Battlefield 1: Atmosphärisches Schlachten-Getümmel der Vergangenheit von EA und DICE

Schon als Electronic Arts und DICE den ersten Trailer von Battlefield 1 zeigten, waren die Fans hin und weg. Der Erste Weltkrieg: Ein ernstes, ein bedrückendes, aber auch ein unverbrauchtes und interessantes Setting. Die Grafik: Der Hammer. Pferde als neue Transportmittel: Wie cool! Nach der erfolgreichen Beta wuchs die Vorfreude noch weiter an. Nun ist Battlefield 1 erhältlich. Und ein echter Volltreffer.

Nein, die Kampagnen von Battlefield waren noch nie wirklich innovativ, besonders spannend oder gar wegweisend. Aber: Sie dienten doch irgendwie stets als guter Einstieg in die brachialen Online-Gefechte, zudem waren sie meist sehr nett anzuschauen. Für Battlefield 1 wollen die Entwickler von DICE dann doch etwas mehr. Also bieten die Schweden gleich fünf Kampagnen an. Jede davon ist zwar nur knapp ein bis zwei Stunden lang, aber gewährt uns Einblicke in die Erlebnisse von gleich fünf verschiedenen Soldaten – nach dem eindrucksvollen, aber auch erschreckend bedrückenden Prolog dürfen wir sogar frei entscheiden, welche Kampagne wir zuerst spielen wollen. Der Feldzug von Lawrence von Arabien in der Wüste gegen das Osmanische Reich? Oder doch lieber der Angriff der italienischen Streitkräfte in den Dolomiten? An der Westfront wird natürlich gleichfalls gekämpft. Und eines muss man DICE dann tatsächlich zugestehen: Die fünf Schicksale mögen ebenfalls keinen Preis für Innovation oder Storytelling gewinnen und wirken eher aufgesetzt, sind spielerisch aber sehr abwechslungsreich gelungen. Panzerschlachten, Luftkämpfe oder die direkte Konfrontation auf dem Schlachtfeld – das macht schon einiges her. Da kann man auch die dümmliche Gegner-KI oder die im Großen und Ganzen fehlenden Highlights einigermaßen verkraften.

Denn sind wir mal ehrlich: Die Kampagne dürften den meisten von uns nur als Vorgeplänkel, als Art Tutorial für den Mehrspieler-Modus herhalten. Und der hat es in Battlefield 1 so richtig in sich. Dabei macht DICE auf den ersten Blick gar nicht viel anders, als bei den Vorgängern oder auch Star Wars: Battlefront. Das Spielgefühl ist typisch Battlefield, nur eben im Ersten Weltkrieg. Für das neue Setting musste DICE dann aber doch ein paar Dinge anpassen, allen voran natürlich die Waffen und Fahrzeuge. Bei Battlefield 1 liegt der Fokus näher auf Nahkampf-Gefechte. Damit meinen wir nicht den direkten Nahkampf, der hier allerdings auch eine größere Rolle spielt, als früher – auf dem Rücken eines Pferdes können wir beispielsweise mit dem Schwert durch die gegnerischen Reihen reiten. Mit Ausnahme der Scharfschützengewehre taugen die meisten Waffen nur in naher bis mittlerer Distanz etwas – die Streuung der meisten Waffen ist einfach zu hoch. Das mag Veteranen zunächst etwas irritieren, sorgt insgesamt aber für ein intensiveres Spielgefühl.

Battlefield 1

Die offensichtlichsten Änderungen gegenüber den Vorgängern stellen vermutlich die Maps an sich da – acht Stück davon haben es (bislang) in Battlefield 1 gepackt. Die Karten sind nämlich groß – sehr groß. Klar, müssen doch immerhin bis zu 64 Spieler darauf Platz haben. Die Karten sind allerdings nicht nur weitläufig, sondern richtig gut designt – von dem immens hohen Detailgrad abgesehen, bieten die Maps zig Facetten an, um die strategisch wichtigen Punkte einzunehmen. Darüber hinaus gibt es dynamische Ereignisse wie zufällig aufkommende Sandstürme in der Wüste, Mauern wie auch ganze Steinbrücken können zum Einsturz gebracht werden. Gepaart mit dem etwas intensiveren Spielgefühlt fühlt sich Battlefield 1 somit ein ganzes Stückchen abwechslungsreicher und spannender an, als die Vorgänger.

Für Abwechslung sorgen auch die vier Klassen: Sanitär, Support, Sniper und Sturmsoldat. Jeder hat natürlich seine eigene Ausrüstung (die wie gewohnt durch etliche freischaltbare Dinge angepasst werden kann) sowie Rolle auf dem Schlachtfeld. Das Balancing ist ganz gut gelungen, wenngleich die Sniper ob der schieren Kartengröße vielleicht etwas im Vorteil sind. Gänzlich neu sind die Elite-Klassen, die man quasi mitten auf den Maps einsammeln kann (ähnlich wie die Helden in Star Wars: Battlefront). So werden wir zum alles verbrennenden Flammenwerfer oder stülpen uns eine Panzerrüstung um.

Alte Bekannte finden sich unterdessen bei den Spielmodi wieder. Eroberung bzw. Conquest muss vermutlich nicht näher erläutert werden (möglichst viele Punkte auf der Karte einnehmen), Rush ist mittlerweile auch ein alter Hase – hier muss ein Team nach und nach die Stellungen des anderen Teams einnehmen oder zerstören. Team-Deathmatch ist selbsterklärend und Vorherrschaft quasi nur eine Abwandlung davon, mit dem Fokus auf engere Räume. Neu und interessant sind die Kriegstauben: Hier muss man erst eine Taube mitten auf dem Schlachtfeld finden und diese anschließend in Sicherheit bringen. Ist das geschafft, kann man einen Artillerieangriff anfordern. Der große neue Star am Himmel dürften aber ganz klar die Operationen sein. Dieser Spielmodus stellt eine Mischung aus Conquest und Rush dar, zieht sich aber gleich über mehrere Schlachten – wer die erste verliert, bekommt in der zweiten gar einen Vorteil in Form eines der neuen Behemots. Das sind gigantische Fahrzeuge wie Zeppeline, Panzerzüge oder Schlachtschiffe, die gleich von mehreren Spielern gesteuert werden. Operation spielt sich ungemein intensiv und nervenaufreibend und stellt eine echte Bereicherung dar.

Battlefield 1

Nicht viel sagen muss man vermutlich über die Grafik von Battlefield 1 – es reicht vermutlich, wenn man sich die Bilder oder Videos dazu ansieht. Dann sieht man schon, was für eine hervorragende Technik DICE hier auffährt. Knackscharfe Texturen, herausragende Beleuchtungseffekte, extrem detaillierte Maps und eine erstaunlich stabile Framerate zeugen von sehr hoher Qualität. Dieser schließt sich der Soundtrack gleich mit an. Das bekannte Battlefield-Theme wurde hörenswert angepasst und die restlichen Musikstücke sind gleichfalls gut gelungen. Die Soundeffekte lassen es so richtig schön krachen und auch die Sprachausgabe bietet sehr gute deutsche Sprecher.

Alles in Allem ist EA und DICE mit Battlefield 1 ein richtig guter Online-Shooter gelungen, dessen Kampagne in diesem Jahr sogar tatsächlich ganz gut unterhalten kann. Technisch ist der Titel ein echtes Brett und auch wenn sich rein spielerisch nicht allzu gravierend viel getan hat, fühlen sich die Schlachten doch gerade wegen des sehr gut umgesetzten Settings frisch an. Mit Operation und auch Kriegstauben haben die Entwickler darüber hinaus zwei sehr gute neue Spielmodi integriert. Viel zu meckern gibt es also nicht. Nach dem eher ernüchternden Hardlines vor zwei Jahren dürften EA und DICE somit für Wiedergutmachung gesorgt haben.

Das könnte Dich auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar