Bietet Minecraft genug Tiefe für eine Geschichte von Telltale?

Minecraft Story Mode

Minecraft hat mit seiner Kombination aus Kreativität, Unberechenbarkeit und eigentümlichem Stil die Herzen unzähliger besonders junger Spieler für sich gewinnen können. Telltale und Microsoft wollen nun mit Minecraft den nächsten Schritt wagen und Spieler des Open World-Spiels an die wohl engste Progressionsart eines Spiels überhaupt gewöhnen: Die episodischen storyorientierten Adventures, die mit The Walking Dead ihren Anfang genommen haben.

Telltale hat sich mit Minecraft Story Mode eine besondere Herausforderung unter den möglichen Lizenzspielen gesucht, denn anders als die bisherigen Vorlagen ist Minecraft bislang nicht eben mit ausschweifender Geschichtenerzählung in Erscheinung getreten. Im Gegenteil, Story sucht man in Minecraft völlig vergebens, so dass die Schreiber sich eine komplett eigene Geschichte haben einfallen müssen. In Minecraft Story Mode schlüpft man die Rolle von Jesse, dem Hauptcharakter, der wahlweise männlich oder weiblich sein kann.

Da die Standardauswahl beim Spielstart weiblich ist, wird Jesse im Verlauf dieses Artikels mit weiblichen Pronomen versehen. Jesse und ihre Freunde – sowohl menschliche, als auch ein recht amüsantes Schwein namens Rueben – wollen sich eigentlich nur bei einem Bauwettbewerb gegen eine rivalisierende Gruppe behaupten, geraten aber schnell in eine äußerst gefährliche Situation, die unzählige Menschen in Gefahr bringt und nur durch wahrhaft heldenhafte Handlungen bereinigt werden kann.

Minecraft: Story Mode

Die Geschichte wird in fünf Episoden erzählt, wobei die Disc nur die erste Episode enthält. Die übrigen vier Episoden müssen nachträglich per Download hinzugefügt werden. Grund hierfür ist, dass noch nicht alle Episoden fertiggestellt sind, die Disc also auch nicht das komplette Spiel enthalten kann. Microsoft hat den Wert des Weihnachtsgeschäfts offenbar so hoch eingeschätzt, dass verärgerte Kunden, die nur ein unvollständiges Spiel auf Disc erstehen können, für den US-Konzern das geringere Übel darstellen.

Im Mittelpunkt der Spielerfahrung steht wieder einmal klar die Geschichte, die vorrangig in Echtzeitsequenzen erzählt wird und den Großteil der Spielzeit einnimmt. Wie gehabt kann man durch Quick Time Events in die Handlung eingreifen – teilweise optional, teilweise verpflichtend, wenn man im Spiel erfolgreich sein möchte. Zusätzlich kann man in Konversationen unter Zeitdruck per Knopfdruck Reaktionen aus einer Auswahl von vorgefertigten Antworten auswählen.

Die gewählten Antworten werden gespeichert und wirken sich auf spätere Gespräche, wie gewohnt aber nicht auf den grundlegenden Verlauf der Geschichte aus. Bisweilen geben die verschiedenen Wahlmöglichkeiten sogar nur der direkt nachfolgenden Konversation einen leicht anderen Anstrich, bevor die Geschichte wieder in den exakt gleichen Bahnen wie in der Alternativfassung verläuft.

Minecraft: Story Mode

Diese Form der Geschichtenerzählung hat Telltale mittlerweile mit unzähligen Spielen erfolgreich erprobt und funktioniert auch nach wie vor ordentlich, allerdings ist Minecraft Story Mode nun erstmals in der schwierigen Lage, gegen Life is Strange antreten zu müssen, dass vollkommen ohne Quick Time Events auskommt und dem Spieler bedeutsamere Interaktivität gibt. Im direkten Vergleich wirkt Telltales Ansatz leider ein wenig altbacken. Minecraft-Fans werden in Minecraft Story Mode auf jeden Fall eine ungewöhnliche Erfahrung haben, denn auf der einen Seite wurde die Marke gut genutzt, die gesamte Spielwelt erstrahlt im Block-Look des Download-Hitspiels, die Geschichte wirkt sehr passend und leicht, gelegentlich werden Spielmechaniken der Vorlage storyseitig aufs Korn genommen und hin und wieder muss man sogar tatsächlich (einfache, fest vorgegebene) Dinge zusammenbauen.

Auf der anderen Seite jedoch verläuft Minecraft Story Mode genretypisch, dafür völlig serienuntypisch auf sehr strikten Schienen, der Spieler hat keine Möglichkeit, seine Umgebung zu erkunden oder seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Es bleibt abzuwarten, wie Minecraft-Fans diese doch deutliche Varianz aufnehmen werden.

Abschließend ist zu sagen, dass Minecraft Story Mode eine, besonders durch das Schwein Rueben, oft lustige, aber nicht sonderlich tiefgreifende Geschichte erzählt und die junge Zielgruppe der Minecraft-Fanchise durchaus zufrieden stellen können sollte. Spielerisch wäre, wie der Blick auf die Konkurrenz aus dem Hause Dontnod verrät, aber durchaus wesentlich mehr drin.

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