Das Duell der Abenteurer auf der E3 2015: Rise of the Tomb Raider vs. Uncharted 4: A Thief’s End

Lara Croft und Nathan Drake sind gar nicht so verschieden. Beide suchen das Abenteuer, gehen keiner Konfrontation aus dem Weg und haben eine Vorliebe für verborgene Schätze. Natürlich ist Lara eine echte Gaming-Ikone: Seit 1996 erforscht sie finstere Höhlen und ballert um sich. Ohne ihre Pionierarbeit hätte es Naughty Dogs Nathan Drake sicherlich schwerer gehabt.

Auf der diesjährigen E3 lieferten sich die Draufgänger ein krachendes Duell und mischten kräftig im neu entfachten Krieg zwischen Sonys Playstation 4 und Microsofts Xbox One mit. Zumindest für einige Monate wird Rise of the Tomb Raider nämlich exklusiv für Xbox One erhältlich sein. Uncharted 4: A Thief’s End erscheint ausschließlich für die Playstation 4 – allerdings nicht mehr in diesem Jahr.

Aber wer lieferte auf der E3 2015 in Los Angeles besser ab? Auf welches Spiel könnt ihr euch mehr freuen? Auf Rise of the Tomb Raider oder auf Uncharted 4: A Thief’s End?

Rise of the Tomb Raider

Das Rennen zwischen den beiden Helden könnte kaum enger sein. Wir treffen Lara in der E3-Demo in Sibirien an. Gemeinsam mit ihrem Freund und Mentor Jonah Maiava sucht die junge Archäologin nach einem versteckten Tempel. Doch die ruhige Kletterpartie im ewigen Eis endet im Chaos. Lara rutscht ab und muss sich spektakulär in Sicherheit bringen. Jonah bleibt zurück. Wie schon im Tomb Raider-Reboot thematisiert auch der Nachfolger den Überlebenskampf der Lara Croft. Der Humor bleibt dabei auf der Strecke. Dafür präsentiert sich das Spiel erneut hammerhart. Lara steckt kräftig ein, japst und stöhnt unter den Strapazen.

Mehr Hollywood-Spaß bietet Naughty Dogs Nathan Drake zumindest im letzten Teil der erst kürzlich für jedermann veröffentlichten E3-Demo. Hier durchlebt er allerlei Indiana-Jones-Momente: Er wird beispielsweise an einem Seil hängend von einem Lastwagen unter einer Brücke durchgezogen, rutscht eine Runde durch spektakulär dargestellten Schlamm und befreit sich schließlich in allerletzter Minuten aus dem Wrack eines brennenden Jeeps. In Puncto Inszenierung macht Naughty Dog also niemand etwas vor. Vorteil Uncharted 4: A Thief’s End!

Uncharted 4: A Thief's End

Zwar wirken die Action-Passagen in beiden Spielen ausgefeilt und detailreich. Doch Uncharted 4 hat einfach dieses gewisse Etwas, das einen mit offenem Mund vor dem Bildschirm zurücklässt. In Puncto Gameplay sieht die Sache schon anders aus: Hier baut auch das vierte Uncharted auf der Basis seiner Vorgänger auf. Auf dem Markt nimmt es Drake mit einigen Bösewichten auf. Er greift dabei zu Pistole und AK47, donnert Feinde durch Holzwände und knockt sie mit einer Sprungattacke aus. Naughty Dog deutet an dieser Stelle den größeren Fokus auf Höhenunterschiede an. Mit Enterhaken und flinken Kletteranimationen macht Drake auch im hohen Alter noch einen auf flinker Action-Held.

Besonders beeindruckend: Die Spiel-Physik erlaubt umfangreiche Umgebungszerstörung. Bei Schusswechseln zerbersten Kisten und Objekte fliegen durch die Luft. Es scheint fast so, als könnten nahezu alle kleineren Gegenstände in irgendeiner Form manipuliert werden. Allerdings wirkt diese erste Ballersequenz auch vergleichsweise linear.

Uncharted 4: A Thief's End

Rise of the Tomb Raider wiederum schenkt seiner Heldin mehr Freiheiten. Wie schon im Vorgänger schlägt sie auch diesmal ein zentrales Lager auf und reist von dort aus zu den Zielorten. Das neue Tomb Raider ist weiterhin nicht komplett Open-World, aber hat Ansätze einer offenen Spielwelt. Dabei kehrt das Spiel zurück zu seinen Wurzeln und lädt vermehrt zu Erkundungstouren alter Tempelanlagen samt Umgebungsrätseln ein. Sehr cool: Mit zunehmender Erfahrung lernt Lara neue Sprachen und kann dann Inschriften entziffern.

Rise of the Tomb Raider legt also wieder mehr Wert auf das Erforschen unbekannter Gebiete und baut damit auf der Geschichte der Serie auf. Es bietet in seiner Gesamtheit vermutlich das komplexere und offenere Gameplay. Deshalb: Kleiner Vorteil für Tomb Raider vor dem Hollywood-Shooter Uncharted 4.

Rise of the Tomb Raider

Im Kampf und in den Action-Passagen setzen beide Spiele weiterhin auf Quick-Time-Events. Das unterstreicht natürlich die Momente und zelebriert die geniale Grafik der Action-Abenteuer. Im Faustkampf etwa befreit sich Nathan durch Button-Mashing aus der Umklammerung eines Schergen. Lara auf der anderen Seite nimmt es mit einem Bären auf und flüchtet vor ihm. Sie ist es auch, die nicht nur mit Feuerwaffen, sondern auch mit Pfeil und Bogen agiert. Erneut rüstet man die Fertigkeiten dieses archaischen Kriegsgeräts auf und kann sich sogar Munition – wie etwa Giftpfeile – basteln. Im Kampfsystem herrscht daher Gleichstand: Rise of the Tomb Raider bietet sicherlich mehr Möglichkeiten. Uncharted 4 ist besser inszeniert und punktet mit seiner zerstörbaren Umgebung. In der Inszenierung liegen beide Titel Kopf an Kopf mit minimalen Vorteilen für Uncharted 4 und seinen etwas geschmeidigeren Animationen.

Rise of the Tomb Raider und Uncharted 4: A Thief’s End werden beides klasse Spiele. Beide Titel beeindrucken mit moderner Current-Generation-Technik und bringen die Hardware dank ihrer Hollywood-Inszenierung an ihre Grenzen. Rise of the Tomb Raider gibt sich offener und härter. Uncharted 4 wirkt geradliniger und noch feiner präsentiert als seine Vorgänger.

Für mich persönlich liegt Naughty Dogs Uncharted 4: A Thief’s End auf Grund seiner ausgefeilteren Charaktere vorne. Ich habe so viele aufreibende Stunden mit Nate, Sully und Elena verbracht, habe mit ihnen gelacht und geweint. Da kann die junge Miss Croft – nach dem arg brutalen Tomb Raider-Reboot – leider nicht ganz mithalten.

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