Life is Strange schickt euch auf eine verrückte Zeitreise im Episoden-Format

Mit The Walking Dead hat Telltale episodisch erzählte Adventures mit besonderem Fokus auf die Geschichteninteraktion zu neuem Glanz verholfen. Wenig erstaunlich, dass nach einer ganzen Reihe von Telltale-Serien nun auch andere Entwickler ein Stück vom Kuchen abhaben wollen. Square Enix und Dontnod Entertainment haben mit Life is Strange anders als Telltale auf ein eigens für ihr Videospiel erschaffenes Geschichten-Universum zurückgegriffen und eine Geschichte über Zeitreise und das Erwachsenwerden geschrieben. Nachdem nun alle fünf Episoden von Life is Strange verfügbar sind, haben wir uns das Adventure einmal angeschaut und verraten euch, was es zu bieten hat.

In Life is Strange schlüpft man in die Rolle einer 18-jährigen jungen Frau namens Max, die ihr Leben der Fotografie verschrieben hat. Eines Tages bemerkt Max, dass sie eine gar eigenartige Fähigkeit besitzt. Sie kann nämlich bewusst die Zeit zurückdrehen und kann auf diese Weise Geschehnisse, die sie erlebt, nach eigenem Gutdünken – soweit es in ihrer Macht liegt – verändern. Gleich als eine der ersten Amtshandlungen mit ihrer neu gewonnenen Fähigkeit, rettet sie ein Mädchen in Mädchentoilette ihrer Schule davor, von einem bewaffneten Mitschüler über den Haufen geschossen zu werden.

Im weiteren Verlauf stellt sich heraus, dass Max mit eben jener Mitschülerin in Jugendtagen eng befreundet war – und dass ihre frühere Freundin eine andere Freundin schmerzlich vermisst, die spurlos verschwunden scheint. Die Geschichte in Life is Strange dreht sich nun darum, eben jene Freundin wiederzufinden, aber auch um Max’ soziale Schwierigkeiten beim Erwachsenwerden.

Life is Strange

Die Geschichte steht in Life is Strange klar im Fokus des Spiels und ist, neben der Musik auch definitiv das Highlight. Das Gameplay besteht im Grunde genommen aus nicht viel mehr als Auswahlmöglichkeiten, die den weiteren Story-Verlauf dezent beeinflussen, kleinen Rätseln und der Erkundung der Umgebung. Verschont bleibt man glücklicherweise von den sonst so üblichen – und nervigen – Quick Time Events, die besonders in Telltales-Spielen einen bedeutenden Teil der Spielerfahrung ausmachen. Im Gegenteil, durch Max’ praktische Zeitreisefähigkeit hat der Spieler eigentlich nie einen besonders starken Druck, schnell die richtige Entscheidung zu treffen, sondern hat in aller Regel schlicht die Möglichkeit, zum entscheidenden Zeitpunkt zurückzureisen, um seine Entscheidung zu korrigieren. Sehr gelungen sind Charakterisierung und Inszenierung der Geschichte, die tatsächlich auch aus filmischer Sicht nicht negativ auffällt.

Kritisieren muss man an dieser Stelle allerdings die erzählerische Konsistenz, denn die Entwickler haben keine Regeln für ihre Zeitreisen aufgestellt, was zu hahnebüchenen Erzählmomenten und vor allem unlogischen Minirätseln führt. Wenn Max in der Zeit zurückreist, scheint es völlig von der Willkür der Entwickler abzuhängen, was passiert. Zwei grundlegende Typen von Zeitreisen sind in der Welt von Life is Strange beobachtbar. Einerseits kann man in der Zeit zurückreisen, indem man seine Erinnerungen behält, aber in seinen Körper vor einer gewissen Zeitspanne zurückkehrt.

Nach diesem Prinzip funktioniert Zeitreise beispielsweise in der ursprünglichen Situation auf der Mädchen-Toilette in Max’ Schule. Andererseits gibt es aber auch die Zeitreise, bei der Max einfach an Ort und Stelle stehen bleibt und nur die Welt um sie herum sich zurückdreht. In diesem Zusammenhang ist beispielsweise eine recht nebensächliche Szene in der ersten Episode auffällig, in der ein Vogel bei Betreten eines Raums gegen ein Fenster fliegt und sofort verendet. Die Lösung für den blauen Piepmatz: Man stellt sich vor das Fenster, dreht die Zeit eine Weile zurück, öffnet das Fenster und der Vogel fliegt einfach in das Zimmer.

Life is Strange

Letztere Zeitreise erscheint sehr eigenwillig, da insbesondere die Frage bestehen bleibt, wie Max aus der Außenperspektive überhaupt an ihren Ort gelangt ist und was mit der Max geschieht, die eigentlich die Tür öffnen sollte. Dass diese wechselhafte Interpretation von Zeitreise auch der zentrale Inhalt der Rätsel im Spiel ist, ist nicht eben erbaulich. Doch ungeachtet dieser Kritik ist Life is Strange eine toll erzählte Spielerfahrung, die sich problemlos mit den Telltale-Spielen messen kann. Während optisch übrigens definitiv einiges mehr drin gewesen wäre, kann Life is Strange akustisch sehr überzeugen und immerhin mit einer makellosen Performance glänzen.

Life is Strange ist ein packendes und persönliches Adventure-Spiel mit einer interessanten, aber nicht ganz konsequent durchgedachten Geschichte zu gefallen weiß. Dass das Gameplay auf nervige QTEs verzichtet und die Musik sehr stimmungsvoll ist, versüßt die Spielerfahrung signifikant. Adventure- wie Telltale-Freunde sollten Life is Strange auf jeden Fall eine Chance geben.

Das könnte Dich auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar