Mit Horizon: Zero Dawn beweisen die Macher der Killzone-Reihe ihr Können auf einer neuen Ebene

Die PlayStation 4 hat mittlerweile schon einige richtig gute Exklusiv-Spiele vorzuweisen. Bloodborne zum Beispiel. Oder auch Ratchet & Clank. Und vor allem natürlich: Uncharted 4. Mit Horizon: Zero Dawn liefern die Entwickler von Guerilla Games (Killzone-Reihe) nun einen weiteren Kaufgrund für die Konsole. Und für die PS4 Pro gleich mit.

Schon bei der ersten Vorstellung von Horizon: Zero Dawn faszinierte das frische Setting. Obwohl in der fernen Zukunft beheimatet, befindet sich die Menschheit wieder in einer Art Steinzeit. Mit Pfeil und Bogen wird Jagd auf kleinere wie größere Tiere gemacht, zur Not machts auch der Speer. Doch halt: Was sind denn das für „Tiere“? Das sind doch Maschinenwesen! Ganz richtig, denn die Welt von Horizon: Zero Dawn wird nicht nur von Menschen, Ebern und Hasen bevölkert, sondern vor allem von teils riesigen Roboter-Wesen, die sehr offensichtlich Anleihen bei richtigen Tieren nehmen – ob ausgestorben oder noch lebend. So beeindruckten schon in der Vergangenheit epische Trailer mit T-Rex-ähnlichen mechanischen Giganten. Mitten drin: Aloy, eine junge Jägerin, die zu Spielbeginn als Ausgestoßene mit ihrem Ziehvater Rost ein eher einsames Dasein fristet. Der Grund dafür ist zunächst nicht ganz klar. Warum wird Aloy gemieden? Was ist mit ihren Eltern passiert? Und warum ist auch Rost ein Ausgestoßener? Fragen über Fragen. Horizon: Zero Dawn lässt euch dabei sehr lange im Dunkeln – auch, was überhaupt mit der Menschheit passiert, wird euch nicht verraten.

Genau aus diesem „Unwissen“ zieht Horizon: Zero Dawn einen Großteil seiner Faszination. Guerilla Games, in der Vergangenheit eher für brachiale Action-Shooter bekannt, bietet eine ungemein spannende Spielwelt mit tollen Charakteren und erstaunlich guten und Dialogen, die teilweise sogar diverse Antwort-Optionen mit Konsequenzen bieten. Ganz ehrlich: Das hätten wir den Niederländern nicht unbedingt zugetraut. Doch die Welt von Horizon: Zero Dawn zieht einen sofort in seinen Bann.

Grundsätzlich bietet Horizon: Zero Dawn alles, was ein Standard-Open-World-Spiel eben so bieten muss. So erkunden wir die Spielwelt, erfüllen für NPCs diverse Nebenaufgaben, sammeln dabei allerlei Crafting-Kram und andere Objekte ein und absolvieren zig Kämpfe. Wodurch sich der Titel jedoch schon stark von anderen Genre-Vertretern unterscheidet, sind die bereits erwähnten Maschinen. 25 verschiedene Exemplare bevölkern die Spielwelt, jede Maschine mit eigenen Stärken, Schwächen und allgemeinem Verhalten. Es ist sehr beeindruckend, wie lebendig diese Wesen wirken und sich ganz so verhalten.

Horizon sorgt am laufenden Band für offene Münder, besonders dann, wenn man auf neue Tierarten trifft und diese eindrucksvoll inszeniert werden. Selbst nach Stunden können wir uns auch an den bereits bekannten Arten nicht satt sehen. Wie bereits erwähnt, beeindrucken die Maschinen mit einer ungeheuren Lebendigkeit. Alleine das Zusehen macht schon viel Laune. Das Jagen oder später sogar Zähmen dieser Tiere sogar noch mehr. Ob wir dabei brachial mit dem Kopf durch die Wand gehen oder gezielt in der Hocke nach hohen Gräsern Ausschau halten, ist dabei uns überlassen. Die Art zu spielen, wie es sich Guerilla Games gedacht hat, ist aber ganz klar die heimliche. Mit dem „Fokus“, einer Art Scan, können wir uns die Laufwege anzeigen lassen, diverse Fallen und kreative Waffen wie das Stolperseil helfen uns bei der Jagd. Doch selbst wer still vorgeht, wird offene Konfrontationen nicht vermeiden können – dann wird es mitunter hektisch, aber nicht minder spannend. Mit Pfeil und Bogen erwehren wir uns unserer Haut, weichen den Angriffen der Feinde aus und setzen selbst zum Gegenschlag an. Das macht irrsinnig viel Spaß und ist obendrein packend und wuchtig inszeniert.

Zumal die Kämpfe einfach nicht langweilig werden. Das verdankt Horizon: Zero Dawn auch der sehr guten Gegner-KI, zumindest bei den Maschinenwesen. Wie erwähnt hat jedes Tier Stärken und Schwächen. Der Läufer zum Beispiel trägt eine „Lohe“ auf dem Rücken, einen kleinen Behälter, der mittels Feuerpfeilen zum Explodieren gebracht werden kann. Andere Feinde wie der Plünderer sind besonders gegen Schockwaffen anfällig. Die meisten Tier-Maschinen sind darüber hinaus extrem stark gepanzert, sodass normale Angriffe erst einmal wenig Schaden verursachen – erst wenn man die entsprechenden Platten entfern hat, landet man die effektivsten Treffer. Gepaart mit den abwechslungsreichen Waffen wird Horizon: Zero Dawn so nie langweilig. Nur der Nahkampf fällt hier etwas ab, wirkt er doch gerade im Stealth-Modus einen Ticken zu mächtig und stumpf.

Wir haben es bereits angedeutet: Die Maschinenwesen mögen, vor allem auf den beiden höheren Schwierigkeitsgraden (welche wir euch auch sehr empfehlen), ansprechende Herausforderungen darstellen, doch kommt es zu Kämpfen mit feindlichen Stämmen oder Banditen, wird es eher stupide. Dann geht es hauptsächlich um reines Ballern oder simples Button-Mashing. Zwar stecken die menschlichen Gegner viel ein, stellen sich ansonsten aber nicht gerade clever an. Zum Glück kommt es nur vergleichsweise selten zu Kämpfen mit Menschen.

Dank zahlreicher Rollenspiel-Anleihensteigt Aloy im Laufe des Spiels im Level auf. In erster Linie bringt uns das Fähigkeitspunkte ein, die wir in insgesamt drei Talentbäumen verbraten dürfen – Jagen, Kämpfen oder Crafting. Auf diese Art lernen wir neue Moves, zum Beispiel die oben beschriebene Zeitlupen-Funktion. Noch motivierender sind die vielfältigen Crafting-Möglichkeiten. So lassen sich in der Spielwelt zig Rohstoffe sammeln, aus denen wir Tränke, Munition oder größere Taschen anfertigen. Auch erlegte Tier-Wesen (neben Maschinen gibt es auch „richtige“ Tiere) lassen sich ausweiden und verwerten. Waffen und Outfits können mittels Mods angepasst werden. Sehr cool: Für das Herstellen von Munition müssen wir nicht direkt in ein Menü gehen, sondern können über das Waffenrad in Windeseile den gewünschten Munitionstyp herstellen. Überhaupt gilt: Horizon: Zero Dawn ist ein Vorbild an Benutzerfreundlichkeit. Egal ob Menüführung oder extrem detaillierte Karte, man findet sich stets sehr gut zurecht – sogar das HUD lässt sich penibel genau anpassen.

Alleine die Hauptstory dürfte euch locker 25 bis 30 Stunden beschäftigen. Doch in Horizon: Zero Dawn verliert man sich nur ach so gern darin, einfach so in der Spielwelt umherzustreifen – oder zu reiten, denn relativ früh im Spiel erlangt Aloy die Möglichkeit, zum Beispiel „Läufer“ zu zähmen. Zwar bietet Horizon: Zero Dawn im Grunde nur typische Open-World-Nebenbeschäftigungen, doch sind die einerseits sehr gut ins Spiel eingebunden und andererseits stets interessant – zum Beispiel die Erkundung von alten Ruinen aus der mysteriösen „Metallzeit“. Zudem haben wir von Allem einen echten Nutzen: Nebenaufgaben und Objekte dienen nicht nur als 100%-Ziel, sondern versorgen uns stets mit Belohnungen, die ihren Namen auch verdienen. Retten wir beispielsweise die Tochter eines Speermachers, spitzt dieser unseren anschließend etwas an, was mehr Schaden verursacht.

Der Titel ist ja spielerisch schon stark, doch gepaart mit der aufgefahrenen, grandiosen Technik zählt Horizon: Zero Dawn ganz klar zu den absoluten Vorzeige-Spielen auf der PS4 und ist gleichzeitig ein echter Kaufgrund für die PS4 Pro, auf der das Game nochmals ein Stückchen schöner ist. Doch was ist denn nun so schön an Horizon: Zero Dawn? Nun, zum einen wäre da die unglaublich detaillierte Spielwelt, die wir so zuletzt nur bei The Witcher 3 gesehen haben. Zum anderen die bereits erwähnte technische Seite. Die Texturen sind bis auf wenige Ausnahmen knackscharf, die Animationen eine echte Wucht und die Beleuchtungseffekte einfach nur der Wahnsinn. Wenn wir mit Aloy bei Nacht im Mondlicht über die üppigen Graslandschaften schleichen, entlockt uns das mehr als nur einmal ein stilles „Wow“. Dazu glänzt Horizon: Zero Dawn mit einem unverwechselbaren Design, gerade die Maschinenwesen sind grandios gestaltet. Alles in Allem eine wahrer Augenschmaus. Was nur mit wenigen Abstrichen auch für die akustische Seite gilt. Die deutschen Sprecher sind (größtenteils) sehr gut, der packende und stets die Situation perfekt begleitende Soundtrack weiß ebenfalls zu gefallen.

Horizon: Zero Dawn mag zwar keine wirklich innovativen und neuen Spielelemente bieten, doch mechanisch ist das einfach nur gut gemacht. Glücklicherweise verkommt der Titel nicht nur zu einem Grafikblender, wenngleich die technische Brillanz tatsächlich blendet – im positiven Sinne. Aber auch spielerisch hat der Titel viel auf dem Kasten. Das Gameplay funktioniert wunderbar, was natürlich in erster Linie den herausragend designten Tierwesen zu verdanken ist, deren Jagd einfach so viel Spaß macht. Selbst die obligatorischen Sammelaufgaben sind sinnvoll ins Spielgeschehen eingebettet – da kann man über die eine oder andere generische Nebenmission und die doofe Menschen-KI auch mal drüber hinweg sehen. In seiner Summe bietet Horizon: Zero Dawn ein unvergleichbares Erlebnis, das man als Videospiel-Liebhaber nicht verpassen sollte.

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