Manual Samuel ruft zum bewussten Atmen an der Konsole auf

Es ist durchaus erfreulich, dass man als Mensch nicht die volle bewusste Kontrolle über jede Körperfunktion hat. Wenn man sich minutiös darum bemühen müsste, zum Gehen einen Fuß gezielt vor den anderen zu setzen, Spannung auf die Rücken- und Bauchmuskulatur zu halten, um aufrecht gehen zu können und die Arme als Ausgleichsgewicht zu bewegen, um die Balance zu halten, würde man wohl wenig über den Tag hinweg erledigt bekommen. Genau diese Problematik ist Thema des Xbox One-Spiels Manual Samuel.

In Manual Samuel schlüpft man in die Rolle des reichen Schnösels Samuel, der seine Freundin respektlos behandelt und sämtliche Probleme in seinem Leben mit locker sitzenden Dollarnoten löst. Diese Art der Problemlösung mag im direkten Konflikt mit anderen Menschen gelegentlich gut funktionieren, wenn man allerdings stattdessen einen körperlichen Konflikt mit einem LKW ausficht, so kann auch eine prall gefüllte Geldbörse nicht vor fatalen Konsequenzen bewahren. Diese Erfahrung muss Samuel nach einem Streit mit seiner Freundin machen, der ihn unachtsam auf die Straße, unmittelbar vor einem herannahenden LKW, laufen lässt. Die Konsequenz ist wenig überraschend der Tod.

Schon überraschender ist hingegen das Interesse des Grim Reapers an Samuel, der die Sünden, die Sam im Laufe seines kurzen Lebens auf sich geladen hat, höchst interessant findet. So bietet er Sam einen Tausch an: Er muss einen Tag lang auf der Erde überleben, an dem er alle seine Körperfunktionen manuell kontrollieren muss. Gelingt ihm dies, so erweckt der Tod ihn wieder zum Leben und lässt ihn den Rest seiner Lebenszeit als reicher Unsympath verbringen. Ein Angebot, das Sam, in Anbetracht der drohenden Arbeitslast in der Hölle, nur zu gern annimmt.

Der Spieler muss nun im Spiel, das im Grunde genommen eine interaktive Geschichte ist, vorrangig Sams Körperfunktionen übernehmen. Dazu gehört die gezielte Atmung, die Beibehaltung der Körperhaltung, das Zwinkern mit den Augen, um selbige zu benetzen und nicht zu erblinden, sowie das gezielte Bewegen von Händen und Füßen. Alle diese Funktionen werden mit dem Controller ausgeführt und machen die Aufgaben im Spiel recht unangenehm. Denn wenn man einfach nur zu seinem Auto laufen möchte, muss man dazu drei Knöpfe zum Ein- und Ausatmen sowie Zwinkern, sowie zwei Knöpfe für das Bewegen der einzelnen Füße verwenden. Manual Samuel erinnert in dieser Hinsicht frappierend an Octodad, ist das Gameplay doch allein auf Grund dieses Steuerungskonzepts sehr umständlich und arbeitsam.

Abseits dessen ist Manual Samuel allerdings recht harmlos, denn die Aufgaben, die das Spiel dem Spieler stellt, sind im Grunde genommen sehr einfach zu erledigen und im Fokus steht hier klar das lustige Szenario samt seiner markanten Animationen und die kuriose, aber amüsante Geschichte. Diese Aspekte sind auch gut gelungen. Spielerisch hingegen ist Manual Samuel äußerst redundant und wäre ohne das spaßige Szenario wohl für niemanden unterhaltsam. Insofern muss man als Kaufinteressent vor allem abschätzen, ob man ein Spiel sucht, das mehr interaktiver Comic denn Spiel ist und mit im Grunde genommen ziemlich trivialen, aber umständlichen Steuerungseingaben leben kann.

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