Cobalt imTest: Knackiges Action-Game mit Retro-Feeling von den Minecraft-Machern

Cobalt

Mojang verbinden die meisten Spieler wohl nur mit dem Titel Minecraft. Das Sandbox-Spiel hat das Unternehmen berühmt gemacht und zählt zu den erfolgreichsten Games überhaupt. Was aber den meisten nicht bewusst ist, Mojang hat noch weitere Spiele im Angebot und tritt darüber hinaus auch als Publisher auf. Bereits vor zwei Jahren erschien das Action-Rollenspiel Scrolls und im letzten Jahr kam die erste Episode von Minecraft – Story Mode auf den Markt, das zusammen mit Telltale Games entwickelt wurde. Nun hat die schwedische Firma an nach einigen Verschiebungen das 2D-Adventure Cobalt veröffentlicht. Keine Frage, dass wir da ein Auge drauf werfen müssen. Wir erwarten zwar keinen Megaerfolg wie Minecraft, aber wer weiß.

Wer Cobalt zum ersten Mal startet, fühlt sich sogleich in die 80er Jahre zurückversetzt.  Synthesizer-Sounds und für die Zeit typische Grafiken wie eine Lasermatrix versprühen ihren ganz eigenen Charme. Das Flair bezieht sich allerdings fast nur auf das Menü. Das eigentliche Spiel hingegeben ist ein bunter Mix verschiedener Genreeinflüsse und durch das Science-Fiction Thema recht modern gehalten. Mit welchem Modus wir uns ins Geschehen stürzen, ist komplett uns überlassen. Mehrere Multiplayermodi für das lokale und weltweite Spiel stehen ebenso zur Auswahl wie eine klassische Storykampagne oder diverse Arcade-Herausforderungen. Wir haben die Qual der Wahl. Auf der Xbox One und der Xbox 360 fehlt allerdings der Map-Editor.

Starten wir mit dem Story-Modus, der übrigens auch mit zwei Spielern bestritten werden darf. So lernen wir nicht nur das Spiel kennen, sondern auch die Hintergründe und machen uns mit den verschiedenen Mechaniken vertraut. Apropos Geschichte, diese tritt nach einer kurzen Einführung so stark in den Hintergrund, dass wir abseits einiger putziger und humorvoller Gespräche mit anderen Charakteren fast sofort wieder vergessen, warum wir mit dem kleinen Roboter eigentlich unterwegs sind. Ach ja, wir sind auf einer Mission, um zu erfahren, warum eigentlich nirgendwo mehr Menschen sind, dafür aber allerlei gefährliche Roboter und andere Metallgeschöpfe umherlungern und uns das Leben schwer machen. Klingt ein wenig nach Wall-E, doch die eigentliche Motivation liegt im Gameplay des Spiels.

Cobalt

Auf den ersten Blick wirkt das Spiel wie ein weiterer Vertreter des Metroidvania-Genres. Wir bewegen uns mit dem kleinen Protagonisten durch verwinkelte Levels und müssen ein ums andere Mal auch wieder Wege zurückantreten, um hier und dort noch einige Geheimnisse zu ergründen, Fähigkeiten aufzuwerten und Gegner zu plätten. Dabei geht es ganz traditionell zu. An Wänden klettern, Doppelsprünge und natürlich der Einsatz von Waffen sind ganz oben der Manöverliste. Doch zusätzlich haben sich die Entwickler bei zahlreichen anderen Spielen inspirieren lassen. Schleicheinlagen, Bullet-Time-Effekte und streckenweise auch Mechaniken aus Beat ‘em Ups sind zu finden. D

araus resultiert im ersten Augenblick eine dezente Überforderung des Spielers, die sich aber nach einer minimalen Eingewöhnungszeit und ein wenig Übung in einen ordentlichen Flow verwandelt. Wenn man während der Bullet-Time mit Nahkampfangriffen Raketen der Gegner zurückschlägt und dabei Wandsprünge ausführt, macht das schon was her. Zusätzlich müssen jede Menge Schalterrätsel und andere Puzzles gelöst werden. Allerdings gibt es einige Stellen im Spiel, bei denen das Gameplay und die Gegneranordnung nicht mit dem Leveldesign harmonieren und es unnötig unfair und frustrierend wird. Wenn man sich daran aber nicht stört, erhält man über mehrere Stunden ein knackiges Abenteuer.

Neben der Story gibt es noch unzählige Modi, die besonders im Mehrspieler überzeugen. Wer nämlich nicht auf Punkte- und Zeitjagd gehen oder gegen Wellen von Gegnern im Arcademodus antreten möchte, der gibt sich den hektischen Overkill in anderen actionreichen Spielarten. Es gibt das klassische Deathmatch für bis zu acht Spieler sowie eine 2D-Variante des populären Capture-the-Flag. Uns hat allerdings noch ein weiterer Modus sehr begeistert. In Plug Jam geht es zu wie in Rocket League, nur halt in 2D. Der Spielball, in diesem Fall ein Stecker, muss mit aller Gewalt in die gegnerische Zielzone bugsiert werden. Das artet nicht nur in einem irrwitzigen Schlagabtausch aus, es ist auch enorm kurzweilig. Schade nur, dass es streckenweise ziemlich lange dauert, bis man online ein paar Mitstreiter gefunden hat, wenn man überhaupt welche findet.

Cobalt

Cobalt kann mit einer Vielzahl schicker Effekte und liebevollen Animationen sowie einer ansprechende Physikengine überzeugen. Schade nur, dass es einige Stellen im Spiel gibt, die definitiv etwas mehr Feinschliff vertragen hätten. Inhaltlich kann der Titel nämlich voll überzeugen. Eine moderat lange Kampagne für bis zu zwei Spieler, zahlreiche Herausforderungen im Arcademodus und kurzweilige Mehrspielermodi fesseln über längere Zeit. Da schmerzen die missglückten Design-Entscheidungen umso mehr. Wer darüber hinwegsehen kann, der kriegt einen knackigen Metroidvania-Ableger mit interessanten Gamplaymechaniken serviert. Wer das Genre mag, sollte sich davon nicht beeindrucken lassen.

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