Mit Xenoblade Chronicles X können auch Besitzer einer Wii U unendliche Weiten erkunden

Xenoblade Chronicles X

Nintendo und Monolithsoft wollen euch in diesem Winter mit einem wahrhaft umfangreichen Spielpaket vor den Fernseher fesseln. Xenoblade Chronicles X verspricht um die 100 Stunden eures Lebens zu füllen, eine stattliche Zahl. Doch ist diese Zeit in Xenoblade Chronicles X für Wii U gut investiert, oder enttäuscht das ambitionierte Rollenspiel im Test?

Xenoblade Chronicles X lädt den Spieler ein in eine ungastliche Zukunft. Die Erde wurde zerstört und die Menschen sind auf ihrer Flucht mit einer Hand voll Stasis-Kapseln – hier Lebenskapseln genannt – auf einem Planeten voll bedrohlichem Wildleben gestrandet. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Charakters, der wahlweise aus einem Satz vorgefertigter Modelle gewählt oder selbst zu Beginn des Spiels erstellt werden kann und im Spiel vollkommen stumm ist. Obwohl man sich an seine Vergangenheit nicht erinnert, wird man nach dem Auffinden in der Wildnis schnell dem Militär, Blade genannt, zugeordnet und darf seine Kampfkunst in der weitläufigen Welt von Xenoblade Chronicles X unter Beweis stellen.

Die Geschichte des Spiels wird Ausschnittweise mit vorgerenderten Sequenzen oder aber in Echtzeit mit englischer Sprachausgabe und deutschen Untertiteln erzählt. Nebengeschichten, die zu den unzähligen Sidequests des Spiels gehören, werden durchaus auch mal still erzählt. Grundsätzlich still ist übrigens der Spieler-Charakter. Abgesehen von gelegentlichen Wahlmöglichkeiten aus zwei möglichen Reaktionen, die nach der Wahl aber auch nicht explizit gezeigt werden, interagiert der Hauptcharakter nicht sichtbar mit seinen Mitmenschen. Anders als Link aus der Zelda-Reihe – dem wohl bekanntesten stillen Protagonisten aus einer Nintendo-Reihe – wirkt der Hauptcharakter von Xenoblade Chronicles X sehr unnatürlich, da selbst einfache Ja- oder Nein-Antworten nicht mit einer Geste begleitet werden.

Xenoblade Chronicles X

Spielerisch setzt Xenoblade Chronicles X voll auf seine ausschweifend, beinahe erschlagend große Spielwelt. Diese Spielwelt vollständig zu durchstöbern kann alleine unzählige Stunden in Anspruch nehmen. Sehr gut aufgefallen ist im Test die reichhaltige Fauna des Spiels, denn Xenoblade Chronicles X bietet eine Vielzahl unterschiedlicher Kreaturen, die zwar größtenteils an real existierenden, oder jedenfalls ausgestorbenen Tieren orientiert sind, die jeweils mit eigenen Verhaltensweisen aufwarten können. Es macht schon eine Menge Spaß, wenn man zwischen Schweinen und Fledermäusen auch gigantische Dinosaurier, die offensichtlich einem Diplodocus nachempfunden sind, findet.

Die gigantischen Tiere sind glücklicherweise ziemlich friedlich, möchte man sie dennoch bekämpfen, sollte man aber erst einmal eine Menge Spielzeit aufsummieren, bevor man in die gleichfalls gigantischen Mechs einsteigen kann und überhaupt eine Chance erhält, im Kampf gegen die hochgelevelten und hochgeschossenen Gegner zu bestehen. Die Mischung aus schwächeren kleineren Gegnern und riesigen Kreaturen, die im Ernstfall über mindestens 20 Stunden hinweg den Spieler mit nur einem Schlag töten könnten, geben Xenoblade Chronicles X ein gewisses Wildlife-Feeling, das zu den klaren Höhepunkten des Spiels gehört.

Leider ist die Erkundung der Tierwelt aber auch recht kulissenhaft. Als Diplodocus-Liebhaber habe ich mich beispielsweise in der Testphase einmal für 24 Stunden neben einen Diplodocus gestellt, der an einem See nahe der Hauptstadt des Spiels getrunken hat. Leider scheint Monolithsoft aber keine Tagesrhythmen für seine Tiere vorgesehen zu haben, denn das Tier hat eine enorme Trinkfestigkeit bewiesen und hat Tag und Nacht beharrlich durchgetrunken. Andere Tiere poppen nachts einfach auf. Auch besiegte Gegner poppen frech neben dem Spieler nach einiger Zeit wieder auf. Leider schafft es Xenoblade Chronicles X dadurch im Ergebnis nicht, einen konsistenten Eindruck zu erwecken.

Xenoblade Chronicles X

Doch in Xenoblade Chronicles X erkundet man natürlich nicht nur seine Umgebung, sondern muss in den zahlreichen Missionen vor allem auch sein kämpferisches Geschick unter Beweis stellen. In einem Team von bis zu vier Charakteren kann man sich dem Kampf sowohl gegen wildlebende Kreaturen, als auch gegen intelligente Gegenspieler stellen. Dabei kann man selbst zwischen einem Fern- und einem Nahkampfangriff wechseln, der allerdings im Kampf automatisch ausgeführt wird. Die übrigen Teammitglieder agieren autonom und kämpfen durchaus passabel. Ist man mal mit dem Standardvorgehen seiner Mitstreiter nicht zufrieden, kann man mit speziellen Befehlen aus dem Menü aber auch eine bestimmte Vorgehensweise erzwingen. Wer bereits den Vorgänger Xenoblade Chronicles gespielt hat, wird sich hier gleich wie zu Hause fühlen. Grundsätzlich ist das Kampfsystem durchaus unterhaltsam, etwas gewöhnungsbedürftig ist allerdings die Kollisionsabfrage im Spiel, respektive der Verzicht auf eine Kollisionsabfrage. Möchte man im Nahkampf kämpfen, kann man sich oft einfach mitten in den Gegner hineinstellen.

Die Missionen im Spiel sind typische Open World-Rollenspielkost und fallen somit grundsätzlich in zwei verschiedene Kategorien: Botenjobs, in denen man einem Charakter eine gewisse Anzahl von Ressourcen bringen sollen, sowie Zielpunkt-Missionen, in denen man einen gewissen Punkt auf der Karte erreichen und ggf. dort einen oder mehr Gegner besiegen soll.

In den Storymissionen werden diese Grundtypen mit einer netten, aber nicht herausragenden Geschichte motiviert und zudem in mehrere Phasen unterteilt, die zudem bisweilen auch interessantere Wegpunkte zum Inhalt haben, die nicht durch einfaches Verfolgen des GPS-Pfeils auf der Karte erreicht werden können. Die Nebenmissionen hingegen sind sehr schematisch und austauschbar. Hier wäre definitiv deutlich mehr drin gewesen, zumal die Entwickler konsequent auf Rätsel und umfangreichere Höhlen verzichten. Immerhin wird durch die verschiedenen Gebiete, die auch insbesondere eine unterschiedliche Pflanzenwelt zu bieten haben und dadurch sehr unterschiedlich aussehen, für Abwechslung gesorgt.

Xenoblade Chronicles X

Technisch ist Xenoblade Chronicles X ziemlich beeindruckend. Abgesehen von den – bisweilen heftigen – Pop-Ups läuft das Spiel absolut flüssig, bietet gut aufgelöste und sehr ansehnliche Texturen und vor allem die Tier-Modelle können absolut überzeugen. Hingegen muss die bockige Kamera und der Sprung, der tatsächlich öfter verwendet werden muss, als man denkt, aber frappierend an LittleBigPlanets kaum zumutbaren Sprung erinnert, klar kritisiert werden. Die Musik schwankt qualitativ stark, ist aber insgesamt gelungen.

Xenoblade Chronicles X ist ein enorm umfangreiches Rollenspiel, das vor allem Spieler glücklich machen dürfte, die eine imposant aussehende Welt durchstreifen und unzählige unterschiedliche Gegner-Typen mit einem unterhaltsamen Kampfsystem aufs Korn nehmen wollen. Die leider eher einfallslosen Missionen, besonders wenn es sich um Nebenmissionen handelt, und der geringe Grad an unmittelbarer Interaktivität der Umgebung stoßen hingegen sauer auf und lassen nur darauf hoffen, dass sich Nintendo beim neuen Zelda-Spiel, das ebenfalls auf eine große offene Welt setzt, der Tugend der hohen Interaktivität und Nützlichkeit der Umgebung wieder erinnert.

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