Deadpool: Ein Spiel zwischen Genie und Wahnsinn

Deadpool

Comic-Helden sind in Mode, sei es durch eine Verfilmung oder ein Videospiel. Seit gut mehr als zehn Jahren erleben die Helden mit dem gezeichneten Ursprung eine Renaissance. Dabei treten auch immer mehr, vor allem in Deutschland, unbekanntere Protagonisten ins Rampenlicht. Einer von ihnen ist Deadpool. Die rote Comic-Ikone ist eigentlich mehr ein Antagonist als der klassische Held, wie wir ihn beispielsweise in Form von Spider-Man oder Superman kennen. Deadpool hatte seinen ersten Auftritt 1991 und gehört damit auch eher zu den jüngeren Vertretern seiner Zunft. Bei uns war der ehemalige Söldner bis vor kurzem eher unbekannt in der breiten Masse. Spätestens seitdem Ryan Reynolds aber als Hauptrolle für die nun anstehende Comic-Verfilmung bekanntgegeben wurde, stieg hierzulande das Interesse; nicht zuletzt dank einer gelungenen Marketing-Offensive. Ein offizielles Spiel zum Film gibt es dennoch nicht, daher hat Activision das knapp drei Jahre alte Spiel für die aktuellen Konsolen von Sony und Microsoft neu aufgelegt und Ende letzten Jahres veröffentlicht.

Deadpool hat wie viele Marvel-Figuren keine blütenreine Weste. Im Gegenteil, er ist eine gespaltene Persönlichkeit mit dem Hang zum Größenwahn und der Fähigkeit, die vierte Wand zu durchbrechen. Er ist sich nämlich bewusst, dass er nur eine Comic-Figur ist. Nach seiner Söldner-Karriere wurden vielfältige Experimente durchgeführt, die ihm eine übernatürliche Regenerationskraft bescherten. Zudem kann er sich mittels eines tragbaren Geräts teleportieren und er verfügt über erstklassige Schieß- und Schwertkampfkünste. Nur mit dem Geld hat er es nicht so, daher verdient er sich seinen Lebensunterhalt mit den verschiedensten Aufträgen. So stolpern wir auch mit ihm in das eigentliche Abenteuer. Eigentlich ist geplant, dass Entwickler High Moon Studios ein Spiel mit ihm machen soll, aber bis dahin muss irgendwo Kohle in die Kasse kommen. Da trifft es sich ganz gut, dass es an der Tür des heruntergekommenen Apartments klingelt und schon sind wir mittendrin.

Die Entwickler halten sich nicht mit großen Erklärungen oder einer imposanten Einführung auf. Viel mehr geben sie uns die Möglichkeit, das Spiel selbst kennen zu lernen und zwar auf Deadpools unvergleichliche Art und Weise. Bevor nämlich die Action ansteht, vertreiben wir uns die Zeit in der Behausung mit Kochen, Toilettengängen oder Luftgitarrensolos, selbstverständlich alles zynisch, vulgär und selbstverliebt vom Helden kommentiert und das zieht sich durch das gesamte Spiel. Egal, welche Aktion wir ausführen oder was auch sonst passiert, Deadpool hat immer einen nicht ganz jugendfreien Kommentar auf den Lippen. Dabei wird schnell klar, dass sich die Entwickler selbst nicht so ernst nehmen und nicht nur sich, sondern Teile der gesamten Popkultur durch den Kakao ziehen. Gepaart mit der Fähigkeit, direkt mit dem Spieler zu kommunizieren, ergibt sich ein herrlich skurriles Gesamtbild

Deadpool

Im Kern ist Deadpool ein Actiongame ohne großen Schnickschnack. Heruntergebrochen auf die Essenz der Spielmechanik geht es zu 90 Prozent darum, Gegner zu plätten, Schalter umzulegen und die eine oder andere Geschicklichkeitspassage zu absolvieren. Ein paar Überraschungen gibt es, aber diese sind sehr kurz und werden von uns nicht verraten. Während der Kampfhandlungen können wir auf zwei Techniken zurückgreifen. Entweder ballern wir den bösen Buben ordentlich Blei um die Ohren oder wir zerteilen sie mit unseren Schwertern.

Egal, für welche Option wir uns entscheiden, es wird blutig. Zudem kann sich Deadpool teleportieren und Granaten werfen. Das Zusammenspiel dieser vier Komponenten hätte mit den vielen erlernbaren Combos ein abwechslungsreiches Kampfsystem werden können. Dem machen aber die Steuerung und streckenweise auch die Kamera einen Strich durch die Rechnung, besonders auf den Konsolen der vergangenen Generation. Während Deadpool selbst gern mal an Kanten und Ecken hängen bleibt, kommt die Kamera bei den zahlreichen Teleportierungen überhaupt nicht mehr mit. Ebenfalls etwas unbefriedigend ist die Länge des Spiels. Nach sieben Kapiteln oder umgerechnet 4-5 Stunden ist schon Schluss. Da kann auch der kurzweilige Challengemodus nichts mehr retten, bei dem wir in aus dem Hauptspiel bekannten Umgebungen Wellen von Gegnern ausradieren, um Medaillen abzustauben.

Technisch macht Deadpool eine ordentliche Figur. Der Held bewegt sich geschmeidig durch die unterschiedlichen Umgebungen und kann streckenweise mit aberwitzigen und bewusst lächerlichen Animationen punkten, eben genau wie Deadpool sein sollte. Leider kranken manche Umgebungen etwas an Detailarmut, was die Entwickler versucht haben, durch verschiedene grafische Effekte wie Unschärfe zu kaschieren. Bei der englischen Sprachausgabe ist Activision und High Moon Studios mit Nolan North ein Glücksgriff gelungen. Er verkörpert den Helden glaubwürdig und bisweilen hatten wir das Gefühl, dass der Stimmenleiher selbst nicht ganz sauber tickt. Da verschmerzen wir es gerne, nicht Ryan Reynolds zu hören.

Deadpool

Im Prinzip fehlen Deadpool nur zwei Dinge: ein wenig mehr Abwechslung und ein bisschen mehr Feinschliff. Hätten die Entwickler beispielsweise etwas mehr Augenmerk auf die Steuerung und die Kameraführung gelegt, hätte der Titel ein Geheimtipp werden können. So knirscht es an manchen Ecken und Enden ein wenig. Dank der gelungenen Präsentation ist das im eigentlichen Spielverlauf aber zu verschmerzen. Wer auf Comic-Versoftungen steht, kann gerne einen Blick riskieren. Außerdem rockt Deadpool, weil er einfach anders ist als der sonst übliche Superheldenbrei.

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