Aus Fehlern lernen: Wie Ubisoft den Ruf seiner Vorzeigemarke durch spielerischen Fortschritt und technischen Rückschritt rettet

Im vergangenen Jahr stand Ubisoft auf Grund seines aktuellen Assassin’s Creed Ablegers mit dem Titel Unity arg unter Beschuss. Bereits lange vor Erscheinen haben sich einige Spieler sehr daran gestört, dass man im Multiplayer-orientierten Titel nur mit männlichen Protagonisten spielen kann, nach dem Launch des Spiels standen die instabile Performance und die unzähligen hauptsächlich kleineren, gelegentlich aber auch größeren Bugs im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Wie kaum ein anderer Spielehersteller zuvor zeigt sich Ubisoft in diesem Jahr reumütig und versucht, die Kritiker des Vorjahres mit Assassin’s Creed Syndicate zu besänftigen.

In Assassin’s Creed Syndicate setzt Ubisoft erstmals auf ein Duo von Protagonisten zwischen denen man auch die meiste Zeit frei wechseln kann. Nur einige Missionen sind auf einen der beiden Charaktere beschränkt. Beide Charaktere spielen sich ähnlich und unterscheiden sich vorrangig in Nuancen, was sicherstellt, dass kein Spieler den Eindruck gewinnen dürfte, dass Evie eine minderwertige Meuchelmörderin sei. So dürften Kritiker des Vorjahres, die trotz Assassin’s Creed 3 Liberation eine unfaire Behandlung weiblichen Spielern gegenüber witterten, in diesem Jahr hoch zufrieden sein. Gleichzeitig dürften alle Spieler, die vom Gendering in Videospielen nichts halten, durch die Änderung weitgehend unberührt bleiben.

Bedenkt man, dass Assassin’s Creed Spiele zwar im Jahresrhythmus erscheinen, allerdings stets schon lange parallel zu ihren Vorgängern in Entwicklung sind, ist es beeindruckend, wie schnell Ubisoft auf diese Kritik auf eine Weise reagieren konnte, die Unzufriedenheit in allen Lagern – außer vielleicht den Story-Schreibern, die sicherlich die eine oder andere Überstunde schieben durften – vorbeugt. Ein größeres Risiko ist Ubisoft Quebec allerdings bei dem zweiten – und für viele sicher gewichtigeren – Kritikpunkt eingegangen. Assassin’s Creed Unity war von Bugs und Performance-Problemen geplagt, die vielen Spielern den Spaß am Spie geraubt haben und schließlich sogar eine kostenfreie Verfügbarkeit des Download-Inhalts zur Folge hatte. Auch in dieser Sache hat Ubisoft schnell reagiert.

Assassin’s Creed Syndicate

Assassin’s Creed Syndicate ist zwar nicht komplett makellos, typische Open World-Schwierigkeiten gerade in der KI von Statisten lassen sich mit etwas Zeitaufwand immer noch ausmachen. Allerdings ist die Bildwiederholrate erstaunlich stabil – so stabil, wie noch bei keinem Assassin’s Creed, lässt man die Launch-Ports des vierten Teils außer Acht. Diese neu gewonnene optische Stabilität kommt natürlich dem Gameplay merklich zu gute, denn plötzliche Framerate-Einbrüche können durchaus fatal für den spielerischen Erfolg wirken.

Allerdings kommt sie auch mit einem gewissen Preis daher. Hält man Screenshots von Assassin’s Creed Unity und Assassin’s Creed Syndicate nebeneinander, so könnte man den Eindruck gewinnen, dass Unity das neuere Spiel ist, da vor allem in Sachen Population der Städte, aber auch in Sachen visuelle Effekt ein Gang zurückgeschaltet wurde. Schon auf der Gamescom konnten wir diese Änderung bemerken, im finalen Spiel hat sich daran nichts geändert. In Anbetracht dessen, dass AAA-Spiele-Entwickler gerne mit immer neuen grafischen Höchstleistungen prahlen, ist es erstaunlich, aber auch äußerst löblich, dass Ubisoft den Mut zu diesem Schritt aufgebracht hat.

Nach Assassin’s Creed Unity hat Ubisoft viel Vertrauen der Spieler verspielt. Syndicate zeigt allerdings in diesem Jahr, dass es dem französischen Publisher ernst damit ist, den Ruf der Vorzeigemarke, sowie seinen eigenen, zu restaurieren. Eine schnelle und bisweilen aus Marketingsicht sicherlich schmerzhafte Reaktion auf Kritik dürfte Ubisoft viel guten Willen einbringen und eine positivere Mundpropaganda zur Folge haben. Hoffen wir, dass Ubisoft auch dauerhaft aus seinen Fehlern, besonders in Sachen unzureichend getesteter Spiele gelernt hat.

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