Tom Clancy’s Ghost Recon Wildlands: Ubisoft schickt euch nach Bolivien

Ubisoft hat sich in den letzten Monaten an der einen oder anderen frischen Marke probiert. Steep zum Beispiel, oder For Honor. Auch Watch Dogs 2 zählt noch nicht unbedingt zu den etablierten Franchise. Ghost Recon hingegen schon. Die Taktik-Reihe zählt sogar zu Ubisofts ältesten Marken. Mit Wildlands dürfen wir nach Jahren der Abstinenz endlich wieder taktische Gefechte austragen. Doch warum Ubisoft Wildlands am besten auch unter einem neuen Namen gepackt hätte, verrät unser Test.

Beginnen wir mit der Story, die ihren Namen eigentlich nicht verdient hat. Der Grund: Es gibt keine. Nun ja, natürlich gibt es schon eine Rahmenhandlung. Aber die ist so belanglos, das wir uns fast jedes Wort darüber sparen könnten. Freilich kommen wir unserer Pflicht jedoch nach: In Wildlands werden die Ghosts nach Bolivien geschickt, um einen fiesen Drogenbaron, El Sueno, und seinem Kartell das Handwerk zu legen. So, das wars. Ohne Flachs. Mehr braucht ihr nicht zu wissen, viel mehr gibt die Story auch nicht her. Keine interessanten Charaktere, keine spannenden Skripts, selbst die Spielwelt bietet erstaunlich wenige Hintergrund-Infos.

Das ist natürlich schade, soll euch aber nicht daran hindern, in Wildlands trotzdem Spaß zu haben. Eines hat Ubisoft nämlich richtig gut geschafft – die Spielwelt. Bolivien ist nicht nur unfassbar riesig, sondern auch sehr abwechslungsreich und wunderschön designt. Es gibt zig verschiedene Regionen, alle mit ihren besonderen Eigenheiten. Zumindest im optischen Sinne. Da kommt es Ghost Recon Wildlands natürlich zu Gute, dass auch die Technik mitmacht: Gerade auf der PS4 Pro und dem PC (aber auch auf der normalen PS4 bzw. Xbox One) überzeugt das virtuelle Bolivien mit scharfen Texturen, tollen Licht- und Wettereffekten sowie vielen Details. Die stellenweise etwas krude wirkenden Animationen fallen da zwar etwas aus dem Rahmen, doch schaut man dort schnell drüber hinweg.

Bolivien ist nicht nur groß, es gibt es auch sehr viel zu tun. Ubisoft und Open-World: Das kennt man ja. Und tatsächlich dauert es nicht lange, bis eure Übersichtskarte mit zahlreichen Icons überhäuft wird. Dort noch ein Fragezeichen, hier noch ein Sammelobjekt, drüben noch eine Nebenmission. Das hält euch freilich viele, viele Stunden auf Trab, besonders innovativ und abwechslungsreich spielt sich das Ganze aber nicht. Überhaupt, die spielerische Seite: Wildlands läuft unter dem Ghost Recon-Label, also sollte man doch einige taktische Gefechte erwarten. Und ja, ihr könnt euch durchaus an eure Feinde heranschleichen, Banditenlager mit Drohnen auskundschaften und den Schalldämpfer der Bazooka vorziehen. Und ja, die KI macht einen wirklich guten Job – trotzdem flutscht das Alles nicht ganz so gut, wie seinerzeit bei einem Ghost Recon Advanced Warfighter. Dort wurde man viel mehr zum taktischen Vorgehen gezwungen und stets vor kleinere Rätsel gestellt. In Wildlands hingegen könnt ihr euch auch munter durchballern, was deutlich einfacher funktioniert. Klar: Jeder Spieler kann natürlich seiner eigenen Spielweise nachkommen, trotzdem fühlt sich Wildlands einfach nicht so taktisch anspruchsvoll an, wie die Vorgänger-Spiele.

Vor allem, wenn man Solo unterwegs ist. Selbst dann seid ihr von drei KI-Begleitern umgeben, die zwar einen soliden Job machen, doch eure Befehlsgewalt ist ziemlich überschaubar.  Schon alleine daher wird man alleine oftmals den rabiaten Weg einschlagen. Ganz anders verhält es sich, wenn man Wildlands so spielt, wie von Ubisoft gewünscht: Im Koop-Modus. Bis zu vier Spieler können sich zu einem Squad zusammen tun und die Missionen gemeinsam angehen – oder alternativ frei Schnauze die Welt erkunden. Das macht, vor allem mit guten Kumpels an seiner Seite, natürlich drei Mal so viel Laune, zumal man dann auch taktischer Vorgehen kann und dem Feind fiese Fallen legt. Auch das freie Erkunden macht so mehr Spaß, zumal sich in Wildlands einige wilde Dinge anstellen lassen – Base Jumps aus Helikoptern zum Beispiel, oder mit dem Ferrari durch die Berge heizen. Das ist richtig unterhaltsam, wirkt bei einem Ghost Recon aber irgendwie fehl platziert.

Und genau das ist letztlich unser Fazit. Ghost Recon Wildlands macht durchaus Laune, gerade im Koop-Modus und wenn man keinen Wert auf eine Story legt. Zusammen mit Freunden das riesige Bolivien erkunden und taktisch gegen sehr gute KI-Soldaten vorgehen, das hat schon etwas für sich. Trotzdem fühlt sich das Alles nicht richtig an, nicht bei einem Ghost Recon. Alleine ist zudem schnell die Luft raus und spielerische Abwechslung sucht man auf Dauer auch. Für Koop-Freunde in jedem Falle ein Blick wert, wer sich allerdings ein Ghost Recon im Stile von Advanced Warfighter wünscht, der sollte sich auf eine herbe Enttäuschung einstellen.

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