Es geht ab ins Mittelalter – Kann Mount & Blade: Warband sechs Jahre nach dem PC-Release jetzt auch auf den Konsolen überzeugen?

Bereits im Frühjahr 2010 ist das Mittelalter-Action-Rollenspiel Mount & Blade: Warband für den heimischen PC erschienen. Nun hat sich TaleWorlds Entertainment dazu entschieden das Game auch für Xbox One und PlayStation 4 auf den Markt zu werfen. Warband selbst ist damals ein Remake des 2008 erschienenen Mount & Blade gewesen und erfreute sich auf dem Computer einer recht ordentlichen Fangemeinde. Ob diese sich um die Konsolenspieler vergrößern lassen kann, wollten wir unserem Test erfahren.

Im Gegensatz zu Fantasy-Rollenspielen, die mittelalterlich angehaucht sind, verzichtet Mount & Blade: Warband auf jegliche Elemente aus eben jenem Fantasy Genre. Wer also einen klassischen Magier spielen möchte, ist bei diesem Spiel an der falschen Adresse. Ebenso kann nicht aus unterschiedlichen Rassen gewählt werden. Ansonsten gilt wie in anderen Rollenspielen auch, dass der Spieler zu allererst einmal seinen eigenen Charakter erstellt und damit schon grob festlegt, ob es sich um einen robusten Nahkämpfer handeln soll oder doch lieber um einen gewieften Fernkämpfer.

Zudem kann der eigenen Spielfigur ein individueller Hintergrund gegeben werden. So kann der Spieler entscheiden, wo und wie der Charakter aufgewachsen ist und welcher Berufung er aktuell nachgeht. Dabei sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein. Der Krieger rekrutiert Soldaten, die mit ihm in den Kampf ziehen werden. Der Händler dagegen reist von einer Ortschaft in die Nächste und vertreibt seine Waren auf dem lokalen Marktplatz. Wer lieber in eine boshafte Rolle schlüpfen möchte, kann dies ebenfalls tun. Des Weiteren sollte der Spieler beim Verteilen der Skillpunkte natürlich auch darauf achten, dass dies zum eigenen Charakter und Spielstil passt. Für einen Händler macht es schließlich wenig Sinn, Kampffertigkeiten besonders zu verbessern. Dies bietet sich verständlicherweise für einen reinen Kämpfer an. Wer ein Heer sein Eigen nennen will und dies anführen möchte, sollte zusätzlich ein paar Punkte in Führerschaft investieren.

Mount & Blade: Warband

Mount & Blade: Warband verzichtet, im Vergleich zu anderen Rollenspielen, gänzlich auf einen festen Handlungsstrang. Dies führt dazu, dass jeder Spieler ein individuelle Spielerlebnis hat und sich jeder Spieldurchgang vom anderen unterscheiden wird. Die Welt steht dem Spieler von Anfang an offen, sodass er eine ganz eigene Geschichte schreiben kann. Er kann sich ehrgeizig nach oben arbeiten oder doch direkt reich heiraten, sodass ihm schnell sein ganz eigenes Reich zur Verfügung steht. Natürlich ist das Leben im Mittelalter alles andere als einfach, sodass es genügend Bedrohungen gibt, die dem Spieler das Erreichte streitig machen wollen. Wer also irgendwann Ländereien besitzt, sollte sich gegen Übergriffe gut wappnen. Es gibt genügend Seiten, die miteinander im Zwist sind, sodass man sich sehr gut überlegen sollte, mit wem man ein Bündnis eingehen will oder nicht. Während der Spieler die Ländereien erkundet, gibt es selbstverständlich auch immer wieder Quests, die erledigt werden müssen und die Erfahrung bringen. Zudem verbessert sich dadurch der eigene Ruf.

Wagt sich der Spieler in einen Kampf, so stehen ihm unterschiedliche, für das Mittelalter typische Waffen zur Verfügung, die je nach Art und eigener Skillverteilung unterschiedlich viel Schaden ausrichten können: Schwerter, Äxter, Lanzen oder Bögen. Jede der Waffen hat ihre Vorteile und natürlich auch Nachteile. Einhandschwerter sind erfahrungsgemäß schneller als Zweihänder, teilen aber dafür weniger Schaden aus. Der Bogen eignet sich für den Fernkampf gut, weniger für den Nahkampf. Allem im allen gibt es hier also wenig Überraschungen.

Von den Grundvoraussetzungen her klingt Mount & Blade: Warband als durchaus solides Rollenspiel. Hat es aber auch den Sprung auf die aktuellen Konsolen in angemessener Weise geschafft? Das ist leider zu verneinen. Denn gerade im Hinblick auf Technik, Steuerung und Graphik ist das Game leider sehr schwach. Es empfiehlt sich sehr das angebotene Tutorial durchzuspielen, bevor man sich in die offene Welt von Calradia stürzt. Selbst wenn man dieses beendet hat, wird es einiges an Geduld und Zeit brauchen, um sich mit der Steuerung vertraut zu machen. Sie fühlt sich schlicht nicht intuitiv an.

Mount & Blade: Warband

Dem Game merkt man zudem das Alter an. Graphisch hat sich nicht wirklich etwas verändert. Schon zum ursprünglichen Release 2010 sah Mount & Blade: Warband nicht überzeugend aus. Die Texturen sehen sehr verwaschen aus und werden der Leistungsstärke der aktuellen Konsolen nicht wirklich gerecht. Optisch sieht es noch nicht einmal nach einem Spiel aus, welches für die Vorgänger Xbox 360 und PlayStation 3 hätte erscheinen können. Häuser, Burgen und andere Gebäude wirken nur dupliziert. Auch die Charaktermodelle weisen keine großen Unterschiede auf. Die Dialoge mit NPCs müssen gelesen werden. Das alles steigert nicht unbedingt die eigene Motivation, sich ausführlicher mit dem Spiel auseinander zu setzen.

Dass Mount & Blade: Warband noch einen Multiplayer anbietet, ist fast schon uninteressant, da sich vermutlich nur wenig Spieler finden lassen, mit denen man das Spiel gegeneinander spielen kann. Es gibt sicherlich Spiele, die eine Portierung vom Computer auf die Konsole oder ein Remaster rechtfertigen. Für Mount & Blade: Warband gilt das leider nicht. Selbst Hardcore-Mittelalterfans werden vermutlich nur schwerlich einen Zugang zu diesem Spiel finden und hier eine eigene Geschichte schreiben.

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