Square Enix nimmt mit Bravely Second: End Layer Fans klassischer Rollenspiele ins Visier

Bravely Second: End Layer

Final Fantasy hat seit dem elften Serien-Teil eine drastische Neuausrichtung erfahren. Seit dem vierten Teil setzte die Reihe stets auf das Active Time Battle-System, das eine Evolution des traditionellen rundenbasierten Systems darstellt. Doch in neueren Final Fantasy-Spielen ist dieses System immer wieder mit stärkeren Echtzeitelementen gemischt worden, bis hin zum weitgehend reinen Action-RPG-System im kommenden Final Fantasy XV. Ein klarer Kontrapunkt zu dieser Entwicklung ist die junge Bravely-Serie. Bravely Second versucht nun erneut, Fans klassischer Final Fantasys für sich zu gewinnen.

Storymäßig setzt Bravely Second gleich hinter Bravely Default an und erzählt im Grunde genommen eine der wohl klassischsten Videospielgeschichten überhaupt. Die Päpstin Agnes wird gleich zu Beginn des Spiels entführt und der Spieler, in der Rolle von Yew, einem jungen Ritter, muss sich auf den Weg machen, die religiöse Führerin aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Das Grundkonzept der Geschichte ist geradezu altbacken, doch die Entwickle haben sich große Mühe gegeben, der Interaktion zwischen den Charakteren im Laufe der Geschichte genügend nuancierte Züge zu geben, dass das auch Spieler, die Rollenspiele vorrangig ihrer Story wegen spielen, nicht stören dürfte. Besonders die Unterhaltungen zwischen den Partymitgliedern in den abendlichen Zeltaufenthalten sorgen dafür, dass man die verschiedenen Charaktere gut kennen lernt und ins Herz schließt. Die Geschichte wird in Echtzeitvideosequenzen erzählt und sowohl von teilweiser englischer Sprachausgabe, als auch deutschen Untertiteln begleitet. In der Inszenierung erweckt Bravely Second in jedem Fall den Eindruck einer modernisierten Fassung der Super Nintendo-Final Fantasy.

Bravely Second: End LayerSpielerisch setzt Bravely Second im Wesentlichen auf zwei Elemente: Erkundung und Kampf. Der Spieler muss sich durch zahlreiche, sehr abwechslungsreich gestaltete Gebiete schlagen und kann dabei versteckte Truhen abseits des Weges entdecken, die wahlweise Gebrauchsgegenstände, Geld oder aber Ausrüstung enthalten. Wenig erstaunlich bietet Bravely Second hierbei allerdings keine nennenswerten Rätsel oder Geschicklichkeitspassagen, mechanisch betrachtet haben die Gebiete abseits der Kämpfe kaum etwas zu bieten.

Die Kämpfe sind allerdings wie bereits in Bravely Default ein echtes Highlight. Das Kampfsystem von Bravely Second ist im Grunde genommen ein traditionelles rundenbasiertes Kampfsystem, in dem der Spieler und die Computer-Gegner abwechselnd Befehle erteilen und dann gemäß der Geschwindigkeitswerte der Charaktere die zuvor gewählten Angriffe ausgeführt werden. Neben gewöhnlichen Angriffen gibt es auch die Möglichkeit, magische Angriffe im Tausch gegen Magiepunkte oder Items einzusetzen. Das besondere an dem Kampfsystem sind die Funktionen  Brave and Default. Der Spieler kann nämlich Züge einsparen, indem er die Funktionalität Default wählt und so in eine Abwehrhaltung geht. In der Abwehrhaltung nimmt der Charakter weniger Schaden und kann gleichzeitig seinen Zug für eine später Runde aufheben. Unter Einsatz der Brave-Funktion kann man seine gesparten Runden verwenden, um mehrere Angriffe in einer Runde auszuführen. Besonders interessant ist hierbei die Möglichkeit, sich sogar Runden zu leihen. Auf diese Weise kann man mehrere Angriffe in einer Runde einsetzen, muss dafür aber in späteren Runden mit Wartezeit büßen – ohne in diesem Fall auf den zusätzlichen Verteidigungseffekt der Default-Funktion hoffen zu können. Besiegt man allerdings mit seinen Angriffen alle Gegner, so muss man seinen Kredit nie zurückzahlen und startet beim nächsten Kampf wieder ohne Wartezeit.

Die Balance dieser beiden Fähigkeiten ist es, was das Kampfsystem in Bravely Second spannend macht und dem Spieler einen angenehmen Gestaltungsspielraum gibt. Besonders die Endgegnerkämpfe können hierdurch profitieren. Löblich ist auch, dass die Entwickler dem Spieler die Möglichkeit in die Hand geben, die Kampfabläufe bedeutend schneller zu gestalten und die Kampfhäufigkeit zu regulieren. So können Spieler, die es als nötig erachten, zu grinden, dies mit möglichst geringem Zeitaufwand tun, auf der anderen Seite können Spieler, die nur ungestört ein Gebiet durchqueren wollen, ihre Kampfrate verringern um so unliebsamen Kämpfen automatisch aus dem Weg zu gehen. In jedem Fall muss man allerdings eine Toleranz für Zufallskämpfe haben, denn die Gegner tauchen zufällig auf und sind vor Kampfbeginn nicht auf der Karte zu sehen.

3DS_Bravely2nd_JanRPG_SCRN_06Die Präsentation von Bravely Second ist sehr gelungen und erinnert ein wenig an die PlayStation-Teile der Final Fantasy-Reihe. Detaillierte Umgebungsgrafiken und ansehnliche Charakter-Modelle werden gepaart mit einer eingängigen musikalischen Untermalung. Auf pompöse Videosequenzen wird zwar verzichtet, dadurch wird allerdings das Klassiker-Feeling nur gestärkt. Bravely Second macht wie schon Bravely Default zuvor den Eindruck eine gelungenen Modernisierung alter Erfolgsrezepte.

Bravely Second ist ein sehr gut getimtes Rollenspiel mir variantenreichem, aber dennoch simplem Kampfsystem, das jedem Genre-Freund oder Final Fantasy-Fan nur ans Herz gelegt werden kann. Zwar ähnelt das Spiel spielerisch seinem Vorgänger schon recht stark, in Anbetracht des durchdachten Spieltempos und der komfortablen Spielbarkeit fällt das aber nicht negativ ins Gewicht.

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