Mad Max: Hat der Open-World-Titel auf der Xbox One Sand im Getriebe?

Mad Max Fury Road ist ohne Frage einer der eindrucksvollsten Action-Filme des Jahres. Regisseur George Miller hat sich mit diesem Film sozusagen sein eigenes Denkmal gesetzt. Da darf natürlich auch das passende Spiel nicht fehlen. Im Gegensatz zu vielen anderen Film-Versoftungen hat man bei Warner Bros. Interactive Entertainment jedoch erkannt, dass eine direkte Umsetzung eines Films nur selten zum Erfolg führt und Batman-Spiele der jüngeren Vergangenheit geben dem Publisher Recht. Zudem wurde auch darauf verzichtet, den Titel pünktlich zum Start des Kinofilms im Mai dieses Jahres herauszubringen. Stattdessen erscheint Mad Max zum Start der BluRay- und DVD-Veröffentlichung. Doch kann das Spiel mit anderen Open-World-Titeln mithalten?

Die Geschichte von Mad Max ist schnell erzählt und ähnlich simpel gestrickt wie im aktuellen Film. Max will in einer postapokalyptischen Welt mit seinem Auto einfach nur die Plains of Silence erreichen, denn er hat nichts mehr im Leben, was ihn antreiben könnte. Doch seine Planungen werden jäh durch ein paar rücksichtslose War Boys von Warlord Scabrous Scrotus durchkreuzt. Sie nehmen ihm auch noch sein letztes Hab und Gut und lassen ihn zusammengeschlagen in der Wüste zurück, wo er verrotten soll. Doch sie haben einen schweren Fehler begangen. Sie hätten nicht sein Auto, den Interceptor, nehmen dürfen. Nachdem er sich mit dem buckligen und von Apokalypse gezeichneten Mechaniker Chumbucket zusammengetan hat, kann sein Rachefeldzug beginnen.

Die Ausgangssituation sagt eigentlich schon alles und es wird schnell klar, dass wir bei diesem Spiel keine vielschichtigen Handlungsstränge oder eine narrative Revolution erwarten dürfen. Stattdessen präsentiert sich Mad Max gerade in der Anfangszeit als lupenreines Action-Adventure mit viel Grinding. Chumbucket bietet uns an, ein neues Schlachtross, genannt Magnum Opus, für uns zu bauen.

Mad Max

Dafür benötigt er allerdings verschiedene Komponenten, die wir aus allerlei Schrott zusammentragen. Das kann in den ersten Spielstunden aber ziemlich ermüdend sein, denn auch wenn die Quests ganz glaubwürdig in den Spielablauf eingeflochten sind, können wir abseits davon noch nicht viel machen. Erst, wenn der erste Akt und damit verschiedene Modifikationen des Magnum Opus hinter uns liegen, offenbart sich das Potenzial des Spiels.

Der erste Akt dient auch gleichzeitig als eine Art Einführung, in der wir uns mit den Gegebenheiten von Mad Max vertraut machen. Dabei baut das Gameplay auf zwei Kernelemente auf. Zum einen geht es darum, sich im Auto und den damit verbundenen Autokämpfen zu beweisen und zum anderen stellen wir auch unser Können als Kämpfer Mann gegen Mann unter Beweis. Natürlich steht das alles unter dem Ziel, den Interceptor wieder zu erlangen und endlich die Plains of Silence zu finden. Dabei ist es den Entwicklern erstaunlich gut gelungen, eine abwechslungsreiche Wüste als interaktive Welt uns vorzusetzen.

Überall gibt es etwas zu entdecken oder Nebenaufgaben zu lösen. So nehmen wir an Todesrennen teil, mindern durch unsere eigene Zerstörungswut den Einfluss der anderen Warlord oder sammeln eben Schrott für weitere Modifikationen ein. Der Magnum Opus oder auch andere Autos von verschiedenen War Boys sind neben der optionalen Schnellreise-Funktion dabei die bevorzugten Reisemittel. Zu Fuß kommen wir nicht weit.

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Da wir aber nicht ständig auf Schrottsuche gehen wollen, empfiehlt es sich, kleinere Bollwerke der Gegner erst effektvoll einzureißen, um sie später von Verbündeten wieder aufbauen zu lassen. So wandern zum Beispiel Schrottteile vollkommen automatisch auf unser Konto, was die Fortschritte am Auto deutlich einfacher gestaltet. Gleichzeitig werden neue Quests und Boni freigeschaltet. Solange diese Missionen aber nicht zur Haupthandlung gehören, sind diese Aktivitäten vollkommen freiwillig.

Aber nicht nur das Auto lässt sich aufrüsten, auch Max können wir beispielsweise durch Kämpfe in seinen Fähigkeiten verbessern. Unter anderem füllt sich dann Max‘ Energieleiste schneller, wenn er etwas futtert oder seine Schläge werden durchschlagskräftiger. Das Kampfsystem ist in diesem Fall an die Batman-Spiele angelehnt, aber nicht so komplex. Ausweichen, Angreifen mit und ohne Waffe sowie das Blocken von Attacken sind möglich. Welchen Gegner wir angreifen oder ob wir es gleich mit einer ganzen Gruppe aufnehmen, bleibt in den meisten Fällen uns überlassen.

Scheitern wir dennoch einmal, können wir an einem der fair platzierten Checkpoints sofort wieder einsteigen. Während dieses System wunderbar funktioniert, hakt es bei Max‘ Steuerung jedoch an anderer Stelle. Kletterpartien, das Betätigen von Hebeln oder Einsammeln von Items gestaltet sich oft als nicht sonderlich intuitiv. Wir müssen stets genau stehen, um Aktionen auszulösen.

Doch nicht nur im Kampf Mann gegen Mann müssen wir uns beweisen. Sobald wir die ersten Verbesserungen am Magnum Opus vorgenommen haben, geht es auch auf vier Rädern ordentlich zur Sache. Mit Rammböcken, Harpunen und mehr können wir unseren fahrbaren Untersatz aufmotzen und ihn zu einer echten Todesmaschine ausbauen. Je nachdem, welche Komponenten wir verbauen, wirkt sich das nicht nur auf die Kampffähigkeiten des Autos aus, sondern auch auf das Fahrverhalten.

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Wollen wir nicht nur Blech auf Blech knallen lassen, sondern diverse Waffen bei der Fahrt benutzen, schaltet das Spiel in eine Art Zeitlupe, damit wir besser agieren können. Dass wir dabei auch mal selbst einstecken müssen, versteht sich von selbst. Zum Glück fährt Chumbucket immer mit und zeigt sein Reparaturtalent, sobald wir kurz anhalten. So sehr das Umherfahren mit den Autos und das Kämpfen auch Spaß macht, mit der Zeit wird das Aufgabenfeld immer eintöniger, weil man irgendwie schon alles einmal gesehen hat.

Es ist schon erstaunlich, wie Entwickler Avalanche Studios es geschafft hat, eine Wüste sowohl inhaltlich als auch optisch abwechslungsreich zu gestalten. Jedes Gebiet, das wir im Verlauf des Abenteuers bereisen, überzeugt mit einer etwas anderen Farbpalette, ganz wie im Film. Auch die Wandlung von Max und die detailreichen Vehikel innerhalb des Spiels sind gelungen. Allerdings wirken vereinzelte Texturen innerhalb mancher Festungen etwas lieblos. Beim Spielen fällt das jedoch kaum ins Gewicht. Im Gegensatz zu den viel zu kleinen Untertiteln, die selbst für englischversierte Spieler sinnvoll sind.

Die englische Sprachausgabe ist zwar exzellent umgesetzt und passt zur Atmosphäre, aber durch den extremen Akzent mancher Charaktere nicht immer verständlich. Eine deutsche Synchronisation wäre wünschenswert gewesen. Beim restlichen Sound macht den Entwicklern ebenfalls keiner was vor. Egal, ob es nun die stimmungsvollen Melodien sind oder die röhrenden Motoren. Akustisch gibt es die volle Breitseite Mad Max.

Mad Max

Mad Max ist ein ordentlicher Open-World-Titel mit jeder Menge Action und vereinzelten Rollenspiel-Elementen. Zwar setzt sich hier und da ein wenig Sand im Spielgetriebe fest, aber als Erweiterung des Filmuniversums ist der Titel mehr als nur einen Blick wert. Schade nur, dass es Mad Max auf lange Sicht etwas an Abwechslung mangelt. Eine Wüste als Spielwelt bietet eben keine unbegrenzten Möglichkeiten. Wer sich aber daran nicht stört, bekommt einen soliden Action-Titel vorgesetzt, der vor allem in der technischen Umsetzung sehr nah an den Film herankommt. Wir haben schon deutlich schlechtere Lizenztitel gesehen und gespielt.

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