Halo Wars 2: Die neue Referenz im Echtzeit-Strategie-Genre auf Konsole

Auf den Master Chief ist doch immer Verlass! Doch halt: Was für Halo Wars seinerzeit auf der Xbox 360 galt, hat auch bei Halo Wars 2 auf der Xbox One Bestand: Der neueste Serienspross kommt gänzlich ohne den allseits beliebten Spartaner aus. Und was ebenfalls gleich bleibt: Das macht rein gar nichts! Halo Wars 2 ist nicht nur ein Fest für Fans der Franchise, sondern auch ein richtig gutes Strategie-Spiel für Hobbystrategen, die mit dem Halo-Universum nicht ganz so firm sind.

Die Handlung von Halo Wars 2 setzt gute 30 Jahre nach dem Erstling an. Wir erinnern uns: Captain Cutter und Spartan Jerome-92 begaben sich auf der „Spirit of Fire“ in den Kryoschlaf. Aus diesem werden sie nun unsanft geweckt – die Banished stehen vor den Türen! Doch die sind gar nicht das eigentliche Problem, sondern vielmehr der Konflikt zwischen Banished und den Blutsvätern, in denen Cutter und Co. hineingeraten. Mehr wollen wir euch an dieser Stelle nicht zur Story von Halo Wars 2 verraten. Wie auch beim Vorgänger gilt: Die Story ist Trumpf! Gute Geschichten erlebt man in Echtzeit-Strategiespielen recht selten, die von Halo Wars 2 kann es fast mit Starcraft 2 aufnehmen. Fast. Ein „Problem“ hat die Story nämlich: Für Neueinsteiger in das Halo-Universum ist sie nicht immer verständlich. Wer sich mit dem Kosmos auskennt, der kommt aber voll auf seine Kosten. Und die Inszenierung ist ohnehin über alle Zweifel erhaben!

Schon mit Halo Wars zeigten Microsoft und (damals noch) die Ensemble Studios, das Echtzeit-Strategie auf Konsole durchaus möglich ist. Nun gibt es die Age of Empires-Entwickler zwar nicht mehr, doch mit Creative Assembly (Total War-Reihe) übernimmt der wohl derzeitige Genre-Primus (sorry, Blizzard) das Zepter. Und der macht das nicht weniger gut, ganz im Gegenteil. Die Steuerung flutscht einwandfrei und wird mittels zweier Tutorials sehr gut vermittelt. Per einfacher Tastenklicks hüpfen wir geschwind über das Schlachtfeld, wechseln munter zwischen unseren Einheitentrupps hin und her, picken uns gezielt einzelne Fraktion heraus und schicken diese gekonnt über die Karte. Ganz so, als hätten wir nie etwas anderes getan. Klar: Eine Maus-Tastatur-Kombo bietet grundsätzlich noch mehr Komfort. Aber dafür fühlen sich die Schlachten in Halo Wars 2 „direkter“ an. Ein für mich nicht unerheblicher Pluspunkt, weshalb mir schon ein Diablo 3 auf Konsole zum Beispiel besser gefällt, als auf dem Rechner.

Trotz Creative Assembly: Riesige Schlachte, wie man sie aus der Total War-Reihe kennt, sucht man bei Halo Wars 2 vergebens. Der Fokus liegt eindeutig auf kleineren, aber nicht weniger spannenden und extrem actionreichen Scharmützeln. Taktik kommt dennoch nicht zu kurz, dafür sorgen schon die verschiedenen Einheiten-Typen mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen sowie aktivierbaren Spezialfähigkeiten. Die besitzt ihr übrigens auch als „Anführer“. Über ein praktisches Radialmenü wählt ihr einzelne Spezialfähigkeiten von Cutter und Co. aus und könnt so etwa einen Orbitalschlag anfordern oder Einheiten heilen. Genre-typisch steigen eure Soldaten im Laufe eines Gefechts im Rang auf, was zusätzliche Boni mit sich bringt. Und auch die Umgebung will clever genutzt werden: In Garnisonen bringen wir uns in Verteidigungsstellung, von höheren Positionen aus kämpfen wir effektiver.

Basisbau gibt es auch wieder, allerdings nimmt dieser wie gewohnt keine allzu große Rolle ein. So bauen wir auch in Halo Wars 2 unsere stationären Stützpunkte mit Nachschubversorgungszentren und Energiegeneratoren weiter aus, um genügend Rohstoffe zu sammeln. Die investieren wir dann in den ebenfalls errichteten Kasernen und Fabriken in neue Einheiten und Abwehranlagen. Das ist alles nicht allzu komplex, richtige Gebäude-Ketten gibt es nicht, wenngleich wir Kasernen und Co. upgraden dürfen. Mehr Abwechslung gibt das Missionsdesign vor, das euch stets auf Trab hält und mit zusätzlichen Zielen lockt, die mitunter erst entdeckt werden wollen – sehr motivierend. Sogar richtige Bosskämpfe fährt Halo Wars 2 auf! Schade nur, dass die Kampagne recht kurz ausfällt. Die 12 Missionen dürften geübte Strategen in rund sieben Stunden auf dem normalen Schwierigkeitsgrad geschafft haben. Dann locken immerhin die beiden höheren Stufen sowie die Halo-bekannten Schädel, mit denen man diverse Modifikationen aktivieren kann.

Ebenfalls cool: Die komplette Kampagne lässt sich im Koop-Modus zusammen mit einem Freund spielen, was tatsächlich Auswirkungen auf das Spielgefühl hat. Immerhin muss man sich gekonnt absprechen. Darüber hinaus bietet Halo Wars 2 neben den obligatorischen „Schnell-Gefechten“ einen klassischen Online-Modus. Das macht viel Laune, funktioniert sehr gut, nur muss sich auf Dauer zeigen, ob die beiden einzigen Fraktionen (UNSC und Banished) nicht zu wenige sind. Gänzlich neu ist der Blitzmodus, der bereits im Vorfeld für Stirnrunzeln gesorgt hat. Hier gibt es überhaupt keinen Basisbau, stattdessen stellen wir unsere Trupps aus Karten zusammen. Das spielt sich durchaus erfrischend, taktisch und funktioniert auch erstaunlich gut. Nur ist der Spielmodus mit dem Ingame-Shop eng verbunden, was natürlich Kritiker Wasser auf die Mühlen spult. Und tatsächlich, auch wenn man Ingame-Währung auch in Solo-Einsätzen erspielt, so hatten wir das Gefühl, dass man sich einen Vorteil durchaus erkaufen kann. Auch hier wird die Zeit erst zeigen, wie gut das wirklich funktioniert und bei den Spielern ankommt.

Wenig zu meckern gibt es indes auf der optischen Seite. Halo Wars 2 mag es vielleicht nicht mit dem Detailgrad eines Total War: Warhammers aufnehmen können, tolle Effekte, hübsche Animationen und abwechslungsreiche Karten sorgen in der Summe jedoch für ein sehr ansehnliches RTS. Zudem ist Halo Wars 2 ein waschechtes Halo, bietet zig Details für Kenner und einen herausragenden Soundtrack, der für eine dichte Atmosphäre sorgt. Einen sehr guten Job haben zudem die deutschen Synchronsprecher erledigt, auch technisch betrachtet sind wir voll des Lobes. Die Gefechte laufen stets stabil und die Online-Verbindung zeigte bei unseren Sessions keinerlei Probleme.

In der Summe ergibt sich somit nicht nur ein echter Leckerbissen für Fans der Reihe, auch ohne die mächtige Lizenz würde Halo Wars 2 richtig gut funktionieren. Nun, unter einem anderen Namen dann, natürlich. Die Kampagne dürfte zwar gerne ein paar mehr Mission beinhalten und gerne auch eine andere Fraktion beleuchten, trotzdem haben Solisten auch so viel Spaß, der abwechslungsreichen Missionen und der tollen Technik sein Dank. Auch der Mehrspieler-Modus dürfte immer wieder vor den Bildschirm locken, wenngleich der Blitzmodus einen etwas biederen Beigeschmack besitzt.

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