Beyond Eyes: Sehende erleben die emotionale Welt eine blinden Mädchens

Die Bedeutung an Indie-Spielen ist nicht zu unterschätzen, denn in diesem Marktsegment können sich Entwickler noch wirklich austoben und neue Ideen ausprobieren. Doch bei der Schwemme, mit der kleine Studios oder 1-Mann-Teams ihre Produkte auf den Markt werfen, ist es schwer, den Überblick zu behalten. Selbst wir sind davor nicht gefeit. Im letzten Herbst beispielsweise ist ein kleines Spiel namens Beyond Eyes erschienen, das zwar aufgrund des außergewöhnlichen Stils aus der Masse herausstach, aber im Vergleich zu den zahlreichen Blockbuster kaum Medienaufmerksamkeit erhalten hat. Im Zuge des ID@Xbox Game Fest ist es wieder ein wenig in den Mittelpunkt gerückt und wir haben dieses Mal nicht die Augen verschlossen.

Beyond Eyes erzählt die Geschichte des kleinen Mädchens Rae, das bei einem Feuerwerk vor einiger Zeit ihr Augenlicht verloren hat und nun lernen muss, ohne den wichtigsten Sinn des Menschen auszukommen. Eine kleine Katze, genannt Nani, ist der einzige Freund des Mädchens. Doch eines Tages verschwindet das süße Fellknäul und Rae begibt sich auf die Suche. Das ist jedoch leichter gesagt als getan, denn die Protagonistin ist bekanntlich blind. So beginnt das Abenteuer der blinden Erkundungstour. Für das Erforschen haben sich die Entwickler einer ähnlichen Technik bedient, die schon vor einer Zeit im Spiel The Unfinished Swan zum Einsatz kam. Während wir uns im Spiel bewegen und Gegenständen sowie der Umgebung näher kommen, wird diese wie ein Aquarell um uns herum gemalt. So erkennen wir nach und nach in welcher Welt wir uns befinden und können Nani suchen.

Dabei spielen Geräusche eine extrem wichtige Rolle, denn diese kann Rae auf weite Entfernungen wahrnehmen, wodurch der Spieler gewisse Anhaltspunkte erhält, wie es weitergeht oder eben auch nicht. Den Entwicklern gelingt es dadurch ansatzweise sehenden Spielern zu vermitteln, wie sich eine blinde Person fühlen muss. Zumal manchmal Geräusche trügerisch sein können. So kann es durchaus vorkommen, dass ein tropfendes Abflussrohr von Rae zunächst für einen Springbrunnen gehalten wird. Manche Töne bereiten ihr Unbehagen, wodurch wiederum eine gewisse Art von Gefahr vermittelt wird, auch wenn Rae in diesem Abenteuer niemals sterben kann. Unter anderem lernt Rae während des Abenteuers Hunde zu umgehen, bösen Krähen auszuweichen oder Rasenmäher von Autos zu unterscheiden und nebenbei nach ihrer Katze zu suchen. Ab einem gewissen Punkt im Spiel fängt man sogar an, mit der Hauptfigur mitzufühlen. Man möchte einfach wissen, was mit der Katze, der einzigen Bezugsperson, passiert ist.

Beyond Eyes

So gelungen die Erzählstruktur, das Design und die emotionale Bindung zur Heldin Rae gelungen sind, so eintönig ist das Gameplay. Rae kann lediglich laufen und auf kontextbezogene Situationen reagieren. Bei einer Spielzeit von gut einer Stunde mag das noch zu verschmerzen sein, aber damit sind wir gleich beim nächsten Kritikpunkt. Mit einer Stunde, die ein durchschnittlicher Spieler für die Haupthandlung benötigt, und etwa einer zusätzlichen Stunde für sämtliche Erkundungen, ist das Spiel extrem kurz geraten. Dennoch ist Beyond Eyes, gerade zum Ende hin, eine emotionale Achterbahnfahrt und eines der außergewöhnlichsten narrativen Videospiel-Erlebnisse der letzten Jahre.

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