Mario & Luigi: Paper Jam Bros: Ein gelungener Mix? Zwei Redakteure diskutieren

Mario & Luigi: Paper Jam Bros.

Mario ist ein umtriebiger Geselle, das ist nicht erst seit kurzem bekannt. Er betätigt sich in verschiedenen Sportarten, rettet alle Nase lang die Prinzessin und schmeißt rauschende Partys. Außerdem ist er eines der Aushängeschilder Nintendos. Das würde schon für andere Charaktere genügend Arbeit bedeuten, aber der tapfere Italiener wird einfach nicht müde. Nintendo und Entwickler Alphadream haben sich daher in diesem Jahr etwas anderes überlegt, wie sie den dicklichen Protagonisten durch die virtuelle Welt schicken können. Die beiden Rollenspielreihen Paper Mario und Mario & Luigi werden im neuesten Abenteuer miteinander vermischt. Doch funktioniert dieser Mix aus zwei vollkommen verschiedenen Spielereihen? Das haben wir uns auch gefragt und uns aus gegebenem Anlass nicht nur allein, sondern gleich zu zweit an das Spiel mit dem doppelten Mario gewagt.

Frischer Wind durch Papier?

Sebastian:
Mario & Luigi: Paper Jam Bros. klärt endlich die Frage in der Super Mario-Kontinuität, die sich bestimmt schon einige Fans gestellt haben: Wieso ist Mario in Paper Mario-Spielen flach und in Mario & Luigi-Spielen rund? Ganz klar: Weil Papier Mario aus einem buchförmigen Paralleluniversum stammt. Die Geschichte in Mario & Luigi: Paper Jam Bros. wird durch den Gastauftritt Papier Marios sicherlich nicht wesentlich geistreicher, allerdings hat das Papierkonzept einige interessante Folgen für das Gameplay im Handgepäck. In der Oberwelt kann Papier Mario durch enge Schlitze schlüpfen und die Sprungpassagen verlangen nun noch etwas mehr Fingerfertigkeit, muss man doch drei Spielcharaktere über die Löcher manövrieren. Dies sind jedoch eher Kleinigkeiten, wesentlich stärker profitiert das Kampfsystem. Wie gehabt sind die rundenbasierten Kämpfe nämlich mit Action-Kommandos aufgepeppt. Papier Mario bringt nun seine eigenen Action-Kommandos mit sich, die sich von denen der beiden Brüder unterscheiden und verlangt dadurch vom Spieler, flexibler auszuweichen und anzugreifen, um in den Kämpfen zu bestehen. So wird der Spieler ein wenig aus dem Tritt gebracht und die Kämpfe spannender gestaltet.

Nico:
Mario & Luigi: Paper Jam Bros.Mashups sind in der Videospielwelt noch nicht so ausgeprägt wie beispielsweise in der Musik oder bei Comics. Nintendo und Alphadream betreten zwar kein Neuland damit, aber die Kombination zweier bekannter Spielereihen bringt dennoch Ungewohntes und Neues mit sich. Wie Sebastian schon recht treffend auf den Punkt gebracht hat, wird das gesamte Gameplay in der Spielwelt durch die zusätzlichen Fähigkeiten, die Paper Mario mit sich bringt, deutlich aufgepeppt. Das Konzept eine Spielfigur auf Papier basieren zu lassen, birgt weitere Komponenten von Spielmechaniken, die mit den beiden sonst üblichen Protagonisten nicht möglich gewesen wären. Gleichzeitig verlangt das Gameplay gerade in den Sprungpassagen dem Spieler dadurch aber deutlich mehr Fingerfertigkeit ab. Mehrere doppelt belegte Buttons, deren Funktionen über den Touchscreen geändert werden, erfordern doch eine gewisse Eingewöhnungszeit und reißen Spieler ohne Übung am Anfang immer wieder etwas aus dem Spielfluss. Kommt es hingegen zu Kämpfen mit Gumbas, Koopas und anderen Gegnern darf man sich über neue und interessante Angriffsmöglichkeiten freuen. Hier werden munter Attacken aus der Paper Mario Reihe und Mario & Luigi miteinander kombiniert und das auch gern mal in ungewöhnlich großer Form.

 

Die Welt und ihre Aufgaben

Sebastian:
Ein kritischer Aspekt eines jeden Rollenspiels ist sicherlich das Weltendesign. Gerade nach Xenoblade Chronicles X, das vor allem durch extreme Größe, dafür aber geringer Interaktivität brillieren möchte, fällt da Mario & Luigi: Paper Jam Bros. positiv auf. Die Spielwelt ist nämlich bedeutend mehr als eine Kulisse für Kämpfe – auch wenn es derer gewiss genügend gibt – sondern bietet dem Spieler reichlich verschiedene Interaktionsformen. Sammelfreudige Spieler können versuchen, in jedem Abschnitt alle Fragezeichenblöcke zu finden, in denen sich Sammelgegenstände oder Münzen befinden können, gelegentliche Suchaufgaben laden zur Erkundung ein. In jedem Abschnitt muss man eine Reihe von Papier Toads finden, die Mario und Luigi dann bei den Echtzeit-Riesenkämpfen mit neuen Pappkameraden unter die Arme greifen. Glücklicherweise hat Alphadream aber rechtzeitig angefangen, die Toad-Aufgaben zu variieren, bevor diese langweilig wurden, statt einfach nur das Gebiet zu durchsuchen, muss man später auch verschiedene unterhaltsame Minispiele wie beispielsweise ein Knobelspiel spielen, um die Papier Toads zu befreien. Weiterhin gibt es eine Reihe von Plattform-Sequenzen, die die Geschicklichkeit und vor allem den Umgang mit allen drei Brüdern auf die Probe stellen, sowie immer wieder ein kleines Rätsel. Die Rätsel nutzen das durch Papier Mario kräftig aufgewirbelte Bewegungs-Repertoire, das wie gewohnt im Laufe des Spiels stets erweitert wird. Mario & Luigi: Paper Jam Bros. gelingt es durch sein abwechslungsreiches und verspieltes Weltendesign, den leider in vielen RPGs, wie zuletzt beispielsweise in Xenoblade Chronicles X oder Dragon Age Inquisition, entstehenden Eindruck, eine Checkliste von Botengängen abzuarbeiten, zu vermeiden. Stattdessen ist die Welt funktional, interaktiv und dadurch spielerisch gehaltvoll. Durch das bedeutend bessere Pacing, insbesondere die Abschaffung verpflichtender Tutorials und weniger gesprächige Helfer, fühlt der Spieler sich auch nicht mehr so sehr an die Hand genommen wie in Dream Team Bros., sondern kann schon früh voll in das Spiel einsteigen.

Nico:
Mario & Luigi: Paper Jam Bros.Die Welt von Mario & Luigi: Paper Jam Bros. ist aufgebaut wie man es von einem typischen Spiel mit dem Klempner erwartet. Während des Abenteuers erkundet der Spieler eine wüstenartige Umgebung, verschneite Gipfel und Eisplattformen und grüne Ebenen genauso wie Bowsers Schloss. Es sind also alle Elemente vorhanden, die auch in klassischen Jump‘n’Runs zu finden sind. Nur das Erforschen läuft in typischer Rollenspielart ab. Wie Sebastian dabei schon goldrichtig herausgearbeitet hat, besticht die Oberwelt von Mario & Luigi: Paper Jam Bros. dabei nicht nur als Kulisse für die Kämpfe gegen zahlreiche Gegner, es gibt auch an allen Ecken und Enden etwas zu entdecken, zu erledigen oder einzusammeln. Allerdings hätten es ein paar mehr Minispiele gerade beim Suchen der Papier Toads sein dürfen. Dafür überzeugen besonders die Rätsel, in denen das Papierkonzept für frischen Wind sorgt und auch die Sprungpassagen mit drei Charakteren begeistern, wenn auch die Steuerung ein ums andere Mal ein paar akrobatische Fingerfertigkeiten bedingt.

Eine Prise Humor darf nicht fehlen

Nico:
Ein Element, was beide Spielreihen seit jeher auszeichnet, ist der feinsinnige Humor und die liebevoll gestalteten Texte. Das ist auch bei Mario & Luigi: Paper Jam Bros. nicht anders. Zwar ist der Humor über große Strecken auf Kinder zugeschnitten, aber auch ältere Gamer werden sich an den meist kurzen Texten erfreuen und mitunter schmunzeln. Aber Nintendo wäre nicht Nintendo, wenn es nicht von Zeit zu Zeit auch versteckte Querverweise auf andere Spiele geben würde. Außerdem wird der Humor und die Komik noch durch eine weitere Komponente transportiert und das sind die liebevollen Animationen aller Charaktere. Sei es nun, wie Gegner eins auf die Mütze kriegen oder Mario, Luigi und Paper Mario sich in der Welt bewegen. Da steckt auch schon mal ein Charakter ungelenk im Sand oder kriegt eins vor den Latz geknallt. Das sieht nicht nur witzig aus, sondern wurde durch zahlreiche verschiedene Animationen in Szene gesetzt. Gepaart mit typischen Ausrufen der drei Protagonisten erzeugt Alphadream eine stimmungsvolle Atmosphäre, von der man gerne mehr genießen will. Durch die Hinzunahme von Paper Mario ergeben sich darüber hinaus ganz neue kuriose Situationen. Wer aus Papier besteht, kann die irrwitzigsten Positionen einnehmen und das lockert die Stimmung zusätzlich.

Sebastian:
Mario & Luigi: Paper Jam Bros.Wie Nico sehe auch ich den Humor als eines der besonderen Merkmale der Mario Rollenspielreihen. Über die Texte, aber insbesondere im Falle der stummen Hauptcharaktere auch über die niedlichen Animationen wird eine Menge Witz und Charme ausgestrahlt und der Spieler immer wieder zum Lachen eingeladen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht dieses Mal das Zusammentreffen der Mario-Charaktere mit ihren Papier-Gegenstücken, die abgesehen von optischen Unterschieden ihren Originalen zum Verwechseln ähnlich sind. Wenn Bowser Junior mit seinem Papier-Gegenstück fraternisiert oder Bowser mit seinem flachen Klon um die Entscheidungsgewalt und den Platz im Rampenlicht buhlt, bietet Mario & Luigi: Paper Jam Bros. eine ganze Menge toller Lacher, die das aktuelle Mario-Rollenspiel aus der Masse der Rollenspiele hervorstechen lässt.

Fazit:

Sebastian:
Mario & Luigi: Paper Jam Bros. hat die Kritiken am vierten Teil Dream Team Bros. konsequent aufgearbeitet und ist nun wieder ein schnelles Rollenspiel ohne nennenswerte Durststrecken, das immer wieder mit frischen Ideen aufwarten kann. Das abwechslungsreiche Weltendesign, der markante Humor und das spannende Kampfsystem sorgen dafür, dass die Spielzeit wie im Flug vergeht und Mario & Luigi: Paper Jam Bros. besonders in Sachen Interaktivität positiv im Rollenspielgenre hervorsticht. Egal ob Rollenspieler oder Mario-Fan, Mario & Luigi: Paper Jam Bros. wird kaum ein Spieler bereuen.

Nico:
Mario & Luigi Paper Jam Bros. ist ein kurzweiliges Rollenspiel, das gekonnt zwei verschiedene Reihen miteinander kombiniert. Die Spielmechaniken, die durch Paper Mario hinzugefügt werden, bereichern den Titel enorm, ohne jedoch zu überladen. Den Entwicklern ist es gelungen, die Essenzen beider Marken zu erhalten. Lediglich die anfangs etwas gewöhnungsbedürftige Steuerung stört das Gesamtbild ein wenig. In der kompletten Betrachtung fällt dieses Manko aber kaum auf, denn Mario & Luigi Paper Jam Bros. besticht durch Spielwitz, Humor und genügend Abwechslung, um bis zum Schluss zu motivieren.

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