Until Dawn – Der spielbare Teenie-Horrorfilm mit Entscheidungsfreiheit

Wie können Spiele-Hersteller heute noch die Massen mobilisieren? Das geht entweder mit millionenschweren Produktionen, bei der ein Großteil des Budgets ins Marketing gesteckt wird, um dem Publikum weiszumachen, dass hier etwas sehr Großes auf sie zukommt, oder es müssen frische Konzepte her.

Letzteres wird aber immer schwerer zu bewerkstelligen, denn es schwebt auch immer die Unsicherheit mit, ob der Endkonsument auch wirklich daran interessiert ist. Der eine oder andere Entwickler entscheidet sich in einem solchen Fall entweder für ein unabhängiges Projekt oder es werden Trends aufgegriffen, die es schon einmal gab oder anderen Medien entstammen.

Als Mitte der 90er Jahre Scream eine neue Welle von Slasher-Filmen und Teenie-Horror-Filmen los trat, wollte so ziemlich jedes namhafte Filmstudio einen Stück vom Horrorkuchen abhaben und auch erste Spiele-Entwickler erkannten das Potenzial dieses Subgenres des Horrorfilms. Das französische Studio Microïds brachte 2004 das Spiel Obscure heraus, dessen Vorlage offensichtlich der Film Faculty war. Zusätzlich gab es einem Nachfolger, aber kaum ein anderer Entwickler traute sich, ebenfalls sich diesem Thema anzunehmen. Stattdessen erlebten Zombies und andere Monster einen echten Höhenflug, der bis heute anhält. Neu ist das allerdings nicht.

Until Dawn

Die Möglichkeiten in der Spieleindustrie haben sich in den letzten Jahren so rasant weiterentwickelt, dass Hersteller vermehrt die Nähe zur Filmindustrie suchen. Quantic Dream beispielsweise versucht sich seit Jahren an der vollkommenen Verschmelzung von Film und Spiel. Titel wie Heavy Rain oder Beyond: Two Souls haben dabei eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass eine vielschichtige Handlung und ein mitreißendes Spiel sich nicht ausschließen müssen. Ebenso zeigte Naughty Dog in den vergangenen Jahren, dass eine cineastische Präsentation und interessantes Gameplay eine hervorragende Kombination ergeben. Allerdings waren die Settings nicht sonderlich außergewöhnlich. Hier tritt nun Entwickler Supermassive Games auf den Plan.

Zugegeben, der Hype um Teenie-Horrorfilme ist seit einigen Jahren etwas abgeflacht, aber in Spielen findet man diese Thematik dennoch kaum. Until Dawn ist nun ein weiterer Versuch, das zu ändern. Auf den ersten Blick gibt es alles, was einen typischen Film dieses Genres ausmacht. Acht Teenager, selbstverständlich werden alle gängigen Klischees bedient, planen einen Ausflug zu einer verlassenen Skihütte, in der vor einigen Jahren zwei ihrer Freunde umgekommen sind.

Doch irgendetwas stimmt auch dieses Mal nicht und ein unheimlicher Mörder treibt in dem Wald und dem angrenzenden Gebiet ebenfalls sein Unwesen. Klingt nach einem typischen Slasherfilm. Im Gegensatz zu einem Film, entscheidet jedoch der Spieler, wer überlebt und wer nicht. Die Entwickler bedienen sich dazu des Schmetterling-Effekts.

Until Dawn

Die Art des Spielprinzips ist nicht neu und ein netter Marketing-Gag, denn viele Spiele geben dem Nutzer die Option, sich zu entscheiden und damit den Verlauf der Handlung zu verändern, aber Until Dawn verpackt es auf eine angenehm frische Art und Weise. Mal ist ein Gespräch der Auslöser oder mal eine Handlung. Der grundlegende Ausgang der Geschichte bleibt, abgesehen von den noch lebenden Hauptpersonen, aber weitgehend unangetastet.

Until Dawn wirkte beim ersten Anspielen wie ein spielbarer Film, ausgerechnet wie einer meines Lieblingsgenres. Ich habe die beiden ersten Obscure-Spiele geliebt. Sie waren zwar weder spielerisch noch technisch Meisterwerke, aber allein die Grundelemente haben mich derart begeistert, dass ich beide Spiele innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe wie ein spannendes Buch.

Mit Until Dawn wird es vermutlich nicht anders sein. Ich darf entscheiden, ob die Sportskanone oder die Zicke überlebt, oder sogar beide – großartig. Auch wenn ich die Art der Filme liebe, wirklich clever sind die wenigsten Gestalten, jetzt kann ich das endlich ändern und meinen Lieblingscharakter überleben lassen. Warum geben mir nicht mehr Entwickler diese Art von Möglichkeiten? Vielleicht habe ich auch bei einem Uncharted oder Metal Gear Solid Lust, wichtige Personen über die Klinge springen zu lassen. Immerhin bin ich der Chef des interaktiven Vergnügens. Bis dahin werde ich mir wohl weiter die Zeit mit Until Dawn vertreiben müssen.

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