Mafia 3: Kann Hangar 13 den großen Erwartungen an das Open-World-Spiel gerecht werden?

Das leidige Thema mit den Erwartungen und dem Hype. Mafia zählt noch heute, fast 15 Jahre später, zu den beeindruckendsten Videospielen. Acht Jahre später scheiterte schon Mafia 2 an den immens hohen Erwartungen. Wobei „scheiterte“ zu viel gesagt ist – der Titel war und ist immerhin sehr gut! Doch nach dem herausragenden Erstling war der Hype dann doch etwas zu groß. Auch Mafia 3 fieberten etliche Actionfans schon seit geraumer Zeit entgegen. Nach den vielen Vorschuss-Lorbeeren anhand von Vorschau-Berichten auch kein Wunder. Nun ist Mafia 3 für PC, PlayStation 4 und Xbox One erhältlich. Und dürfte die Fan-Gemeinde noch weiter spalten.

Was die Mafia-Reihe schon immer von GTA, Saints Row und Konsorten unterschied, war der starke Fokus auf die Story. Klar, auch Grand Theft Auto 5 erzählt eine richtig gute Handlung, aber der Fokus ist dort viel verstreuter – die zig Nebenbeschäftigungen sind ein guter Beleg dafür. Das ist nicht schlecht, ganz im Gegenteil – GTA 5 zählt zu den besten Spielen der letzten Jahre. Mafia hingegen bot noch nie ein reichhaltiges Angebot an Aktivitäten, hier gab es eigentlich immer nur die Story-Missionen und mal ein paar Neben-Aufträge, die allerdings in den großen roten Story-Wollknäul eingewoben sind. Das hat sich bei Mafia 3 nicht geändert. Verrückte Charaktere, die euch noch verrücktere Nebenbeschäftigungen ermöglichen, sucht man vergebens. Hier herrscht der Ernst.

In Mafia 3 spielt ihr die Geschichte von Lincoln Clay nach, einem Afro-Amerikaner, der 1968 aus dem Vietnam-Krieg in seine Heimat New Bordeaux zurückkehrt. New Bordeaux? Nie gehört? Kein Wunder, handelt es sich dabei doch um eine „erfundene“ Stadt der Entwickler von Hangar 13, die quasi ein Abbild von New Orleans darstellt. Wer in Geschichte aufgepasst hat: 60er-Jahre, USA, New Orleans, Afro-Amerikaner – keine allzu gute Kombination. Der Rassismus war seinerzeit weit verbreitet, gerade in den Süd-Staaten. Kein Wunder also, dass Rassismus auch in Mafia 3 eine tragende Rolle spielt. Und nicht nur der. Auch der Vietnam-Krieg oder die politische Lage in der UdSSR werden zumindest angeschnitten.

Mafia 3

Aus all dem ergibt sich die größte Stärke von Mafia 3. Der Spielwelt. New Bordeaux ist nicht nur für sich genommen schon sehr abwechslungsreich (Hafenviertel, Sümpfe, Reichen- und Armenviertel etc.), die vielen Anspielungen auf wichtige Weltereignisse, mal mehr, mal weniger offensichtlich, zeugen von einer hohen Authentizität. Wenngleich auf den Straßen selbst gerne etwas mehr los sein dürfte. Hin und wieder fühlt sich die Spielwelt nämlich etwas leblos an. Eine Krankheit, die man aus den Vorgängern übernommen hat.

Doch halt, wir schulden euch ja immer noch eine Erklärung, wer Lincoln Clay eigentlich ist. Außer ein Kriegsveteran. Clay kehrt also in seine Heimat zurück und begibt sich erneut unter die Fittische seines alten Kumpanen und Ersatz-Vaters Sammy. Doch der hat mittlerweile ordentlich Probleme mit der italienischen Mafia. Geldschulden. Lassen sich selten vermeiden, sollte man aber tunlichst nicht bei der Mafia haben. Der hiesige Pate bietet Sammy aber freundlicherweise einen Ausweg: Hilft Lincoln bei einem Raubüberfall mit, ist er aus dem Schneider. Ohne nun zu weit ins Detail gehen zu wollen – es läuft nicht alles so, wie Sammy und Lincoln sich das vorstellen und die beiden werden von der Mafia hintergangen. Und was tut man bei so etwas? Natürlich auf Rachefeldzug gehen und sich langsam aber sicher von ganz unten zum Paten hocharbeiten.

Die Story mag nicht sonderlich innovativ sein, ist aber dennoch sehr gelungen. Der Spannungsgrad stimmt, die Charaktere besitzen genug Profil und vor allem die Inszenierung (quasi eine Art Interview-Dokumentation) ist richtig gut gelungen. Allen voran der Einstieg macht Lust auf Mehr. Zwar kann Mafia 3 nicht über die gesamte Spielzeit (für die Story ohne Nebenmissionen braucht ihr ca. 15 Stunden) die ganz große Spannung aufrecht halten, aber insgesamt wird man doch sehr gut unterhalten.

Mafia 3

Wenn man das doch nur auch über den spielerischen Aspekt von Mafia 3 sagen könnte. Das Gameplay ist nicht schlecht, aber einfach viel zu generisch. Zwar variieren die Missionsziele („Töte Person X“, „Beschatte Person Y“, „Entkomme aus dem Bereich Z“, etc.), aber wirkliche Highlights sucht man vergeblich. Gleiches gilt für das Erobern der zehn Bezirke, die quasi nach demselben Schema F ablaufen. Ganz nett: Erlangt ihr die Kontrolle über ein Gebiet, übergebt ihr dieses an einen von euren drei Untertanen (Darunter auch Vito, bekannt aus Mafia 2). Das hat durchaus Einfluss auf das Gameplay, bringt doch jeder der Drei eigene Vorteile mit sich – etwa Waffenlieferungen, Auto-Bereitstellung oder Sicherung von Bargeld. Letzteres hört sich erst einmal komisch an, wenn man aber wieder einmal den virtuellen Tod gestorben ist und dabei die Hälfte seines Barvermögens verloren hat, weiß man das schnell zu würdigen.

Action wird in Mafia 3 fett geschrieben, wenngleich ihr Missionen auch auf leisen Sohlen angehen könnt. Mehr Spaß machen aber definitiv die Schießereien, die wirklich gut und wuchtig inszeniert sind und somit „wertiger“ wirken, als beispielsweise bei GTA 5. Aber, und dieses Aber wird groß geschrieben: Diese KI. Diese unfassbar, fast schon beschämend beleidigende und strunz dumme KI. Zwar wirft euch das Spiel einen Gegner nach dem anderen vor den Lauf, aber das nahezu wortwörtlich. Decken suchen eure Feinde nur selten auf, viel lieber stürzen sie sich Hals über Kopf in den Tod. Was aber noch viel mehr schmerzt: Die fehlende Auffassungsgabe. Überall liegen Leichen herum? Dem Feind ist das scheiß egal. Ihr tötet eine Wache direkt neben einer anderen Wache? Pff, was juckt es die denn schon? So wird aus Mafia 3 ein stupides Moorhuhn, den Stealth-Part kann man sich ohnehin gleich schenken. Das wertet die wenig einfallslosen Missionen gleich nochmals ab.

Technisch bekleckert sich Mafia 3 auch nicht gerade mit Ruhm. Ja, mittlerweile hat man einige Unzulänglichkeiten, Bugs und Glitches mit Patches aus der Welt geschafft, aber einige sind dennoch vorhanden. Immerhin läuft das Geschehen recht stabil ab, gerade die Pop-Ups sind aber nervig – wenn plötzlich neben euch ein ganzes Haus erscheint, wirkt das nicht gerade rund. Der Fairness-halber muss man aber zugeben, dass Mafia 3 rein optisch betrachtet schön anzusehen ist, sowohl was Animationen, Charakter-Mimik, Detailgrad oder Effekte betrifft. Über alle Zweifel erhaben ist zudem der Sound: Synchronsprecher, stimmungsvoller Soundtrack aus den 60ern und tolle Soundeffekte sorgen für einen wahren Ohrenschmaus.

Mafia 3

Was bleibt am Ende also zu sagen? Mafia 3 hat seine Momente: Die Story ist gut, die Spielwelt strotzt nur so vor Atmosphäre (trotz etwas weniger Passanten) und das Gameplay ist ebenfalls solide. Nur stören gerade hier die vielen Macken. Damit meinen wir nicht zwangsläufig das uninspirierte Missionsdesign, darüber könnte man noch hinwegsehen. Aber die unglaublich dämliche KI macht aus den an für sich gut inszenierten Schießereien eine Farce. Über den Stealth-Aspekt wollen wir erst gar nicht reden. Dazu gesellen sich noch einige technische Defizite. Spaß macht Mafia 3 durchaus trotzdem, aber zu sehen, wie viel Potential 2K Games und Hangar 13 da verschenkt haben, das tut schon weh.

Das könnte Dich auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar