Modus werden zufällig zusammengestellte Aufgaben auf einer Übersichtskarte zur Auswahl gestellt, in denen stets unterschiedliche Modifikationen zur Geltung kommen. Beispielsweise zählen nur bestimmte Angriffe oder es gibt eine Art Sudden Death, wo der erste Treffer gleich der Letzte ist.

Der Multiverse-Modus macht dabei regen Gebrauch von einer weiteren Neuerung in Injustice 2: Der Charakter-Anpassung. Viele der zufälligen Events setzen nämlich ein Charakter-Level bzw. eine bestimmte Eigenschaft voraus. Dabei gibt sich der Titel fast schon wie ein Rollenspiel: Je öfter ihr einen Helden (oder Schurken) einsetzt, desto schneller steigt er im Rang. Nach und nach erspielt ihr Loot und Ingame-Münzen, mit denen ihr wiederrum Schatzkisten kaufen könnt, die noch mehr Loot beinhalten. Mit den erstanden Gegenständen stattet ihr nun eure Charaktere aus. Eine neue Brustplatte inklusive noch fescherem Batsymbol für den Dark Knight? Kein Problem! Frische Armschienen für Green Arrow? Klar doch! Das System ist unheimlich motivierend, artet aber glücklicherweise nicht in Balancing-Problemen aus – im Mehrspieler-Modus kann man solche Aufwertungen auf Wunsch deaktivieren oder zumindest ein Grundlevel vorgeben.

28 spielbare Charaktere bietet Injustice 2 bislang. Das ist keine wahnsinnig hohe Anzahl, aber einer mehr als solide. Und ehrlich gesagt sind uns „weniger“ Charaktere auch lieber, wenn sie dafür gut ausbalanciert sind und sich auch spürbar voneinander unterscheiden. Beides ist bei Injustice 2 gegeben. Alte Bekannte wie der Joker, Batman, Superman oder Wonder Woman mischen natürlich ebenso mit wie Debütanten wie Black Adam oder Captain Cold. Das Design der Figuren ist einmal mehr herausragend gelungen und orientiert sich eher an den Comic-Vorlagen, als an den aktuellen Filmen- und Serien.

Und das Kampfsystem? Nun, im Grunde ähnelt es (natürlich) sehr dem aus dem Vorgänger, wurde aber hier und da aufgefrischt. Das Tempo ist nochmals einen Ticken höher als früher, die Inszenierung nach wie vor brachial: Wenn Batman gegen Superman kämpft, wird die Wucht richtig spürbar. Natürlich sind die 12 sehr hübsch designten Umgebungen wieder sehr interaktiv, so können beispielsweise Gegenstände geschleudert oder als Trampolin missbraucht werden. Viele der Arenen bieten darüber hinaus eine zweite Ebene, in die man seinen Kontrahenten im wahrsten Sinne des Wortes hineinprügeln kann. Das bewährte Kampfsystem aus schnellen Kombos (am Boden und in der Luft) sowie Spezialattacken funktioniert sehr gut und wird durch den neuen Meter-Brust ergänzt. Diese mehrgliedrige eiste füllt sich mit der Zeit und kann gleich auf mehrere Weisen verwendet werden: Komplett voll entleert sie sich in einer mächtigen Superattacke, die nicht nur ordentlich an der Lebensenergie des Feindes saugt, sondern auch genial inszeniert ist. Nur einzelne Blöcke lassen sich verwenden, um beispielsweise „normale“ Spezialattacken zu verstärken oder um mit Ausweich- und Block-Aktionen Zeit zum Durchatmen zu gewinnen.

Oder man setzt seinen Meter-Burst bei den brandneuen Konflikten ein. An bestimmten Stellen im Spiel kann man einen solchen Konflikt starten. Dann begeben sich beide Charaktere auf Augenhöhe und beide Spieler (oder Spieler und KI) setzen einen bestimmten Anteil der Meter-Burst-Leiste ein – wer am Ende am Meisten eingesetzt hat, gewinnt die Auseinandersetzung und fügt dem Gegner entweder viel Schaden zu, oder heilt sich selbst. Das Ganze hat ein wenig was vom Pokern, zudem sollte man natürlich auch taktisch abwägen, ob man sich seinen Meter-Burst nicht lieber für andere Dinge einspart.

In all seiner Summe ist Injustice 2 somit das aktuell vermutlich beste Prügelspiel. Offensichtliche Schwächen bietet der Titel kaum: Mehrspieler-Freunde freuen sich über klassische Online-Ranglisten-Matches und stabile Server, Solisten können etliche Stunden im Story-Modus oder im Multiverse verbringen. Die Charakter-Individualisierung motiviert darüber hinaus ungemein und technisch wie auch inszenatorisch fährt NetherRealm große Geschütze auf: Injustice 2 überzeugt nicht nur mit vielen Details, tollen Effekten und einem herausragenden Design, sondern auch mit unglaublich guten Gesichtsanimationen – in Zeiten von Mass Effect: Andromeda ein ziemlich heiß diskutiertes Thema. Auch das Kampsystem ist eingängig, aber bietet genügend Komplexität für Profis, der geschickte Einsatz des Meter-Burst sorgt indes für taktische Tiefe. Für Beat’em Up- und Comic-Fans ein echter Pflichtkauf!

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