Kann Ubisoft mit Steep den Gipfel stürmen und Winter-Gefühle verbreiten?

Es ist schon eine ganze Weile her, seit sich einer der großen Hersteller an ein Wintersport-Spiel gewagt hat. Der letzte Beitrag dieser Art stammt aus dem Jahr 2012, hört auf den Namen SSX und wurde seinerzeit von EA entwickelt. Nun also versuchen die Mannen von Ubisoft mit Steep, das Genre im großen Stile wiederzubeleben. Ob das gelungen ist, erfahrt ihr hier bei uns.

Ubisoft wagt mit Steep allerdings einen anderen Ansatz, als ihn zum Beispiel EA 2012 verfolgte. Im Gegensatz zu SSX und Co. wählen wir bei Steep nämlich nicht einfach eine Piste aus dem Kartenmenü aus, die wir dann anschließend innerhalb weniger Minuten hinunterdüsen. Vielmehr hat Ubisoft ein riesiges Skigebiet erstellt, bestehend aus mehreren Zonen der Alpen: Der Ortler ist hier ein direkter Nachbar des Matterhorns, der quasi direkt an den Mont Blanc grenzt. Das ist natürlich nicht wahrheitsgetreu, in der Summe hat Ubisoft damit aber ein wirklich hübsches Konglomerat an Bergen erstellt, das mehr als genug Freiraum zum seligen Cruisen bietet. Womit wir auch schon beim nächsten Thema wären: Freiraum. Wie im oberen Beispiel erwähnt wählt ihr nicht einfach nur eine Piste aus und ab geht’s – in Steep könnt ihr euch nahezu völlig frei bewegen.

Die gesamte Bergwelt steht euch zur Erkundung offen, wenn ihr wollt, dürft ihr sogar eure Skischuhe abschnallen und zu Fuß los gehen. Das ermöglicht völlig neue Freiheiten in dem Genre. Klar ist aber auch: Da sich Ubisoft nicht auf einzelne Strecken konzentriert hat, sondern an einem ganzen Gebiet, fallen die Umgebungen nicht ganz so fantasievoll aus. Überhaupt verfolgt Steep einen realistischeren Anspruch, abgefahrene Strecken wie bei SSX gibt es hier nicht. Leider muss man eher sagen, dass manche Abschnitte etwas leer und monoton wirken, viele Stellen gleichen sich auch zu sehr. Zumindest uns hat das aber nicht großartig gestört, die Bergwelt ist an für sich nämlich so toll design und versprüht schon beim Zusehen ein unheimlich atmosphärisches Winter-Feeling.

Schon das freie Fahren macht sehr viel Laune, natürlich hat Ubisoft die Alpen aber auch mit unzähligen Challenges und sogenannten Berggeschichten gespickt, an den ihr euch versuchen könnt. Da Steep eine andauernde Internetverbindung voraussetzt, könnt ihr euch jederzeit mit anderen Spielern messen: Entweder wenn ihr sie direkt auf den Pisten trefft, oder euch direkt an deren Bestzeiten bei den Challenges wagt. Das ist ziemlich motivierend, zumal ihr auch eigene gefahrene Strecken als Challenges erstellen und mit Freunden tauschen könnt. Im Januar soll zudem ein neues Feature folgen, das die besten Challenges öffentlich für alle Spieler macht – sicherlich kein unwichtiger Faktor für den Langzeitspielspaß.

Wie lange der anhält, ist nämlich von Spieler zu Spieler unterschiedlich. Manche Spieler dürften genug haben, wenn alle Challenges absolviert und das End-Level 25 für den eigenen Charakter erreicht ist – neue Attribute etc. schaltet ihr übrigens nicht frei, ihr könnt euren Fahrer „lediglich“ mit neuen Outfits ausstatten. Andere Spieler setzten vielleicht eher auf das freie Erkunden und das gemeinsame Zusammenfahren.

Genügend Inhalt für die ersten 20 Stunden sollte auf jeden Fall vorhanden sein. Dazu zählen ja auch die vier angebotenen Sportarten. So könnt ihr jederzeit zwischen Skifahren, Snowboarde, Paragliden und Winguit hin und her schalten. Bis auf Paragliden, das recht öde ist, kann jede Disziplin begeistern, sofern man sich an die gerade zu Beginn etwas träge Steuerung gewöhnt hat. Nach ein paar Abfahrten sollte man aber einigermaßen zurechtkommen.

Visuell macht Steep einen sehr guten Eindruck: Die Animationen sind wirklich gelungen, gerade der Schnee und die Beleuchtungseffekte sind richtig toll und versprühen zusammen mit der hohen Weitsicht ein tolles Berggefühl. Schade nur, dass es kaum Nachtfahrten gibt. Auch der Soundtrack braucht sich grundsätzlich nicht verstecken, leider ist Ubisoft damit allerdings etwas geizig umgegangen.

Insgesamt aber hat Ubisoft einen sehr guten Job gemacht. Klar hat Steep noch viel mehr Potential und ein paar Schwächen wie die etwas zu leblosen Berge und die gewöhnungsbedürftige Steuerung. Dafür überzeugt der Titel aber voll und ganz durch sein riesiges Skigebiet, den vier angebotenen Sportarten und dem im Großen und Ganzen (trotz erwähnter Steuerung) sehr gut umgesetzten Spielgefühl. Als leidenschaftlicher Skifahrer ruft Steep bei mir richtige Sehnsucht nach den Bergen hervor – und damit macht Steep dann letztlich doch vieles richtig, oder?

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