Call of Duty: Infinite Warfare – Activision und Infinity Ward lassen es im Weltall krachen

EA und DICE haben mit Battlefield 1 ziemlich gut vorgelegt. Nochmals EA und Respawn Enternainment setzten mit Titanfall 2 (in unseren Augen) nochmals einen drauf. Nun legen Activision und Infinity Ward mit Call of Duty: Infinite Warfare nach, um die heilige Dreifaltigkeit der Online-Shooter zu vervollständigen. Der Letzte lachte am besten?

Call of Duty: Black OPs 3 erzählte eine durchaus gelungene, erstaunlich komplexe Handlung in der näheren Zukunft. Call of Duty: Infinite Warfare geht noch ein paar Schritte weiter. Nicht bei der Komplexität, sondern zeitlich gesehen. In der fernen Zukunft gibt es auf der Erde keine Rohstoffe mehr, also musste man notgedrungen den Weltraum endgültig für sich entdecken. Neue Kolonien auf fremden Planeten versorgen die Menschheit. Alles könnte also gut sein – wenn da die böse SDF mit ihrem noch böseren Anführer Salen Kotch (dargestellt von Game of Thrones-Star Kit Harrington) nicht wäre. Die überfällt immer wieder die Kolonien. Klar also, dass man Kotch Einhalt gebieten muss. Was nun in euer Aufgabengebiet fällt. Soweit, so gähn. Die Story von Call of Duty: Infinite Warfare reißt wahrlich keine Bäume aus und kommt wenig spannungsgeladen daher. Das liegt auch an Ober-Macker Kotch, der ziemlich blass bleibt. Das liegt nicht an der Darstellung von Harrington, sondern vielmehr an seinem schlecht geschriebenen Charakter. Besser machen es da die anderen Neben-Charaktere, von denen euch tatsächlich ein paar ans Herz wachsen dürften.

Call of Duty bleibt Call of Duty, das ist bei Infinite Warfare nicht anders. Im Grunde erwartet euch also das gleiche Shooter-Gameplay, wie all die Jahre zuvor – nur eben im Weltraum. Das ist nicht schlecht, denn wenn jemand sein Handwerk versteht, dann Infinity Ward. So fühlt sich das Gunplay sehr gut und zahlreiche bombastisch inszenierten Skript-Events sorgen für Abwechslung. Nur, so richtig haut das mittlerweile niemanden mehr vom Hocker, spielerische oder erzählerische Highlights bleiben aus – das hat Titanfall 2 ganz anders hinbekommen. Trotzdem wird man auch bei Call of Duty: Infinite Warfare gut unterhalten. Und ganz auf Neuerungen haben die Entwickler auch gar nicht verzichtet. Weltraumkämpfe stehen nun auf dem Programm! Hört sich spannend an, ist es aber eigentlich gar nicht. Ja, die Dodgefights im Weltraum machen Laune, nutzen sich spielerisch aber sehr schnell ab und sind generell sehr einfach ausgefallen. Gleiches gilt für die neuen Schwerelosigkeits-Einlagen, die sich grundsätzlich genauso anfühlen, wie die normalene Shooter-Passagen. Nur dass man eben etwas freier im Raum schwebt.

Call of Duty: Infinite Warfare

Optionale Nebenmissionen (weitere Weltraumkämpfe und weitere normale Kämpfe) spülen euch Geld aufs Konto, mit denen ihr eure Ausrüstung verbessern könnt. Nett, aber haut nicht vom Hocker. Schade zudem, dass man die Kampagne von Call of Duty: Infinite Warfare nur alleine absolvieren darf. Cool hingegen, dass der neue „Specialist“-Modus eine angenehme Herausforderung bietet: Treffer in Arm und Bein haben Einfluss auf eure Bewegung, automatische Heilung gibt es nicht mehr. Der „YOLO“-Modus packt das Ganze noch in ein Permadeath-Korsett. Das motiviert durchaus, ärgerlich nur, dass man für die Modi erst einen normalen Kampagnen-Durchgang hinter sich bringen muss.

Der Versus-Modus dürfte wieder den zentralen Kern von Call of Duty: Infinite Warfare darstellen. Auf zwölf unterschiedlichen und abwechslungsreichen Maps ballert ihr mit anderen Mitspielern munter um die Wette. Das ist wie gewohnt motivierend, dank zahlreicher Perks und Ausrüstungsgegenstände auch auf lange Sicht, aber auch wenig innovativ. Ja, die neuen RIGs stellen quasi übergeordnete Klassen dar, die einzelne Perks beherbergen. Aber warum hat Infinity Ward nicht intensiveren Gebrauch des Weltraum-Settings gemacht? Schwerelosigkeitsballereien zum Beispiel, oder gar richtige Weltraumkämpfe? Schade, schade, hier verschenkt man ordentlich Potential. Zumal sich das thematisch ähnliche Titanfall 2 (wenn man die Mechs mal außer Acht lässt) sich deutlich flüssiger spielt, was Wandläufe etc. betrifft.

Wodurch sich aber auch Call of Duty: Infinite Warfare einmal mehr von der Masse abheben kann, ist „Zombies in Spaceland“. Die neue Karte verfrachtet euch in einen 80er-Jahre Freizeitpark, der mit allerhand Humor gespickt ist. Die Karte ist extrem gut designt, bietet zahlreiche Geheimnisse und läuft natürlich vor allem zu viert in Hochform auf. Uns hat „Zombies in Spaceland“ noch besser gefallen, als die bereits sehr guten Zombie-Maps aus Black OPs 3.

Call of Duty: Infinite Warfare

Technisch macht Call of Duty: Infinite Warfare einen guten, wenngleich keinen sehr guten Eindruck. Die Umgebungen sind allesamt sehr schick designt und gerade in der Kampagne gibt es ein paar echt nette Hingucker. Aber rein technisch bewegt man sich weit unterhalb des Niveaus von Battlefield 1 und auch unterhalb dessen von Titanfall 2. So stehen sich verwaschene Texturen, teils veraltete Animationen guten Lichteffekten und Charaktermodellen gegenüber. Der Sound lässt es dafür so richtig krachen. Vor allem die englische Sprachausgabe ist eine Wucht, aber auch die deutschen Sprecher erledigen einen guten Job.

Insgesamt bekommt man von Call of Duty: Infinite Warfare also ein wieder einmal rundes Gesamtpaket. Trotzdem kann man sich dem Eindruck nicht verwehren, dass Black Ops 3 im letzten Jahr mehr lieferte. So vermissen wir dieses Jahr eine Koop-Kampagne oder auch den unterhaltsamen Arcade-Spielmodus „Dead Ops 2“. Weltraumkämpfe sind ja ganz nett, aber spielerisch eher belanglos. Zudem ist es sehr schade, dass Infiniy Ward das vorhandene Potential gerade in den Mehrspieler-Maps nicht nutzt. Trotzdem wird man natürlich auch bei Call of Duty: Infinite Warfare wieder lange bei der Stange gehalten, aber eben wenig überrascht. „Zombies in Spaceland“ mal außer Acht gelassen, das für uns den größten Mehrwert darstellt.

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