Paper Mario Color Splash beschert der Wii U ein würdiges Abschiedsfest

Mario mag zwar den meisten Spielern vorrangig als Jump & Run-Held bekannt sein, mittlerweile ist er aber auch einer der aktivsten Rollenspiel-Helden überhaupt. Mit einem SNES-Rollenspiel, fünf Mario & Luigi-Spielen und nunmehr obendrein fünf Paper Mario-Spielen ist die Mario-Rollenspielreihe mittlerweile auf stattliche Größe gewachsen. Die Wii U erhält nun zum Abschied, da die Produktion der Konsole endet und der Nachfolger in den Startlöchern steht, noch ein eigenes Mario-Rollenspiel. Doch kann Color Splash begeistern, nachdem Sticker Star auf dem Nintendo 3DS viele Spieler enttäuscht hat?

Paper Mario Color Splash folgt unmittelbar in die Fußstpafen seines umstrittenen Nintendo 3DS-Vorgängers. Der Grund hierfür ist mittlerweile vielfach in Interviews angeklungen: Paper Mario soll stärker den Adventure-Aspekt betonen um die Paper Mario- und Mario & Luigi-Reihe zu differenzieren. Wer also nach einem klassischen Rollenspiel sucht, wird auch bei Color Splash nicht fündig werden. Im Gegenzug steckt Paper Mario Color Splash voller kleinerer und größerer Umgebungsrätsel, die die grauen Zellen des Spielers auf die Probe stellen – wenngleich nicht in solch hohem Maße wie beim direkten Vorgänger, der bisweilen ziemlich knackig sein konnte.

Mario reist zu Beginn des Spiels mit Prinzessin Peach und ihren treuen Toads auf die Insel Prisma, nur um dort eine reichlich unangenehme Überraschung zu erleben: Fiese Shy Guys mit magischen Strohhalmen haben sich über die Insel hergemacht und sie fast aller Farbe beraubt. Also muss Mario kurzerhand umlernen und wird vom Klempner zum Maler. Der sprechende Farbtopf Farbian, der ein wenig an Glitzerstern aus der Mario & Luigi-Reihe erinnert, lehrt Mario hierzu alle notwendigen Fähigkeiten und steht Mario auch sonst mit Rat und Tat zur Seite.

Paper Mario Color Splash

Doch natürlich ist es mit fröhlichem Malen auf der Insel nicht getan, denn einerseits gibt es zahlreiche Gegner, die Mario das Leben schwer machen wollen, andererseits gilt es, die magischen Farbsterne wiederzuerlangen, die der Insel normalerweise ihren farbenfrohen Look verleihen. Das Spiel ist, wie bereits Sticker Star, in einzelne Level unterteilt, auf eienr Weltkarte ausgewählt werden können und jeweils etwa zehn bis dreißig Minuten Zeit in Anspruch nehmen. Längere Level bieten Speicherblöcke, um im Misserfolgsfall nicht all seinen Spielerfolg zu verlieren, allerdings ist der Schwierigkeitsgrad des Spiels recht moderat ausgefallen, so dass die Speicherblöcke nur selten tatsächlich notwendig werden.

Spielerisch ist Paper Mario: Color Splash im Grunde genommen in zwei wesentliche Abschnitte untergliedert. Einerseits erkundet man die einfallsreich gestalteten Level, andererseits kämpft man gegen große und kleine Gegner in einem rundenbasierten Kampfsystem. Das Kampfsystem ist dabei sehr stark an Sticker Star angelehnt. Anstatt von Stickern verwendet man zwar Karten, spielerisch ändert das aber verhältnismäßig wenig. Zu Beginn einer jeden Kampfrunde muss der Spieler zunächst eine –später, wenn weitere Slots freigeschaltet werden, auch mehr – Karte aus seinem Deck auswählen. Der Spieler hat dabei völlige Wahlfreiheit unter seinen Karten und muss nicht darauf hoffen, dass die „richtigen“ Karten vom Spiel gezogen werden. Eine Ausnahme stellen hierbei gegnerische Angriffe dar, die die Kartenauswahl, wie schon aus Sticker Star bekannt, einschränken können. Durch das bedeutend größere Inventar an Karten ist aber auf jeden Fall dafür gesorgt, dass man nicht mehr das gesamte Spiel über gierig nach neuen Karten sucht. Allenfalls wenn man allzu knausrig ist und darauf verzichtet, den Kartenshop zu verwenden, dürfte einem der Vorrat irgendwann zur Neige gehen.

Hat man seine Karte ausgewählt, kann man die Karte optional mit seiner Farbe anmalen – und auf diese Weise verstärken – bevor man sie in das Spiel gibt. Alle Aktionen zur Auswahl einer Karte erfolgen ausschließlich über den Touchscreen. In Anbetracht dessen, dass alle anderen Eingaben über die Knöpfe erfolgen – auch im Kampf – und dass die Aktionen, die hier durchgeführt werden, sämtlich auch durch ein einfaches Bestätigen mit dem A-Knopf ausgeführt werden könnten, ist es ein wenig ärgerlich, dass die umständliche Touchsteuerung dem Spieler aufgezwängt wird. Immerhin kann man das Spiel allerdings optional komplett auf dem GamePad spielen, so dass man zumindest nicht in den Kämpfen obendrein noch regelmäßig zwischen den Bildschirmen wechseln muss.

Paper Mario Color Splash

Abseits dieser Unannehmlichkeit ist das Kampfsystem aber sehr gelungen. Die Kämpfe sind dank der zahlreichen verschiedenen Karten variantenreich und durch die gewohnten Action-Kommandos zur Verstärkung des Angriffseffekts auch sehr aktiv. Dadurch, dass es im Spiel keine Erfharungspunkte gibt, Mario also nur durch die schrittweise Erhöhung seiner Farbkapazität an Stärke gewinnen kann, sind die Kämpfe – jedenfalls die Endgegnerkämpfe – strategisch ansprechend und kommen komplett ohne Grinding aus. Schade ist allerdings, dass die Entwickler nach der Kritik am Vorgänger sehr große Sorgfalt investiert haben um sicherzustellen, dass stets deutlich erkennbar ist, wie man den jeweils nächsten Endgegner am besten angehen sollte. Das hat in positiver Hinsicht zur Folge, dass man sich störend lange Extrawege erspart, wenn man die benötigte Karte nicht im Repertoire hat, andererseits werden die an klassische Adventures erinnernden Rätsel in den Endgegnern ziemlich entschärft.

In Sachen Welterkundung hat Intelligent Systems ebenfalls darauf geachtet, auf etwas obskurere Rätsel zu verzichten. Neu hinzugekommen ist im Gegenzug ein Ausschneidesystem, das es dem Spieler ermöglicht, an dafür vorgesehenen Stellen die Schere an der Spielumgebung anzusetzen und sich die Welt zu machen wie sie einem gefällt – oder jedenfalls beim Spielfortschritt hilft. Wo das zu Beginn noch sehr offensichtlich nutzbar ist, muss man sich später durchaus die Umgebung genauer anschauen um herauszufinden, wie einem die Bastelschere im Gepäck hilfreich sein kann.

Die Präsentation von Paper Mario Color Splash ist durchweg exzellent. Sei es der Humor, der sich durch so ziemlich jede Spielsituation zieht, oder die wunderschöne Grafik in Papieroptik, Paper Mario Color Splash ist stets ansprechend inszeniert. Mit niedlichen Animationen, mal subtilerem und mal offensichtlicherem Wortwitz dürfte für jeden, der in einem Videospiel gerne mal schmunzelt, gesorgt sein. Auch akustisch ist Color Splash ein sehr gelungener Titel.

Paper Mario Color Splash

Paper Mario Color Splash ist ein durchweg unterhaltsames Rollenspiel-Adventure, das mit Humor, einem ungewöhnlichen Kampfsystem und sehr gelungenem Weltendesign überzeugen kann. Wer Sticker Star absolut nichts abgewinnen konnte, dürfte bei Color Splash wohl vieles wiedersehen, was er schon bei Sticker Star nicht mochte, doch haben die Entwickler sich große Mühe gegeben, das Konzept des Vorgängers zu polieren und das Ergebnis ist schlichtweg eine runde Spielerfahrung.

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