Nioh: Dark Souls trifft auf Samurai-Action im PS4-Exklusiv-Titel von Team Ninja

Gute Spiele ziehen immer Nachahmer mit sich. Schon viele Entwickler haben sich an der Souls-Formel versucht: Komplexe Kämpfe, hoher, aber stets fairer Schwierigkeitsgrad und eine clevere Levelstruktur. Doch wenn wir ehrlich sind: Die Meisten sind gescheitert. Nun versuchen sich also die Action-Adventure-Experten von Team Ninja an der bekannten Formel. Doch Nioh ist weit mehr, als nur ein Dark Souls-Klon.

In Nioh schlüpft ihr in die Rolle des Seefahrers William Adams. Für den sieht die Lage allerdings gar nicht gut aus, sitzt er zu Beginn des Spiels doch im Tower of London fest. Das mag heute ein Museum sein, 1600 jedoch war es noch ein dreckiges Hochsicherheits-Gefängnis. Und in genau jener Zeit ist Nioh angesiedelt. Natürlich schafft Adams die Flucht. Doch nur, um auf den fiesen Magier Kelley zu treffen, der Willam seine innere Macht klaut. Und da er diese gerne wieder haben möchte, begibt er sich nach Japan, Kelleys Fluchtort. Das hört sich auf den ersten Blick alles etwas öde an, tatsächlich ist es das aber ganz und gar nicht. Das liegt schon an der cleveren historischen Einbindung. Tatsächlich gab es einen William Adams, der um 1600 herum als erster Nicht-Japaner den Samurai-Status erhielt. Die Story ist eine der großen Stärken von Nioh, der Mix aus japanischer Mythologie und historischer Vorlage ist sehr spannend und sehr gut umgesetzt.

Was hat sich Nioh in den vergangenen Monaten nicht alles anhören müssen: „Das ist doch wieder nur ein weiterer Dark Souls-Klon!“. Nun, so ganz an den Haaren herbeigezogen ist dieses Vorurteil nicht. Denn auch Nioh lebt von seinen harten, aber auch komplexen Kämpfen. Wie bei den Rollenspielen von From Software tauchen nach dem Speichern erneut die Gegner auf, ein Ableben wird mit dem Verlust von gesammelten Erfahrungspunkten bestraft. Selbst die HUD-Anzeigen und Anordnung erinnern ein wenig an die Souls-Spiele. Und dennoch sollte man aufpassen, Nioh nicht direkt in eine Schublade zu stecken. Dank vieler eigener Ideen und Gameplay-Mechaniken kann sich Team Ninja gekonnt von From Software absetzen.

Ein typisches Action-Adventure, wie es die Ninja Gaiden-Spiele sind, sollte man bei Nioh also nicht erwarten. Das machen schon die ersten Spielminuten deutlich, in denen wir schon haufenweise Ausrüstungsgegenstände finden. Neue Schuhe, Westen, Hosen und natürlich Waffen lassen sich im spröden, aber übersichtlichen Menü munter austauschen. Klar, dass jeder Gegenstand eigene Werte besitzt. Nioh ist also ein waschechtes Rollenspiel. Eines mit extrem komplexen Kampfsystem. So gibt es nicht nur zig verschiedene Waffengattungen (Schwerter, Äxte, Stäbe etc.), deren Umgang ihr mit Benutzung nach und nach meistert. Ihr könnt auch zwischen drei verschiedenen Kampfhaltungen hin und her schalten. Dabei im Auge behalten solltet ihr jederzeit eure Ki-Anzeige, quasi eure Ausdauer. Ausweichmanöver, Angriffe, Konter oder Blöcke saugen recht stark an der Anzeige, weshalb ihr dies geschickt einsetzen solltet. Wie bei den Souls-Spielen stellt so ziemlich jeder Gegner eine Bedrohung dar, teilen doch selbst die normalen Turmwachen schon ordentlich Schaden aus.

Durch Kämpfe erlangt ihr so nach und nach mehr Amrita, die Erfahrungspunkte von Nioh. An Schreinen gebt ihr diese für neue Skills und Attributsverbesserungen aus. Ebenfalls sehr wichtig sind die Guardian Spirits. Das sind Geister, die ihr im Kampf rufen könnt und die euch mit zusätzlichen Buffs versorgen. Wodurch sich Nioh spielerisch aber letztlich wirklich von Dark Souls und Co. abhebt, ist die hohe Dynamik. Souls war schon immer eher etwas statisch, in Nioh wirbelt ihr deutlich mehr hin und her. Nicht so ausschweifend wie bei Ninja Gaiden, aber dennoch sehr ordentlich. Darüber hinaus bietet Nioh keine komplett zusammenhängende Spielwelt, sondern teilt sich in einzelne Abschnitte auf, die wahlweise wiederholt werden können. Nioh bietet auch einige Online-Features, die schon deutlich mehr an die Souls-Spiele erinnern. Ist euch ein Bereich zu schwer, könnt ihr online auf Hilfesuche gehen und andere Spieler in eure Sitzung einladen. Doch Vorsicht, wie bei dem großen „Vorbild“ könnt ihr von anderen Spielern überfallen werden.

Technisch merkt man Nioh an, dass es schon einige Jahre in der Entwicklung ist. Die Texturen sind nicht gerade hochauflösend und auch die Animationen wirken teilweise unrund. Trotzdem ist Nioh hübsch anzusehen, was in erster Linie am superben Detailgrad der Umgebungen und dem unverbrauchten, sehr atmosphärischen Setting liegt. Auf der PS4 Pro darf man sogar zwischen drei Grafikmodi wählen und entweder die Auflösung hochschrauben, den Detailgrad weiter erhöhen oder die Bildrate auf flüssige 60 FPS festsetzen. Musikalisch begeistert Nioh mit einem tollen Soundtrack und passenden, gut aufgelegten (englischen) Synchronsprechern.

Insgesamt hat Team Ninja also einen sehr guten Job gemacht. Ja, in Nioh steckt viel aus der Souls-Formel. Das ist aber nicht schlimm, ganz im Gegenteil – immerhin bietet der Titel auch genügend Eigenständigkeit, angefangen bei dem atmosphärischen Samurai-Setting über den Einsatz der Spirit Guards bis hin zu den zwar vergleichbaren, aber dynamischeren Kämpfen. Technisch mag der Titel gerade zu Spielbeginn etwas altbacken wirken, weiß aber dennoch zu gefallen. Nioh ist ein harter Brocken, in den man sich reinfuchsen muss, dann aber wirklich zu begeistern weiß.

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