Pikachu lässt in Pokémon Tekken auf der Wii U die Fäuste fliegen

Sind wir mal ehrlich. Als seinerzeit Pokémon Stadium für das Nintendo 64 erschien, waren wir natürlich sehr aufgeregt. Doch so richtig spannend waren die statischen Kämpfe trotz „moderner“ 3D-Grafik nicht. Hätten wir uns nicht viel lieber ein direkteres, dynamischeres und aufregenderes Kampfspiel mit unseren geliebten Taschenmonstern gewünscht? Eines, in dem Treffer auch wirklich gelandet wurden und nicht nur die Luft „gekratzt“ wurde? Gut, das war im Jahre 2000 vielleicht technisch noch nicht so einfach möglich. 16 Jahre später auf der Nintendo Wii U aber schon. Und endlich bekommen wir mit Pokémon Tekken unser richtiges Beat’em Up!

Bereits im vergangenen Jahr schickte Bandai Namco Nintendos Taschenmonster in Japan in den virtuellen Kampfring. Damals aber noch als reines Arcadeautomaten-Spiel. Nun ist der Titel in leicht abgewandelter Version auch für die Nintendo Wii U erhältlich. 16 Pokémon stehen euch als Kämpfer zur Auswahl. Nicht wenig, aber auch nicht wirklich viel. Bedenkt man vor allem, dass es mittlerweile ja einen Fundus an 722 Monstern gibt. Doch sind wir mal realistisch: Lieber eine kleine Kämpferriege, die dafür abwechslungsreich und gut ausbalanciert ist, statt viele Kämpfer, die sich kaum unterscheiden und ein Ungleichgewicht bei Stärke und Schwächen fördern. Trotzdem: 16 ist nicht die ganz große Zahl, ein paar mehr Pokémon hätten es schon sein dürfen. Zur Auswahl stehen dabei Pokémon aus allen möglichen Generationen. Nicht fehlen darf „Everbody’s Darling“ Pikachu, dazj gesellen sich unter anderem noch Glurak, Lucario, Lohgock oder auch Gengar. Zwei Kämpfer davon sind übrigens nicht direkt von Beginn an wählbar und müssen erst freigeschaltet werden.

Street Fighter V hat es vor kurzem erst vorgemacht: Am Umfang sollte man bei einem Beat’em Up nicht zu sehr sparen, ansonsten hagelt es Kritik von allen Seiten. Mittlerweile hat Capcom bekanntlich nachgelegt, bei Pokémon Tekken sollten sich Nintendo und Bandai Namco das auch noch gut überlegen. Nicht nur wegen der recht übersichtlichen Anzahl an Kämpfern, sondern auch wegen der verfügbaren Spielmodi. Neben der „Ferrum-Liga“ (dazu gleich mehr) können sich Solisten noch in schnelle Matches und das (sehr gute) Training stürzen. Darüber hinaus dürfen wir natürlich auch im Lokalen- sowie im Online-Mehrspieler-Modus die Fetzen fliegen lassen. Doch das war es dann auch schon. Motivierende Herausforderungen, wie sie nun beispielsweise bei Street Figthter V nachgereicht wurden, oder gar lustige Minispiele wie seinerzeit bei Pokémon Stadium, glänzen leider durch Abwesenheit.

Pokémon Tekken

Kann die „Ferrum-Liga“ die Kohlen aus dem Feuer holen? Nun, zumindest ein wenig. Denn vom reinen Grundgedanken her klingt das Konzept spannend. In insgesamt vier Ligen soll man sich als aufstrebender Pokémon-Trainer von ganz unten nach ganz oben Kämpfen. In jeder Liga nimmt man an einer Reihe von Einzelkämpfen teil, um sich schlussendlich das Recht für einen Rangkampf zu erkämpfen. Ist der bewältigt, geht es eine Liga nach oben. Das Ganze wird noch garniert mit einer Hintergrundgeschichte rund um ein mysteriöses Mewtu sowie der Möglichkeit, seine Pokémon zu trainieren. Hört sich alles ganz nett an, wird aber leider schon nach kurzer Zeit monoton. Das hat gleich mehrere Gründe: Zum einen der seichte Schwierigkeitsgrad, vor allem in den ersten beiden Ligen, der erfahrenere Spieler kaum fordern wird. Zum kommt die Story nicht über einen „rudimentären“ Status hinaus, sprich ist sehr platt und wenig aufregend oder gar originell. Am schlimmsten ist jedoch der monotone Ablauf der Ligen. Abwechslung innerhalb der vier Stufen gibt es keine, alles verläuft streng nach einem Muster, immer und immer wieder.

Da hilft auch das Trainieren der Pokémon nicht: Nach erfolgreichen Kämpfe steigen eure Taschenmonster im Level auf, wodurch ihr einzelne Attribute wie Kampfstärke oder Defensive verbessern könnt – sogar über die „Ferrum-Liga“ hinaus, auch im Mehrspieler-Modus schickt ihr eure trainierten Pokémon in den Kampf. Nur: Große Auswirkungen haben die Verbesserungen nicht. Klar, auf der einen Seite bewahrt Bandai-Namco damit das Balancing, auf der anderen Seite fragt man sich dann aber nach dem Sinn des Systems. In der Liga wird das System ohnehin ad absurdum geführt, da die CPU-Gegner mit euch mitskalieren. So kann man quasi auch mit einem Level 1-Pokémon alles ohne Probleme schaffen.

Die wichtigste Frage bei Pokémon Tekken ist natürlich: Wie spielt es sich denn? Fühlen sich die Kämpfe gut an? Wie viel Tekken steckt denn wirklich im Spiel? Nun, tatsächlich bietet das Kampfsystem mehr Tiefe, als man zunächst vermutet hätte. Die Kämpfe gliedern sich dabei in zwei Phasen, zwischen denen, ausgelöst durch bestimmte Attacken, automatisch hin und her gewechselt wird. In der Feldphase können wir unser Pokémon frei in einer dreidimensionalen Arena bewegen und schleudern unseren Gegnern in erster Linie Fernangriffe um die Ohren. Die Entscheidung fällt meist in der Duellphase. Dann bewegen wir uns ganz klassisch auf einer 2D-Ebene und packen einzelne Kombos aus, die Lebensenergie des Gegners auf Null zu bringen.

Pokémon Tekken

Hier spielt Pokémon Tekken Einsteigern in die Karten: Besonders komplexe Kombos gibt es nicht, meist reichen nur zwei Tasten aus. Zu flach wird das Kampfsystem aber dennoch nicht, was am „Stere-Stein-Papier“-System liegt. Normale Standard-Angriffe können durch sogenannte Konter-Moves ausgekontert werden, diese wiederrum haben Griffen nichts entgegenzubringen. Letztere werden dann schlussendlich von den Standard-Angriffen unterbrochen. Im Laufe eines Kampfes füllen sich zudem zwei Leisten: Die Resonanzleiste und die Helferleiste. Ist erstere voll, könnt ihr in den Resonanz-Modus wechseln, in dem ihr nicht nur mehr Schaden austeilt, sondern auch euren Special-Move auspackt. Ist die Helferleiste voll, ruft ihr per Tastendruck für einen kurzen Moment ein Helfer-Pokémon bei. Zu Beginn eines Kampfes wählt ihr nämlich ein Team (bestehend aus zwei Helfern) aus, auf deren Hilfe ihr im Kampf zurückgreifen könnt. 30 Helfer-Pokémon bietet euch der Titel an, die wahlweise eure Gegner direkt angreifen, sie einfach nur „sabotieren“ (Bewegung verlangsamen beispielsweise) oder euch mit einem Stärke-Bonus belegen. Eine nette Idee, die immerhin noch ein paar Monsterchen mehr ins Spiel einbindet.

Generell machen die Kämpfe durchaus Laune, sind dynamisch und optisch ansehnlich inszeniert und bieten dank der unterschiedlichen Kämpfer genügend Abwechslung – zumindest gegen andere Spieler, denn wie bereits beschrieben ist die CPU nur ein bedingt guter Gegner. Allerdings hat das Kampfsystem auch einen Nachteil: Durch die geringe Anzahl an Kombos und vor allem deren simple Ausführung, ist Button-Smashing gerade online ein beliebtes Mittel. Apropos online: Bis auf Rangmatches und Freundschaftskämpfe bietet Pokémon Tekken nichts weiter an – etwas mau. Ähnlich sieht es beim lokalen Mehrspieler-Modus aus, wo wir uns schlussendlich nur in schnelle Matches stürzen können. Dann spielt übrigens ein Spieler auf dem Gamepad, der zweite nutzt die klassische Kombi Controller und TV. Durch die doppelte Bilddarstellung kommt die Wii U etwas ins Stocken, diverse Ruckler stören hier und da die ansonsten flüssigen Kämpfe.

Technisch ist Pokémon Tekken nämlich ganz ordentlich gelungen, gerade die Pokémon sind sehr hübsch animiert und auch die Effekte können sich sehen lassen. Zwar gibt es innerhalb der Kampfarenen keinerlei Highlights zu verzeichnen und auch die Texturen sind nicht die schärfsten, aber während der schnellen Kämpfe fällt das nicht groß auf. Auch der Soundtrack sowie die englische (oder wahlweise japanische) Sprachausgabe ist grundsolide. Angenehm kurz sind zudem die Ladezeiten. Hier könnte sich ein Street Fighter V zum Beispiel eine dicke Scheibe von abschneiden…

Pokémon Tekken

Was bleibt am Ende also zu sagen? Pokémon Tekken ist durchaus ein gelunges Beat’em Up, das sich natürlich an Fans der Taschenmonster richtet. Das Kampfsystem ist durchdacht, bietet aber auch viel Raum für Button-Smasher. In Sachen Umfang hätten wir uns allerdings mehr gewünscht. Die Spielmodi-Anzahl ist nur begrenzt und bietet wenig Abwechslung, 16 Pokémon sind nun auch nicht gerade viele Kämpfer. Dafür sind die gut ausbalanciert und abwechslungsreich. Fans können demnach einen Blick riskieren – oder sollten einfach die Demo im eShop ausprobieren.

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